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LNSLNS Das marxistische Theorem, daß die Quantität, wenn sie ein großes Ausmaß erreicht hat, in eine andere Qualität umschlägt, wird allzuoft verifiziert. In der Regel ist die neue Qualität keine bessere.
Die enorme Arbeitslosigkeit, die zunehmende Umweltbelastung, die sich ausbreitende Intoleranz, das Schüren von Neidgefühlen haben eine Dimension erreicht, in der kaum einer dem anderen mehr zuhört; vielmehr fällt fast bei jeder Diskussion der eine dem anderen ins Wort.
Ein Patentrezept zur Lösung der Finanzkrise unseres Staates hat niemand, und der Kanzler hat recht, wenn er sagt: "Wer heute nur die Wahrung seiner Besitzstände im Sinn hat, verspielt die Zukunft der Nation."
Uns Ärzten bringt man das Sparen durch Honorar-Stops und Budgetierung seit Jahren bei, so daß schon – was früher fast ausgeschlossen war – eine bemerkenswerte Reihe von Praxen insolvent wurden. Aber keiner von den Ärztinnen und Ärzten käme auf den Gedanken, die Patienten im Stich zu lassen. Die Patienten werden trotz aller Behinderungen und Erschwernisse in der ärztlichen Praxis optimal versorgt.
Die Bosse der ÖTV aber machen mobil. Bei dreizehn Monatsgehältern, Beihilfeberechtigung, Arbeitgeberanteil zu Krankenkassen- und Rentenbeiträgen, die aus den Steuern der Allgemeinheit, besonders aber des Mittelstandes und der Freiberufler, bezahlt werden, sollte dies alles einmal im Grundsatz zur Diskussion gestellt werden. Vielleicht käme dann die Einsicht schneller. Denn die im Branchenvergleich sehr "vorzeigbaren" Tariflöhne und -gehälter gehen immerhin einher mit einer beispiellosen Sicherheit der Arbeitsplätze. Ist in Anbetracht dieser Situation ein "Aufstand" angebracht? Bei Personalausgaben der Gebietskörperschaften im vergangenen Jahr in Höhe von 350 Milliarden Mark könnte der öffentliche Dienst mit einer gewissen Bescheidenheit enorm zur Entlastung der Haushalte beitragen.
Daß Mittelständler und Freiberufler für die jetzige Verhaltensweise von Gewerkschaften, die sich mit polemischen Äußerungen hervortun, kein Verständnis haben, ist einleuchtend.
Sollte zum Streik gerufen werden, trifft er noch nicht einmal diejenigen, die man bestenfalls in der Politik für die Misere verantwortlich machen könnte, sondern er trifft die gesamte Bevölkerung. Einen Streik im Entsorgungsbereich, sollte ihn die ÖTV organisieren, kann man fast schon als ein Vergehen gegen die Umweltschutz-Gesetze bezeichnen. Wer so uneinsichtig reagiert, gefährdet die Stabilität unseres Sozialstaates. Er gefährdet auch das Tarifvertragsgesetz hinsichtlich des Erhalts der Flächentarife. Bei Betriebstarifen sind die Mitarbeiter in der Regel einsichtiger. Nach den Erfahrungen der Gewerkschaftsbosse in der Wirtschaft – siehe die Erfolge "im Konsumbereich Coop, in der Neuen Heimat, in der BfG" – weiß man, daß es lediglich um Machterhalt geht und daß wenig Respekt vor den erarbeiteten Geldern der Gewerkschaftsmitglieder existiert.
Die scharfmachenden polemischen Äußerungen von Gewerkschaftsführern beweisen ein gestörtes Demokratieverständnis. Wenn man die Verantwortlichen nicht treffen kann, erpreßt man die arbeitswilligen Bürger ebenfalls flächendeckend.
Wer Macht mißbraucht, verspielt den Anspruch, ein verantwortungsbewußter Demokrat zu sein.
Prof. Dr. med. Horst Bourmer, Köln
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