ArchivDeutsches Ärzteblatt22-23/2016Börsebius: Bestie Bayer und andere Verrücktheiten

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Börsebius: Bestie Bayer und andere Verrücktheiten

Dtsch Arztebl 2016; 113(22-23): A-1124 / B-940 / C-924

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Kaum ein paar Wochen im Amt – da lesen sich andere CEO’s erst noch ein – kündigte Bayer-Chef Werner Baumann einen Sensationsdeal an: Die Leverkusener wollen Monsanto kaufen. Mit dem Preis von 62 Milliarden US Dollar wagt sich Bayer nicht nur an die größte Akquisition der Firmengeschichte, sondern auch an die mächtigste Übernahme, die je ein deutsches Unternehmen anpackte.

Dass der Deal für den größten Saatguthersteller der Welt billig sei, lässt sich mit Fug und Recht gerade nicht behaupten. Der faire Preis für Monsanto liegt sicher eher bei 50 Milliarden Dollar und ob Bayer mal eben so viel Kohle in der Kasse hat, ist auch ziemlich fraglich. Mit anderen Worten: Bayer muss das alles mit rund 40 Milliarden fremdfinanzieren, was (danach) nicht gerade für gesunde Bilanzrelationen spricht.

Es mag ja sein, dass der Deal strategisch sogar Sinn macht, aber Monsanto hat einen dermaßen miserablen Ruf, dass der eigentlich gut angesehene Konzern Bayer bei bestimmten Schichten zur Bestie mutieren wird. Darunter wird auch der Aktienkurs leiden, der jetzt schon durch die reine Ankündigung der Offerte unter die Räder kam und das dürfte so weiter gehen.

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Weitere verrückte Börsendeals gefällig? Kein Problem. Aktionäre des Roboterbauers Kuka können sich jetzt schon die Hände reiben. Der chinesische Konzern Midea, der seit Februar schon etwas über 13 Prozent der Aktien hielt, möchte den Anteil an Kuka auf mehr als 30 Prozent erhöhen und bietet dafür 115 Euro je Titel an. Die Börse bejubelte die Ankündigung mit einem Kurssprung von fast 30 Prozent. Wer die Aktie hat, sollte sie meines Erachtens den Chinesen flugs andienen. Klar ist aber auch, dass das Übernahmeangebot nicht nur Freude auslöst, sondern auch Besorgnis über einen möglichen Ausverkauf deutscher Hochtechnologie.

Verrückt muss in meinen Augen indes der sein, der weiterhin auf Rocket Internet setzt. Vor allen Dingen gibt es Leute, die glauben, ein Abstieg von mehr als 50 Prozent sei schon wieder ein guter und vielversprechender Einstiegskurs. Das ist es keineswegs. Blase bleibt Blase.

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