ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2016Antimykotika in der Schwangerschaft: Fehlgeburtenrate durch orales Fluconazol leicht erhöht

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Antimykotika in der Schwangerschaft: Fehlgeburtenrate durch orales Fluconazol leicht erhöht

Dtsch Arztebl 2016; 113(20): A-983 / B-829 / C-813

Heinzl, Susanne

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Vaginalkandidosen sind in der Schwangerschaft häufig. Eine Standardtherapie sind topische Azol-Antimykotika. Trotz begrenzter Datenlage zur Sicherheit wird aber immer wieder orales Fluconazol angewendet. Daher wurde in einer dänischen Kohortenstudie das Risiko für Fehl- und Totgeburten unter oraler Fluconazoltherapie während der Schwangerschaft untersucht.

Nach Aussage von Prof. Dr. med. Ralf Stahlmann, Institut für Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Universitätsmedizin Berlin, sollten Azol-Antimykotika in der Schwangerschaft generell nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung eingesetzt werden, weil sie beim Tier embryotoxisch wirken: „Die FDA hat im Jahr 2011 die Warnungen vor möglichen Fehlbildungen durch Fluconazol auf Dosierungen von 400 bis 800 mg am Tag erhöht, nicht jedoch für die Therapie mit Einzeldosen von 150 mg.“

Aus nationalen Patientenregistern wurden 1 405 663 Schwangerschaften (Zeitraum 1997–2013) erfasst. Für die Datenanalyse wurde je eine Schwangerschaft mit oraler Fluconazol-Exposition mit bis zu vier Schwangerschaften ohne Exposition verglichen, adjustiert nach mütterlichem Alter, Kalenderjahr und Gestationsalter. Ein weiterer Vergleich erfolgte mit Schwangeren, die Azol-Antimykotika angewandt hatten. Von 3 315 Frauen, die zwischen Schwangerschaftswoche 7 und 22 Fluconazol einnahmen, kam es bei 147 zu einer Fehlgeburt. Ohne Fluconazol-Exposition erlitten von 13 246 Frauen 563 eine Fehlgeburt. Damit stieg durch orale Fluconazol-Behandlung das Fehlgeburtsrisiko um 48 %. Das Risiko für eine Totgeburt war bei oraler Fluconazol-Exposition zwischen der 7. Woche und der Geburt zwar leicht, jedoch nicht signifikant erhöht (Hazard Ratio [HR]: 1,32). Im Vergleich zu topischer Azolbehandlung kam es unter oralem Fluconazol auch signifikant häufiger zu Fehlgeburten (HR: 1,62), das Risiko für Totgeburten war nicht erhöht.

Fazit: In dieser Registerstudie war das Risiko für eine Fehlgeburt bei Schwangeren mit oraler Fluconazol-Exposition signifikant höher als bei Frauen, die kein Fluconazol einnahmen oder topisch mit Azol-Antimykotika behandelt wurden, nicht aber das Risiko für Totgeburten. Die Autoren empfehlen deshalb, orales Fluconazol bei Schwangeren sehr zurückhaltend zu verordnen.

Nach Ansicht von Stahlmann ist die dänische Studie jedoch nicht sehr überzeugend: „Die Daten lassen keine Dosisabhängigkeit hinsichtlich der Induktion von Aborten erkennen. In der Kontrollpopulation liegt die Rate bei 4,25 %, nach Fluconazol-Exposition in Höhe von 150 bis 300 mg bei 4,43 % – diese geringen Unterschiede können auch durch andere Einflüsse bedingt sein. Außerdem sollte berücksichtigt werden, dass in zwei früheren Studien an kleineren Kollektiven keine Assoziation zwischen Fluconazol und einem erhöhten Abortrisiko beobachtet wurde.“

Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Mølgaard-Nielsen D, et al.: Association between use of oral fluconazole during pregnancy and risk of spontaneous abortion and stillbirth. JAMA 2016; 315: 58–67.

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