ArchivDeutsches Ärzteblatt22-23/2016Psychopharmaka-Verordnungen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland

MEDIZIN: Originalarbeit

Psychopharmaka-Verordnungen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland

Bundesweite Auswertung von über 4 Millionen gesetzlich Versicherten von 2004 bis 2012

Psychopharmacological prescriptions in children and adolescents in Germany— a nationwide analysis of over 4 million statutory insured individuals from 2004 to 2012

Dtsch Arztebl Int 2016; 113(22-23): 396-403; DOI: 10.3238/arztebl.2016.0396

Abbas, Sascha; Ihle, Peter; Adler, Jürgen-Bernhard; Engel, Susanne; Günster, Christian; Linder, Roland; Lehmkuhl, Gerd; Schubert, Ingrid

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Hintergrund: Vor dem Hintergrund der steigenden Stimulanzien-Verordnungen bei Kindern und Jugendlichen innerhalb der letzten 20 Jahre ist es von Interesse, auch die Entwicklung der Prävalenz und Inzidenz anderer Psychopharmaka zu untersuchen, um frühzeitig auf potenzielle Probleme in der Versorgung reagieren zu können.

Methoden: Basierend auf den bundesweiten Daten der gesetzlichen Krankenkassen (allgemeine Ortskrankenkasse [AOK]: Grundgesamtheit; Techniker Krankenkasse [TK]: 50 % randomisierte Stichprobe) aller Kinder und Jugendlichen von null bis 17 Jahren (N = 5,0 Millionen im Jahr 2012) wurden Verordnungs- und Neuverordnungsraten sowie erstverschreibende Arztgruppen im Trend der Jahre 2004 bis 2012 für die Gruppe aller Psychopharmaka und ausgewählte Untergruppen analysiert.

Ergebnisse: Die Psychopharmaka-Prävalenz ohne pflanzliche/homöopathische Mittel nahm von 19,6 im Jahr 2004 auf 27,1 im Jahr 2012 pro 1 000 Kinder und Jugendliche zu. Deutliche Anstiege zeigten sich bei Stimulanzien (10,5 auf 19,1 Promille) und Antipsychotika (2,3 auf 3,1 Promille), während die Prävalenz der Antidepressiva weitgehend konstant bei circa 2 Promille blieb. Die Neuverordnungsraten von 2006 auf 2012 waren überwiegend konstant bis abfallend. Beispielsweise wurde in der Gruppe der Psychopharmaka ohne pflanzliche/homöopathische Mittel ein Abfall von 9,9 auf 8,7 Promille registriert. Tendenziell erhöhte sich der Anteil der fachspezifischen Arztgruppen als Erstverordner zu Lasten der Allgemein- und Kinderärzte.

Schlussfolgerung: Die Zunahme der Psychopharmaka-Prävalenzen scheint weniger auf der Anzahl an neu pharmakologisch therapierten Kindern und Jugendlichen zu beruhen, sondern dadurch bedingt zu sein, dass mehr Patienten, die bereits einmal eine Therapie bekommen hatten, in den folgenden Jahren erneut eine Psychopharmaka-Therapie erhielten.

LNSLNS

Weltweit leiden schätzungsweise 10–20 % aller Kinder und Jugendlichen unter Beeinträchtigungen ihrer psychischen Gesundheit (1). In einer 2004 erschienenen Metaanalyse wurde die Prävalenz der emotionalen und Verhaltensstörungen in Deutschland auf 18 % beziffert (2). Jüngste Daten der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (KiGGS) des Robert Koch-Instituts geben keinen Hinweis darauf, dass die Häufigkeit psychischer Auffälligkeiten zwischen 2003–2006 und 2009–2012 anstieg (3, 4). Dennoch nahmen in den letzten Jahren sowohl in Deutschland (58) als auch international (915) die Psychopharmaka-Verordnungen an Kinder und Jugendliche zu. Während die Zahl von Methylphenidat-Verordnungen seit den frühen 1990er Jahren bis heute einen Höhepunkt erreicht hat und sich nun eine Abnahme andeutet (16, 17), zeichnet sich bei der Verordnung von Antipsychotika an Kinder und Jugendliche eine in den Anfängen vergleichbare Entwicklung ab (6, 15). Während die Mehrheit der bisherigen Studien auf Trends in den Verordnungsprävalenzen, das heißt den Anteil der Kinder und Jugendlichen mit mindestens einer Verordnung im jeweiligen Jahr, fokussierten, fehlen Untersuchungen zu Neuverordnungen (Inzidenzen). Wenn beide Kennziffern gegenübergestellt werden, kann das Verordnungsgeschehen differenziert interpretiert werden. In Deutschland existieren zudem nur wenige und meist ältere Studien, die einzelne Psychopharmakagruppen im zeitlichen Trend untersuchen (58, 1820).

