ArchivDeutsches Ärzteblatt23/1996„Gesunde Städte„-Netzwerk der WHO: Trier auf dem Weg zur gesunden Stadt

POLITIK: Aktuell

„Gesunde Städte„-Netzwerk der WHO: Trier auf dem Weg zur gesunden Stadt

Glöser, Sabine

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LNSLNS Der im Mai 1995 gegründete Verein Trier – Gesunde Stadt e.V. ist seit Oktober Mitglied des von der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) ins Leben gerufenen "Gesunde Städte"-Netzwerkes. Diesem weltweiten Projekt gehören in Deutschland mittlerweile 38 Städte und Kreise an, international sind es über 1 000. Auf seiner ersten Gesund­heits­förder­ungskonferenz stellte der Verein die geplante Neuorientierung in der kommunalen Gesundheitspolitik vor.
"Gesunde Städte entwickeln Organisationsstrukturen, die auf kommunaler Ebene eine Zusammenarbeit von Behörden, Organisationen, Verbänden und Institutionen ermöglichen", erklärte Günter Conrad, der einst das WHO-Netzwerk koordinierte und in Trier seine bisherigen Erfahrungen schilderte. Dieses "multisektorale Handeln" sei ein Grundprinzip des 1986 initiierten Projektes. Es basiere auf den Grundsätzen des WHOProgramms "Gesundheit für alle" und der Ottawa-Charta zur Gesund­heits­förder­ung. Gemeinsames Ziel sei es, gesunde Lebens-, Arbeits- und Umweltbedingungen zu schaffen. Conrad hob hervor, daß dabei nicht einzelne Gesundheitsrisiken im Mittelpunkt stünden, wie Rauchen, Ernährung oder Übergewicht.


Lebensbereich Stadt
Vielmehr würden Projekte, die sich an den kommunalen Problemen orientieren, für bestimmte Lebensbereiche, wie Schulen, Betriebe oder Krankenhäuser, konzipiert. "Wichtig ist es, mit den Verantwortlichen dieser Institutionen eine Lobby aufzubauen, über die entsprechende Ressourcen herangeschafft werden können."


In Trier diskutierten die Teilnehmer der Konferenz über die ersten Schwerpunkte "Gesund­heits­förder­ung und risiken von Kindern und Jugendlichen", "Selbsthilfe als Element der Gesund­heits­förder­ung", "Gesundheitszustand in der Region Trier" und "Haus der Gesundheit". Diese Themen sollen Arbeitsgruppen zukünftig in Projekte umsetzen. An drei Gymnasien der Stadt hat der Verein derzeit schon eine Initiative zur Raucherprävention gestartet.
Das "Haus der Gesundheit" soll als Koordinierungs- und Informationsstelle eingerichtet werden. Zentral gelegen und für die Bürger ohne "Schwellenangst" zu erreichen, soll es zu einem integralen Bestandteil des öffentlichen gesundheitspolitischen Handelns werden, berichtete Dr. Ha-rald Michels, Leiter des Gesundheitsamtes Trier, über die Pläne des Vereins. Ein ganzheitliches Verständnis der Gesundheit im Sinne eines sozialen, seelischen und körperlichen Wohlbefindens müsse in alle Bereiche der Politik eingeführt werden.


Mischfinanzierung geplant
Ungewiß ist für die Trierer gegenwärtig noch, wie die geplanten Aktionen finanziert werden sollen. Der Vorsitzende des Vereins und Präsident der Bezirksärztekammer Trier, Dr. med. Edgar Piedmont, stellt sich eine Mischfinanzierung vor, die aus kommunalen Mitteln und Landesmitteln sowie Zuschüssen von regionalen Wirtschaftsunternehmen und Krankenkassen gewährleistet werden soll. Zur Zeit sei die Stadt Trier einziger Geldgeber. Darüber hinaus hätten sich mehrere Krankenkassen bereit erklärt, den Verein je Mitglied und Jahr mit einem Betrag von 10 Pfennig zu unterstützen.
Die Erfahrungen aus Trier könnten bei der landesweiten Einrichtung von regionalen Gesundheitskonferenzen, die auch in der neuen Koalitionsvereinbarung festgeschrieben sei, von großem Nutzen sein, begrüßte der Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Soziales und Gesundheit, Klaus Jensen, das "Gesunde Städte"Projekt. SG

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