ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2016Frage der Woche an . . . Univ.-Prof. Dr. med. Tobias Esch, Universität Witten/Herdecke

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Univ.-Prof. Dr. med. Tobias Esch, Universität Witten/Herdecke

Die Arzt-Patienten-Beziehung bessert sich Ihrer Einschätzung nach, wenn Patienten Zugriff auf ihre Befunde und die Notizen des Arztes zu ihrer Erkrankung erhalten. Zudem stärke diese Transparenz Mitarbeit und Selbstmanagement der Patienten, verbessere das Verständnis für medizinische Probleme und unterstütze die Selbstfürsorge. Wie sind Sie zu diesen Ergebnissen gekommen?

Dtsch Arztebl 2016; 113(24): [4]

Glöser, Sabine

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Die Arzt-Patienten-Beziehung bessert sich Ihrer Einschätzung nach, wenn Patienten Zugriff auf ihre Befunde und die Notizen des Arztes zu ihrer Erkrankung erhalten. Zudem stärke diese Transparenz Mitarbeit und Selbstmanagement der Patienten, verbessere das Verständnis für medizinische Probleme und unterstütze die Selbstfürsorge. Wie sind Sie zu diesen Ergebnissen gekommen?

Esch: Wir haben untersucht, was passiert, wenn man Patienten online Zugang zu ihren Daten gewährt, also den Originalaufzeichnungen der Ärzte im Anschluss an einen Besuch. Es ging uns nicht nur um Befundberichte, sondern auch um die Dokumentation des konkreten Patientenkontakts („Karteieintrag“). Dafür nutzten wir abgesicherte Patientenportale, die in etwa einem Bankportal beim Online-Banking entsprechen. Nach einem Arztkontakt wurden die Patienten über neue Eintragungen informiert, die sie sich von zu Hause aus ansehen konnten.

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Wichtig ist festzuhalten, es gab keine Paralleldokumentation, also eine für die Fallakte und eine für den Patienten. Es ging uns um die proaktive Umsetzung der an sich gesetzlich garantierten Informationstransparenz. Jedoch wollten wir dieses Angebot nicht aus gesetzgeberischer Sicht testen, sondern aus ärztlicher. Wir wollten es verbinden mit der Frage: Welche Auswirkung ergibt sich möglicherweise auf die Arzt-Patienten-Interaktion oder die Patientenaktivierung? Keinesfalls war an einen Ersatz oder eine Alternative zum persönlichen Kontakt zwischen Arzt und Patient gedacht, sondern an eine Ergänzung. Denn „Daten“ fallen nur dann an, wenn dem ein persönlicher Austausch zwischen Arzt und Patient vorausgeht. Die „Notes“ – wir nennen das Projekt „Open Notes“ – spiegeln lediglich wider, was ohnehin im direkten Kontakt stattfand und entsprechend dokumentiert wurde. Nur jetzt kann auch der Patient sie sehen. Wir wollten wissen, was das mit den Beteiligten macht.

Dafür haben wir eine Grundgesamtheit von etwa 20 000 Patienten zwei Jahre lang mittels Fragebögen untersucht, aber auch in direkten Interviews. Wir haben mitverfolgt, inwieweit sie von dem Angebot Gebrauch machen. Etwa 1 000 Patienten wurden für unsere aktuelle Studie als Nutzer mit häufigen Arztbesuchen näher untersucht.

Die wichtigsten Ergebnisse: Die Patienten waren sehr angetan von diesem Angebot. Offenbar konnten sie auf diese Art und Weise besser nachvollziehen, was genau beim Arztbesuch besprochen wurde. Auch entdeckten sie Fehler, durchaus mit medizinischer Relevanz. Spannend war: Die teilnehmenden Ärzte waren zunächst skeptisch, doch war diese Skepsis am Ende der Studienphase verflogen. sg

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