Die vorliegende Arbeit gibt daher erstmals für Deutschland einen umfassenden Überblick über die Verordnungen und Neuverordnungen von Psychopharmaka (Psycholeptika und Psychoanaleptika) allgemein und für die Untergruppen der Antipsychotika, Anxiolytika, Hypnotika sowie Sedativa, Antidepressiva und Stimulanzien im Trend über neun Jahre von 2004–2012. Daneben werden für die Neuempfänger von Psychopharmaka Trends bei den erstverschreibenden Arztgruppen sowie die Prämedikation mit jeweils anderen Psychopharmaka analysiert. Hierzu wurden deutschlandweite Daten der gesetzlichen Krankenkassen (allgemeine Ortskrankenkassen [AOK] und Techniker Krankenkasse [TK]) analysiert, die circa ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland umfassen (21).

Methode

Die Untersuchung basiert auf den Daten aller Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen null und 17 Jahren von 2004–2012 der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rungen AOK (Vollerhebung) und TK (50 % randomisierte Stichprobe). Die Grundgesamtheit der im letzten Beobachtungsjahr 2012 durchgängig versicherten Kinder und Jugendlichen lag bei 3,57 Millionen in der AOK und 0,72 Millionen Versicherten in der TK. Da die Stichprobe bei der TK 50 % der Mitglieder im Kindes- und Jugendalter umfasste, wurden die Daten der TK zweifach gewichtet. Demnach sind die vorgestellten Ergebnisse (N, Prozent, Promille) für die Population aller bei der TK und AOK versicherten Kinder und Jugendlichen repräsentativ.

Prävalenzen wurden als Anteil der Kinder und Jugendlichen mit mindestens einer Verordnung bezogen auf die durchgängig Versicherten, inklusive der 0-Jährigen ab Geburt durchgängig Versicherten, im jeweiligen Jahr definiert. Als Inzidenz wurde der Anteil von Kindern sowie Jugendlichen mit mindestens einer Verordnung und keiner entsprechenden Verordnung in den 730 Tagen (zwei Jahre) zuvor bezeichnet – bezogen auf die durchgängig Versicherten im Beobachtungsjahr und den beiden Vorjahren.

Die Gesamtgruppe der Psychopharmaka, das heißt die Psycholeptika und Psychoanaleptika mit der anatomisch-therapeutisch-chemischen [ATC] Klassifikation (22) N05 und N06, wurde ohne pflanzliche/homöopathische Wirkstoffe (N05BP, N05CP, N05H, N06AH, N06AP) ausgewiesen. Dadurch wird im Gesamtüberblick der Schwerpunkt auf die allopathischen Mittel gelegt. Separat ausgewertet wurden die folgenden fünf pharmakologischen Untergruppen nach ATC-Systematik:

  • Antipsychotika (N05A)
  • Anxiolytika (N05B)
  • Hypnotika und Sedativa (N05C)
  • Antidepressiva (N06A)
  • Stimulanzien (N06BA).

Es wurden nur Arzneimittelverordnungen aus dem ambulanten Sektor in die Auswertung einbezogen, inklusive Verordnungen von Einrichtungen, die zur Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung ermächtigt sind, zum Beispiel Institutsambulanzen.

Die Facharztgruppen wurden über die Arztnummer entsprechend dem Facharztgruppenschlüssel identifiziert.

Ob sich über die Jahre die Verordnungsraten unter Berücksichtigung von Unterschieden in der Alters- und Geschlechtsstruktur signifikant veränderten, wurde mittels statistischer Verfahren berechnet (Poisson-Regression, PROC GENMOD, Statistical Analysis Software [SAS]). Die daraus resultierenden relativen Risiken können als prozentuale Veränderungen in der administrativen Behandlungsprävalenz/-inzidenz über die Jahre interpretiert werden.

