ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2016Koronare Herzerkrankung und Elektrolyte: Serummagnesium ist mit Risiko für Herztod assoziiert

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Koronare Herzerkrankung und Elektrolyte: Serummagnesium ist mit Risiko für Herztod assoziiert

Dtsch Arztebl 2016; 113(20): A-983 / B-829 / C-813

Siegmund-Schultze, Nicola

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Das Elektrolyt Magnesium (Mg) ist wesentlich für die Funktion des Herzens, der Skelettmuskel und des ZNS, es wirkt antiinflammatorisch und antagonisiert Kalzium an den Kalziumkanälen (1). Ein Zusammenhang zwischen Magnesiummangel und atrialen und ventrikulären Arrhythmien ist ebenso bekannt wie eine Assoziation mit dem Fortschreiten einer Arteriosklerose. Korrelationen mit der Verschlechterung einer koronaren Herzkrankheit (KHK) und vermehrtem plötzlichen Herztod liegen daher nahe, frühere Studien zu dieser Frage hatten allerdings widersprüchliche Ergebnisse und teilweise methodische Mängel.

Kumulative Wahrscheinlichkeit für Tod durch koronare Herzerkrankung in Abhängigkeit von verschiedenen Magnesiumleveln im Serum
Kumulative Wahrscheinlichkeit für Tod durch koronare Herzerkrankung in Abhängigkeit von verschiedenen Magnesiumleveln im Serum
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Kumulative Wahrscheinlichkeit für Tod durch koronare Herzerkrankung in Abhängigkeit von verschiedenen Magnesiumleveln im Serum

In der prospektiven, populationsbasierten Rotterdam-Studie ist untersucht worden, ob unterschiedliche Magnesiumspiegel im Serum mit der Sterblichkeit an KHK und plötzlichem Herztod korrelieren. Unter den 11 740 Personen aus einer Kohorte um Rotterdam (durchschnittlich 65,1 Jahre alt; 57 % weiblich) lagen von 9 820 Teilnehmern Serummagnesiumwerte vor – allerdings nur von einer Messung – und alle weiteren studienrelevanten Informationen. 2 303 Teilnehmer starben in der Beobachtungszeit von median 8,7 Jahren.

Niedrige Mg-Werte (≤ 0,80 mmol/L) waren assoziiert mit einer erhöhten KHK-Sterblichkeit (Hazard Ratio [HR]: 1,36; 95-%-Konfidenzintervall [KI] 1,09–1,69) und einem erhöhten Risiko für plötzlichen Herztod (HR: 1,54; 95-%-KI: 1,12–2,11). Ein Anstieg des Mg im Serum um 0,1 mmol/L erniedrigte die KHK-Mortalität um 18 % (HR: 0,82; 95-%-KI: 0,70–0,96). Auch zwischen dem Fortschreiten einer subklinischen Arteriosklerose und niedrigem Serum-Mg gab es Assoziationen (Dicke der A. carotis Intima media: + 0,013 mm). Bei niedrigem und hohem Mg wurden verlängerte QTc-Intervalle festgestellt (+1,8 msec bei niedrigem, +2,2 msec bei hohem [≥ 0,89 mmol/L]).

Fazit: Niedrige Magnesiumwerte im Serum sind mit einem erhöhten Risiko für Tod durch KHK und plötzlichem Herzstillstand assoziiert. „Bei allen Limitationen des Designs liefert die Studie in einer großen Population wertvolle Hinweise auf die Bedeutung des Serummagnesiumwertes für die kardiovaskuläre Mortalität und den plötzlichen Herztod“, kommentiert Prof. Dr. med. Nikolaus Marx, Direktor der Medizinischen Klinik I Kardiologie, Pneumologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin am Universitätsklinikum Aachen. „Es sollte jedoch betont werden, dass es sich um eine Assoziation handelt und völlig unklar bleibt, ob die Erhöhung niedriger Mg-Serumspiegel einen Effekt auf die Prognose der Behandelten hat. Um diese Frage zu klären, sind prospektive, kontrollierte Studien nötig.“ Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. de Baaij JHF, Hoenderop J, et al.: Magnesium in man: implications for health and disease. Physiol Rev 2015; 95: 1–46.
  2. Kieboom BCT, Niemeijer MN, Leening MJG, et al.: Serum magnesium and the risk of death from coronary heart disease and sudden cardiac death. J Am Heart Assoc 2016; 5:e002707.
Kumulative Wahrscheinlichkeit für Tod durch koronare Herzerkrankung in Abhängigkeit von verschiedenen Magnesiumleveln im Serum
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