ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2016Frage der Woche an . . . Prof. Dr. Dr. h. c. Hugo Van Aken, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Münster

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Prof. Dr. Dr. h. c. Hugo Van Aken, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Münster

Sie haben vor kurzem ein Projekt gestartet, um mit Hilfe eines „Medizinischen Einsatzteams (MET)“ Notfälle in Krankenhäusern nach Möglichkeit erst gar nicht entstehen zu lassen. Worum geht es dabei konkret?

Dtsch Arztebl 2016; 113(21): [4]

Glöser, Sabine

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Sie haben vor kurzem ein Projekt gestartet, um mit Hilfe eines „Medizinischen Einsatzteams (MET)“ Notfälle in Krankenhäusern nach Möglichkeit erst gar nicht entstehen zu lassen. Worum geht es dabei konkret?

Van Aken: Patienten, die sich einer Operation unterziehen müssen, haben je nach Vorerkrankung und Art des Eingriffs ein Risiko, im Anschluss Komplikationen zu entwickeln und zum Notfall zu werden. Unser Anliegen ist es, solche Notfälle nach Möglichkeit gar nicht erst entstehen zu lassen. Am Universitätsklinikum Münster identifizieren daher Ärzte der Prämedikationsambulanz solche Risikopatienten vor einem Eingriff. Diese sowie Patienten, die während einer Operation erhöhte Blutverluste erlitten haben und instabil waren, erhalten postoperativ von einem Facharzt für Anästhesie eine zusätzliche Visite am zweiten oder dritten Tag, um bei Bedarf frühzeitig geeignete Gegenmaßnahmen einleiten zu können. Alle auffälligen Befunde werden mit dem betreuenden Arzt der operativen Fachdisziplin besprochen, das weitere Prozedere wird gemeinsam festgelegt.

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Unser Ziel ist es, die Therapie zu optimieren, ohne den Patienten auf eine Intensivstation verlegen zu müssen. Gleichzeitig werden bei uns auf allen operativen Stationen standardmäßig hämodynamische Parameter, Blutverluste, Schmerzen, Temperatur, aber auch die Sauerstoffsättigung der Patienten bestimmt. Insbesondere letzterer Wert ist ein entscheidendes Alarmsignal für sich anbahnende Komplikationen.

Zusätzlich gibt es am Universitätsklinikum Münster einen intensivmedizinischen Konsildienst für alle operativen Stationen. Das heißt: Rund um die Uhr ist ein Facharzt mit intensivmedizinischer Erfahrung verfügbar, den die Station anfordern kann, wenn sich der Zustand eines postoperativen Patienten verschlechtert. Denn die Patienten weisen oft schon einige Stunden vor einem Herzstillstand bestimmte Zeichen einer Verschlechterung auf. Diese wertvolle Zeit müssen wir nutzen, um rechtzeitig und präventiv zu intervenieren. Wir möchten auf diese Weise verlängerte Kranken­haus­auf­enthalte, ungeplante Aufnahmen auf Intensivstationen und Todesfälle verhindern.

Darüber hinaus belegt schon eine aktuelle Studie aus den Niederlanden, dass die Einführung von „Medizinischen Einsatzteams“, die es übrigens auch an den Universitätskliniken Bonn und Dresden gibt, den gewünschten Erfolg bringen. Den Ergebnissen zufolge reduzieren sie die Sterblichkeit nach Operationen und ungeplante Verlegungen auf Intensivstationen. sg

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