Als Signifikanzniveau wurde p < 0,001 gewählt. Analog zu den Prävalenz- und Inzidenzschätzungen wurde die Poisson-Regression mit den doppelt gewichteten TK-Daten durchgeführt. Ein Vergleich der Poisson-Regression mit einfach und doppelter Gewichtung zeigte jedoch keinen Unterschied in der Signifikanzbewertung zum Niveau p < 0,001. Für die deskriptive und analytische Statistik wurde der Microsoft Structured Query Language (MS SQL)-Server 2008 und SAS 9.3 verwendet.

Ergebnisse

Die Verordnungsprävalenz der Psycholeptika/Psychoanaleptika insgesamt ohne pflanzliche/homöopathische Präparate ist von 19,6 im Jahr 2004 auf 27,1 Promille in 2012 angestiegen, seit 2009 jedoch weitestgehend konstant (Grafik 1a, eTabelle 1). Im Gegensatz hierzu sank die Neuverordnungsrate seit 2007 stetig (Grafik 1a, eTabelle 2).

Prävalenz und Inzidenz ausgewählter Psychopharmaka pro 1 000 Kinder und Jugendliche von 2004–2012
Prävalenz und Inzidenz ausgewählter Psychopharmaka pro 1 000 Kinder und Jugendliche von 2004–2012
Grafik 1
Prävalenz und Inzidenz ausgewählter Psychopharmaka pro 1 000 Kinder und Jugendliche von 2004–2012
Trends der Prävalenzen pro 1 000 Kinder und Jugendliche für ausgewählte Psychopharmaka in den Jahren 2004–2012
Trends der Prävalenzen pro 1 000 Kinder und Jugendliche für ausgewählte Psychopharmaka in den Jahren 2004–2012
eTabelle 1
Trends der Prävalenzen pro 1 000 Kinder und Jugendliche für ausgewählte Psychopharmaka in den Jahren 2004–2012
Trends der Inzidenzen pro 1 000 Kinder und Jugendliche für ausgewählte Psychopharmaka in den Jahren 2006–2012
Trends der Inzidenzen pro 1 000 Kinder und Jugendliche für ausgewählte Psychopharmaka in den Jahren 2006–2012
eTabelle 2
Trends der Inzidenzen pro 1 000 Kinder und Jugendliche für ausgewählte Psychopharmaka in den Jahren 2006–2012

Die Verordnungsprävalenz der Stimulanzien erhöhte sich von 10,5 im Jahr 2004 auf 19,4 Promille im Jahr 2010 und ist seitdem größtenteils konstant (Grafik 1a, eTabelle 1). Schon ab dem Jahr 2008 ging die entsprechende Neuverordnungsrate zurück (Grafik 1a, eTabelle 2).

Die Antipsychotika-Prävalenz nahm von 2004 auf 2012 von 2,3 auf 3,1 Promille zu (Grafik 1b, eTabelle 1). Dagegen lag die entsprechende Inzidenz relativ konstant bei circa 1,0–1,1 Promille (Grafik 1b, eTabelle 2). Eine Betrachtung der Untergruppen zeigt, dass der Anstieg auf eine Zunahme der atypischen Antipsychotika zurückzuführen ist (eTabelle 2).

Ein leichter Anstieg in der Antidepressiva-Prävalenz ließ sich ab 2009 erkennen (1,9 in 2009 und 2,2 Promille in 2012). Die Inzidenz lag seit 2006 relativ konstant bei 1,5 Promille. Der leichte Prävalenzanstieg ist auf eine starke Zunahme in der Altersgruppe der 14- bis 17-Jährigen zurückzuführen (4,8 Promille in 2004 auf 6,8 Promille in 2012). Die Prävalenzen in den unteren Altersgruppen waren dagegen rückläufig. Eine genauere Betrachtung der Untergruppen zeigt eine Erhöhung von 2004 auf 2012 in der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), aber eine Abnahme in der Gruppe der nichtselektiven Monoamin-Wiederaufnahmehemmer (NSMRI) (eTabellen 1 und 2).

Die Verordnungszahlen der Gruppen der Hypnotika und Sedativa sowie der Anxiolytika waren rückläufig, vor allem die Prävalenz der Hypnotika und Sedativa reduzierte sich stark (4,9 Promille in 2004 auf 3,2 Promille in 2012) (Grafik 1b, eTabellen 1 und 2).

