ArchivDeutsches Ärzteblatt23/1996Pilotversuch in Sachsen: Gesundheitsaufklärung mit multimedialen Computersystemen

POLITIK: Aktuell

Pilotversuch in Sachsen: Gesundheitsaufklärung mit multimedialen Computersystemen

Bornstein, R.; Baehring, U.; Scherbaum, A.

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LNSLNSLNSLNS Die Gesundheitsaufklärung liegt im Interesse und in der Eigenverantwortung aller Bürger. Aufgrund der aktuellen Diskussion um die Qualitätssicherung muß es für uns Ärzte daher ein Anliegen sein, dem Patienten und Bürger die notwendigen Informationsquellen in einer gut verständlichen Sprache zur Verfügung zu stellen. Dabei sind sowohl Qualität als auch die attraktive Gestaltung der Inhalte besonders wichtig.


Informationen auf Fingerdruck
Unser Anliegen war es zu untersuchen, wie moderne Computersysteme für die Gesundheitsaufklärung einsetzbar sind. In Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt der Stadt Leipzig, dem Deutschen Hygienemuseum in Dresden und Partnern aus der Industrie haben wir dafür eine computergestützte Informationssäule mit multimedial gestaltetetem Informationsangebot (Texte, Grafiken, hochauflösende Videos, Animationen) entwickelt. Begonnen haben wir mit dem gesundheitspolitisch bedeutsamen Thema des Jodmangels. Das System informiert anhand zahlreicher fotorealistischer Bilder über die Entstehung des Jodmangels und den Zusammenhang von Ernährung und Schilddrüsenerkrankungen. Zugleich werden Informationen zu diagnostischen und therapeutischen Verfahren sowie zu neuesten Entwicklungs- und Forschungstrends auf diesem Gebiet vermittelt. Den Abschluß bildet ein Quiz zum Thema. Nach erfolgreicher Beantwortung aller Fragen kann sich der Benutzer eine kostenlose Eintrittskarte für das Deutsche Hygienemuseum ausdrucken.
Mit dem Finger können auf dem berührungsempfindlichen Bildschirm (Touchscreen) die verschiedenen Themen ausgewählt werden (siehe Abbildung 1). Besonderes Augenmerk lag auf einer ansprechenden grafischen Gestaltung der medizinischen Inhalte. Eine kurze Zusammenfassung des Themas und eine Liste mit nützlichen Adressen und Ansprechpartnern können durch den Benutzer ausgedruckt werden.


Hohe Resonanz auf das Pilotprojekt
Für erste praktische Untersuchungen wurden Infosäulen in Wartebereichen des Universitätsklinikums, im Neuen Rathaus der Stadt Leipzig und im Hygienemuseum in Dresden aufgestellt. Überraschend war die hohe Resonanz, die das System in weiten Kreisen der Öffentlichkeit wie auch bei den Medien hervorrief. Monatlich waren dann etwa 1 000 Benutzungen durch die Leipziger Bevölkerung zu registrieren.
Die Infosäule wurde ebenfalls im Rahmen der Aktionstage der Deutschen Herzwoche im November 1995 eingesetzt und ihre Nutzung von Doktoranden der Medizin evaluiert. Pro Aktionstag gab es mehr als 100 Benutzungen und ebenso viele Befragungen. Von besonderem Interesse war die Frage, wie die medizinischen Inhalte didaktisch gestaltet werden müssen, um ein hohes Interesse bei unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen zu erreichen. Dabei stellten wir deutliche Unterschiede im Nutzungsverhalten in Abhängigkeit vom Alter, von der sozialen Situation, dem Bildungsstand und medizinischen Vorwissen fest.
Der Einsatz und die epidemiologische Bewertung erfolgt nun gemeinsam mit dem Forschungsverbund Public Health Sachsen, speziell mit dem Deutschen Hygienemuseum in Dresden. Die gewonnenen Daten liefern gesundheitspolitisch relevante Informationen, um computergestützte Informationssysteme verstärkt in den Prozeß der Gesundheitsaufklärung und -erziehung zu integrieren.


Europäische Partner
Die weitere Ausgestaltung des Projektes an der Universität Leipzig erfolgt auch im Rahmen des Europaprojektes EURO HEALTH. Gemeinsam mit unseren Partnern in England, Irland, Spanien und Dänemark werden nun Technik, Didaktik und Inhalte für Gesundheitsinforma-tionsangebote am PC europaweit etabliert.
Nach den im Rahmen unseres Pilotprojektes gewonnenen Erfahrungen sollten bei zukünftigen Aktivitäten folgende Punkte berücksichtigt werden:
¿ Die Gesundheitsaufklärung zu den großen Themen sollte von kompetenten Vertretern der Ärzteschaft erstellt werden.
À Gesundheitsthemen werden in Verbindung mit moderner Informationstechnologie von den Medien gern aufgegriffen und weiter verbreitet. Á Auch große Teile der älteren Generation interessieren sich für das Informationssystem, Berührungsängste werden schnell überwunden.
 Die Gestaltung der Inhalte sollte mit regionalem Schwerpunkt erfolgen, damit sich die Menschen durch die Inhalte konkret angesprochen fühlen.
à Die Benutzung dieser interaktiven Gesundheitsaufklärung könnte mit einem Bonussystem der gesetzlichen Krankenkassen verbunden werden.
Wir müssen unsere europaweiten Anstrengungen auf dem Gebiet der Gesundheitsaufklärung verstärken, damit durch einen Technologie- und Wissenstransfer der europaweit mobile Bürger unterstützt wird. Die Auswertung der Nutzungsdaten eröffnet neue Perspektiven für eine diesbezügliche epidemiologische Forschung in Europa.
Als weitere Möglichkeiten, Gesundheitsaufklärung mit Hilfe der neuen Medien zu leisten, bieten sich die CDROM, die verschiedenen Online-Dienste und vor allem das weltumspannende Internet (Abbildung 2) an. Der Abruf aktueller Informationen kann dabei jederzeit vom heimischen PC aus erfolgen. Die Beratung ist anonym, die Informationen sind weltweit verfügbar.


Anschrift für die Verfasser:
Privatdozent
Dr. med. Stefan R. Bornstein
Universität Leipzig
Medizinische Klinik und Poliklinik III
Philipp-Rosenthal-Straße 27
04103 Leipzig

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