Die Trends der Psychopharmaka-Prävalenzen und -Inzidenzen für die in Grafik 1 abgebildeten Über- und ausgewählten Untergruppen inklusive entsprechender Signifikanzprüfung werden in den eTabellen 1 und 2 detailliert beschrieben. Die Prävalenz der Antipsychotika und Stimulanzien stieg von 2004 auf 2012, die Prävalenz der Hypnotika und Sedativa sank signifikant (p < 0,001) (eTabelle 1). Kein signifikanter Trend wurde dagegen für die Antidepressiva- und Anxiolytika-Prävalenz beobachtet (p > 0,001). Nur die Neuverordnungsraten der Stimulanzien nahmen signifikant zu und die der Hypnotika sowie Sedativa signifikant ab von 2006 auf 2012 (eTabelle 2).

Eine alters- und geschlechtsspezifische Analyse zeigte höhere Neuverordnungsraten bei den Jungen für die Gruppe der Stimulanzien und Antipsychotika (eGrafik 1). In der Gruppe der Antidepressiva waren die höchsten Neuverordnungsraten mit ansteigendem Trend bei den 14- bis 17-jährigen Mädchen zu finden (4,7 Promille in 2006 auf 6,5 Promille in 2012) (eGrafik 1). Die Stimulanzien-Inzidenzen waren bei den 7- bis 10-Jährigen am größten (eGrafik 1).

Inzidenz ausgewählter Psychopharmaka pro 1 000 Kinder und Jugendliche von 2006–2012 nach Alter und Geschlecht
Inzidenz ausgewählter Psychopharmaka pro 1 000 Kinder und Jugendliche von 2006–2012 nach Alter und Geschlecht
eGrafik 1
Inzidenz ausgewählter Psychopharmaka pro 1 000 Kinder und Jugendliche von 2006–2012 nach Alter und Geschlecht

Knapp 78 % aller Neuempfänger von Antidepressiva waren zwischen 14 und 17 Jahre alt (Grafik 2). Bei den Stimulanzien-Empfängern dominierte dagegen die Gruppe der 7- bis 10-Jährigen. Der hohe Anteil der 0- bis 2-Jährigen mit erstmaliger Psycholeptika/Psychoanaleptika-Verschreibung ist auf das Benzodiazepin Diazepam sowie die Antihistaminika der ersten Generation mit sedierender Wirkung (Doxylamin und Promethazin) zurückzuführen.

Altersverteilung der Neuempfänger (Prozent)
Altersverteilung der Neuempfänger (Prozent)
Grafik 2
Altersverteilung der Neuempfänger (Prozent)

In Hinblick auf die erstverordnenden Arztgruppen zeigt sich ein zeitlicher Trend hin zu den fachspezifischen Arztgruppen der Kinder- und Jugendpsychiater/-psychotherapeuten, Erwachsenenpsychiater/-psychotherapeuten sowie Neurologen, deren Gruppe in den Daten nicht weiter differenziert werden kann (Grafik 3 für die Gruppe der Stimulanzienempfänger; eGrafik 2 a, b, c für entsprechende Analysen der Neuempfänger von Psycholeptika/Psychoanaleptika ohne pflanzliche/homöopathische Mittel, Antipsychotika und Antidepressiva). Gleichermaßen sanken die Anteile der erstverordnenden Kinderärzte beziehungsweise Allgemeinmediziner. Dieses Bild war besonders stark bei der Erstverordnung von Stimulanzien ausgeprägt (Grafik 3). Hier stieg der Anteil der erstverordnenden Kinder- und Jugend-/Erwachsenenpsychiater, -psychotherapeuten sowie Neurologen von 33,8 % in 2006 auf 43,4 % in 2012.

Verteilung nach erstverordnender Arztgruppe (Prozent)
Verteilung nach erstverordnender Arztgruppe (Prozent)
Grafik 3
Verteilung nach erstverordnender Arztgruppe (Prozent)
Verteilung nach erstverordnender Arztgruppe der Neuempfänger von ausgewählten Psychopharmaka in den Jahren von 2006–2012
Verteilung nach erstverordnender Arztgruppe der Neuempfänger von ausgewählten Psychopharmaka in den Jahren von 2006–2012
eGrafik 2
Verteilung nach erstverordnender Arztgruppe der Neuempfänger von ausgewählten Psychopharmaka in den Jahren von 2006–2012

Fast die Hälfte aller Antipsychotika-Neuempfänger hat bereits in den zwei Jahren zuvor ein anderes Psychopharmakon erhalten; in 35,7 % der Fälle handelte es sich um ein Stimulanz (Grafik 4).

Anteil mit Verordnung anderer Psychopharmaka (%) in den zwei Jahren vor Neuverordnung unter den Neuempfängern von Antipsychotika, Antidepressiva und Stimulanzien im Jahr 2012
Anteil mit Verordnung anderer Psychopharmaka (%) in den zwei Jahren vor Neuverordnung unter den Neuempfängern von Antipsychotika, Antidepressiva und Stimulanzien im Jahr 2012
Grafik 4
Anteil mit Verordnung anderer Psychopharmaka (%) in den zwei Jahren vor Neuverordnung unter den Neuempfängern von Antipsychotika, Antidepressiva und Stimulanzien im Jahr 2012

Diskussion

Die vorliegende Arbeit ist die bisher größte Untersuchung zu Trends im Psychopharmakagebrauch bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Die Analyse ergab, dass die Verordnungsprävalenzen aller Psychopharmaka (ohne pflanzliche/homöopathische Mittel) sowie der Stimulanzien und Antipsychotika von 2004 auf 2012 anstiegen, wobei die Neuverordnungsraten sanken bis konstant blieben. Die Zunahme der Psychopharmaka-Prävalenzen scheint weniger auf der Anzahl an neu pharmakologisch therapierten Kindern und Jugendlichen zu beruhen, sondern dadurch bedingt zu sein, dass mehr Patienten, die bereits einmal eine Therapie bekommen hatten, in den folgenden Jahren erneut eine Psychopharmaka-Therapie erhielten. Ein deutlicher Anstieg der Behandlungsprävalenz mit Psychopharmaka insgesamt wird auch aus anderen Ländern (bei unterschiedlichen Beobachtungszeiträumen, Altersgruppen und Datenquellen) berichtet (10, 11). Dabei unterschieden sich auch hier die pharmakologischen Gruppen in ihrer Entwicklung.

In der Gruppe der Antidepressiva erhöhten sich die Verordnungsprävalenzen ab dem Jahr 2006 ausschließlich in der Altersgruppe der 14- bis 17-Jährigen – bei Berücksichtigung aller Kinder und Jugendlichen war der Anstieg jedoch nur gering. Dass die erhöhte Antidepressiva-Prävalenz in Deutschland hauptsächlich auf einer Zunahme in den älteren Altersgruppen beruht, bestätigten auch Hoffmann et al. anhand von Daten der BARMER-GEK (5) und wurde ebenfalls in der internationalen Literatur beschrieben (12, 13, 23). Dies entspricht zwar den Leitlinienempfehlungen, die eine Antidepressiva-Gabe erst im Jugendalter vorsehen. Doch auch hier ist in weiteren Untersuchungen zu prüfen, ob ausreichend nichtmedikamentöse Therapieverfahren angeboten werden.

Der kurzfristige Rückgang der Verordnungsprävalenzen in den Jahren 2004–2006 könnte, wie auch in anderen Studien berichtet, als Folge der Warnungen zu erhöhter Suizidalität bei SSRI-Gabe durch die Food and Drug Administration (FDA) in den USA sowie die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) interpretiert werden (24, 25). Tatsächlich zeigen unsere Daten, dass der von 2000 bis 2003 berichtete starke Anstieg der SSRI-Verordnungen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland (18) in den Jahren 2004 bis 2006 stagnierte und erst ab 2006 wieder anstieg.

Der seit langem beschriebene Trend im Anstieg der Stimulanzien-Verordnungen, aber auch der Rückgang in den letzten Jahren (16, 17) spiegeln sich in den ausgewerteten Daten wider. Die Abnahme der Neuverordnungsraten von Methylphenidat war bereits ab dem Jahr 2008 zu beobachten. Hingegen erhöhte sich beispielsweise in Italien die Behandlungsprävalenz und -inzidenz mit Stimulanzien (Daten bis einschließlich 2011) (12). Ebenso stiegen die Prävalenzen (Daten bis einschließlich 2012) in Australien und Slowenien (14, 26).

Wie auch in der vorliegenden Studie zeigt sich in internationalen Studien eine Zunahme der Antipsychotika-Verordnungen, insbesondere der Atypika (1014).

Kinder mit erstmaliger Antipsychotika-Verordnung wurden häufig bereits mit Stimulanzien behandelt. Weitere Analysen wiesen bei 36 % dieser Empfänger die Diagnose hyperkinetische Störung auf (27). Da die Indikationen für Antipsychotika nur bei wenigen Empfängern als Diagnose kodiert wurden (27), liegt die Vermutung nahe, dass die Antipsychotika auch außerhalb der zugelassenen Indikation (off-label) eingesetzt werden. Vergleichbares berichteten Bachmann et al. auf Basis von Daten der BARMER-GEK (6).

Die Zunahme der fachspezifischen Arztgruppen, die eine Erstverordnung ausstellen, ist positiv zu beurteilen und könnte zumindest für die Stimulanzien unter anderem in den geänderten Verordnungsbestimmungen im Jahr 2010 begründet liegen.

Die vorliegende Studie belegte zunächst eine Zunahme der Psychopharmaka-Prävalenz bis 2009 bei anhaltendem Niveau bis 2012. Eine Betrachtung des Trends anderer Arzneimittel aus Daten des Versorgungsreports im gleichen Zeitraum zeigte eine stetige Zunahme der Gruppe der schmerz- und fiebersenkenden Mittel sowie einen stetigen Rückgang der Antibiotika (28). Damit lässt sich der Rückschluss ziehen, dass die Verordnungstrends indikationsspezifisch betrachtet werden müssen.

Die Gründe für den Anstieg im Psychopharmakagebrauch können vielfältig sein. Ein Anstieg psychischer Störungen in Deutschland, der einen erhöhten Psychopharmaka-Konsum erklären könnte, wurde weder im Langzeittrend von 1953–2007 im Rahmen einer Metaanalyse (2) noch in der zweiten Welle der KiGGS-Studie gezeigt (3, 4). Kürzlich wurde in einer Studie aus Dänemark berichtet, dass die Berücksichtigung einer im zeitlichen Verlauf erhöhten Inanspruchnahme des Gesundheitswesens die Anstiege im Psychopharmakagebrauch stark abmilderten (29). Tatsächlich ist in Deutschland die Zahl der berufstätigen Ärzte im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie/-psychotherapie (+ 53 %) sowie der Kinder- und Jugendmedizin (+ 15 %) von 2004 auf 2012 stark angestiegen (30). Des Weiteren bestätigen Vergleichsdaten aus 2003–2006 und 2009–2012 der KiGGS-Studie, dass die Kinder- und Jugendmedizin erhöht frequentiert wurde (31). Mittels jüngster Daten aus den USA wurde der Zusammenhang der Zunahme in der psychiatrischen/psychotherapeutischen Inanspruchnahme des Gesundheitswesens von 1996–2012 mit dem Schweregrad der psychischen Beeinträchtigung untersucht (11). Die Autoren schlussfolgern, dass insbesondere Kinder mit niedriger oder keiner Beeinträchtigung den Großteil des absoluten Anstiegs, Kinder und Jugendliche mit schwerer Beeinträchtigung den größten relativen Zuwachs in der Inanspruchnahme erklären (11).

Stärken der Studie sind die große Datenbasis sowie die Zusammenführung bundesweit tätiger Krankenkassen unterschiedlicher Verbandszugehörigkeit. Dadurch wird eine bessere Repräsentativität der Studienergebnisse gegenüber Ergebnissen, die nur aus Daten einer Kasse abgeleitet werden, ermöglicht (32). Da die privat versicherten Kinder, die einen tendenziell höheren sozioökonomischen Status (32) und eine bekannte inverse Assoziation zu einem höheren Risiko psychischer Störungen (33) aufweisen, nicht eingeschlossen wurden, kann davon ausgegangen werden, dass die Verordnungsraten verglichen mit allen Kindern und Jugendlichen in Deutschland leicht überschätzt wurden. Des Weiteren sind die Daten keinem Selektions- oder Erinnerungsbias unterworfen, weil alle verordneten und in der Apotheke eingelösten Arzneimittel in die Analyse einbezogen wurden. Allerdings liegen keine Angaben vor, ob die Arzneimittel auch tatsächlich eingenommen wurden, was zu einer leichten Überschätzung der Verordnungsraten geführt haben kann. Darüber hinaus konnten keine „over the counter“ (OTC)-Präparate miteinbezogen werden. Demnach kann ein „underreporting“ insbesondere im Bereich der pflanzlichen/homöopathischen Präparate, aber auch der Hypnotika und Sedativa, hier der rezeptfreien Antihistaminika der ersten Generation, vorliegen.

Ob der ansteigende Trend der Psychopharmakaverschreibung bei Kindern und Jugendlichen eine Überversorgung abbildet, ist insbesondere in den USA Teil einer kontroversen wissenschaftlichen Diskussion (3436) und wird auch in Deutschland vor allem in Bezug auf die Stimulanzien-Verordnung diskutiert. Rückschlüsse im Sinne von „zu viel“ lassen die präsentierten Daten nicht zu. Dennoch sollte die beobachtete Verordnungszunahme – vor allem bei den Atypika – in der Fachöffentlichkeit kritisch diskutiert werden. Der Verordnungsanstieg muss auch vor dem Hintergrund berichteter langer Wartezeiten für eine psychotherapeutische Behandlung gesehen werden.

Der zu beobachtende Trend im Verordnungsrückgang der Stimulanzien lässt sich dahingehend interpretieren, dass durch Verordnungsauflagen, Hinweise auf Leitlinienempfehlungen und möglicherweise nicht zuletzt auch eine kritische öffentliche Diskussion Ärzte und Eltern einer Pharmakotherapie gegenüber zurückhaltender geworden sind. Dies sollte dazu anregen, auch bei anderen Substanzgruppen wie zum Beispiel den Antipsychotika durch fundierte Leitlinien und Informationen ein kritisches Bewusstsein zu schaffen. Deren Mehrverbrauch weist aber auch auf ein wesentliches Defizit hin: Einerseits besteht ein zu geringes Therapieangebot für Kinder mit expansiven Störungen. Andererseits fehlen ausreichend evaluierte Behandlungsprogramme. Notwendig ist jedoch auch eine zunehmende Belastung bei Kindern und Jugendlichen frühzeitig zu erkennen und durch soziale, pädagogische oder strukturelle Maßnahmen entgegenzuwirken. Sonst entsteht die Gefahr, soziale und gesellschaftliche Probleme mit Medikamenten lösen zu wollen.

Danksagung
Die Autoren danken dem wissenschaftlichen Beirat der Studie, Dr. Anselm Bönte, Prof. Dr. Oliver Fricke, Prof. Dr. Martin Holtmann, Dr. Monika Panhuysen und Prof. Dr. Holger Pfaff für ihre konstruktive Diskussion sowie die vielen Anregungen.

Förderung
Die Studie wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert (Förderkennzeichen: 01GY1130).

Interessenkonflikt
Dr. Abbas erhielt Honorare für eine Autoren- beziehungsweise Koautorenschaft im Rahmen einer Publikation, bei der ein Bezug zum Thema besteht, vom Schattauer Verlag, Stuttgart.

Dr. Engel und Prof. Linder sind Mitarbeiter beim Wissenschaftlichen Institut der TK für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen (WINEG).

Dipl.-Soz. Wiss. Adler und Dipl.-Math. Günster sind Mitarbeiter beim Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO).

Dr. Schubert erhielt Honorare für eine Autoren- beziehungsweise Koautorenschaft im Rahmen einer Publikation, bei der ein Bezug zum Thema besteht, vom Deutschen Ärzteverlag.

Prof. Lehmkuhl und Herr Ihle erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Manuskriptdaten
eingereicht: 22. 10. 2015, revidierte Fassung angenommen: 18. 2. 2016

Anschrift für die Verfasser
Dr. rer. soc. Ingrid Schubert
PMV forschungsgruppe an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie,
Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters
Universität zu Köln
Herderstraße 52, 50931 Köln
ingrid.schubert@uk-koeln.de

Zitierweise
Abbas S, Ihle P, Adler JB, Engel S, Günster C, Linder R, Lehmkuhl G, Schubert I: Psychopharmacological prescriptions in children and adolescents in Germany— a nationwide analysis of over 4 million statutory insured individuals from 2004 to 2012. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 396−403.
DOI: 10.3238/arztebl.2016.0396

@The English version of this article is available online:
www.aerzteblatt-international.de

Zusatzmaterial
eTabellen, eGrafiken:
www.aerzteblatt.de/16m0396 oder über QR-Code

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Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Universität zu Köln: Prof. em. Dr. med. Lehmkuhl
Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO), Berlin: Dipl.-Soz. Wiss. Adler, Dipl.-Math. Günster
Wissenschaftliches Institut der TK für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen (WINEG), Hamburg:
Prof. Dr. med. habil. Linder, Dr. rer. medic. Engel
Prävalenz und Inzidenz ausgewählter Psychopharmaka pro 1 000 Kinder und Jugendliche von 2004–2012
Prävalenz und Inzidenz ausgewählter Psychopharmaka pro 1 000 Kinder und Jugendliche von 2004–2012
Grafik 1
Prävalenz und Inzidenz ausgewählter Psychopharmaka pro 1 000 Kinder und Jugendliche von 2004–2012
Altersverteilung der Neuempfänger (Prozent)
Altersverteilung der Neuempfänger (Prozent)
Grafik 2
Altersverteilung der Neuempfänger (Prozent)
Verteilung nach erstverordnender Arztgruppe (Prozent)
Verteilung nach erstverordnender Arztgruppe (Prozent)
Grafik 3
Verteilung nach erstverordnender Arztgruppe (Prozent)
Anteil mit Verordnung anderer Psychopharmaka (%) in den zwei Jahren vor Neuverordnung unter den Neuempfängern von Antipsychotika, Antidepressiva und Stimulanzien im Jahr 2012
Anteil mit Verordnung anderer Psychopharmaka (%) in den zwei Jahren vor Neuverordnung unter den Neuempfängern von Antipsychotika, Antidepressiva und Stimulanzien im Jahr 2012
Grafik 4
Anteil mit Verordnung anderer Psychopharmaka (%) in den zwei Jahren vor Neuverordnung unter den Neuempfängern von Antipsychotika, Antidepressiva und Stimulanzien im Jahr 2012
Inzidenz ausgewählter Psychopharmaka pro 1 000 Kinder und Jugendliche von 2006–2012 nach Alter und Geschlecht
Inzidenz ausgewählter Psychopharmaka pro 1 000 Kinder und Jugendliche von 2006–2012 nach Alter und Geschlecht
eGrafik 1
Inzidenz ausgewählter Psychopharmaka pro 1 000 Kinder und Jugendliche von 2006–2012 nach Alter und Geschlecht
Verteilung nach erstverordnender Arztgruppe der Neuempfänger von ausgewählten Psychopharmaka in den Jahren von 2006–2012
Verteilung nach erstverordnender Arztgruppe der Neuempfänger von ausgewählten Psychopharmaka in den Jahren von 2006–2012
eGrafik 2
Verteilung nach erstverordnender Arztgruppe der Neuempfänger von ausgewählten Psychopharmaka in den Jahren von 2006–2012
Trends der Prävalenzen pro 1 000 Kinder und Jugendliche für ausgewählte Psychopharmaka in den Jahren 2004–2012
Trends der Prävalenzen pro 1 000 Kinder und Jugendliche für ausgewählte Psychopharmaka in den Jahren 2004–2012
eTabelle 1
Trends der Prävalenzen pro 1 000 Kinder und Jugendliche für ausgewählte Psychopharmaka in den Jahren 2004–2012
Trends der Inzidenzen pro 1 000 Kinder und Jugendliche für ausgewählte Psychopharmaka in den Jahren 2006–2012
Trends der Inzidenzen pro 1 000 Kinder und Jugendliche für ausgewählte Psychopharmaka in den Jahren 2006–2012
eTabelle 2
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bpinbg
am Dienstag, 7. Juni 2016, 14:32

Antworten und Fragen

Wie sich leider nie vermeiden lässt, lässt die Originalarbeit neben gegebenen Antworten viele Fragen offen. Wichtig wäre es, auch Informationen über die verabreichten Dosierungen (DDD) zu erhalten.
Auch ein Vergleich mit dem Einsatz von pflanzlichen, homöopathischen oder frei verkäuflichen Psychopharmaka könnte sehr aufschlussreich sein.
Ich kann als niedergelassener Kinder- und Jugendpsychiater nur vermuten: der Einsatz Letzterer ist deutlich angestiegen/im Steigen.
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