ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2016Krankenhäuser: IT wird Abläufe verändern

POLITIK

Krankenhäuser: IT wird Abläufe verändern

Dtsch Arztebl 2016; 113(25): A-1194 / B-1004 / C-988

Osterloh, Falk

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Die Digitalisierung wird nicht nur die Patientenakquise für Krankenhäuser verändern, sondern auch die Personaldichte, meinen Experten. Einiges verändern will in Kürze auch die Politik: Aus Hamburg kommt eine äußerst überraschende Ankündigung.

Foto: iStockphoto
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Die Digitalisierung wird zum Abbau von Ärztestellen im Krankenhaus führen. Diese Entwicklung erwartet Prof. Dr. med. Jens Scholz, Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein. „Früher ging es vor allem darum, mehr Ärzte einzustellen. Im Zuge der Digitalisierung im Krankenhaus werden dem Personal verschiedene Aufgaben abgenommen. Dann stellt sich die Frage, ob wir beim Personal noch alles so brauchen, wie es heute ist“, sagte er auf dem Hauptstadtkongress Mitte Juni in Berlin. Und bei einem Pflegemangel werde man über Pflegeroboter nachdenken.

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Der Wandel zu mehr Digitalisierung im Gesundheitssystem werde dann zunehmen, wenn der Druck von außen größer werde, meinte Dr. rer. pol. Michael Philippi, Vorstandsvorsitzender der Sana Kliniken. Ein Treiber sei dabei das Personal. „Wenn wir wegen des Fachkräftemangels keine Ärzte haben, die wir einstellen können, müssen wir beginnen, die Prozesse zu verändern“, sagte Philippi. Heute sei der Druck dafür offensichtlich noch nicht groß genug. Erst wenn Unternehmen wie Google damit begännen, Krankenhäusern ihr Geschäft wegzunehmen, würden die Krankenhäuser reagieren. Wie erfolgreich sie dabei sein würden, sei allerdings eine andere Frage. Ein dritter Treiber für den Wandel seien schließlich die Patienten.

Vorgaben bremsen

„Die jüngere Generation verwaltet ihre Gesundheitsdaten heute ganz selbstverständlich“, betonte Tomas Pfänder von der Managementberatung Unity. „Sie nutzen Gesundheits-Apps dann, wenn sie einen Nutzen daraus ziehen können. Und wenn der Nutzen groß genug ist, werden sie auch die Sicherheitsbedenken ignorieren.“ Pfänder meinte, medizinische Apps könnten künftig auch an die Systeme im Krankenhaus angedockt werden.

Wie sehr sich die Prozesse im Gesundheitssystem derzeit wandeln, erklärte Scholz vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein: „Bisher kommen die Menschen ins Krankenhaus, wenn sie krank sind. Unternehmen wie Google bringen ihnen nun bei, ihre Daten zu erheben, wenn sie noch nicht krank sind.“ So werde sich künftig auch die Art der Behandlung verändern. Medizinfirmen böten zum Beispiel Diabetikern an, ihren Blutzuckerspiegel kontinuierlich zu messen. Bei Problemen könne dann über das Handy automatisch ein Termin im Krankenhaus vereinbart werden. In diesem Zusammenhang werde sich auch die Patientenakquise für die Krankenhäuser ändern. 

Die Vorgaben des Gesundheitssystems wirken jedoch eher bremsend auf den digitalen Wandel, meinte Dr. med. Gerhard M. Sontheimer von Vanguard, einem deutschen Unternehmen für Sterilgutversorgung: „Wer nicht den Mut hat, neue Wege zu gehen, wird in diesem System nicht bestraft“, kritisierte er. „Denn viele Kommunen gleichen die Verluste kommunaler Krankenhäuser aus. Wenn diese Häuser wirklich pleitegehen könnten, hätten sie auch andere Manager, die andere Risiken eingehen und Prozesse verändern würden.“

Mit der Zukunft befasste sich auch Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). Sie kündigte auf einer Podiumsdiskussion an, dass sich die Politik in der kommenden Legislaturperiode damit befassen wolle, die Regelungen für den stationären und den ambulanten Sektor zu vereinheitlichen. „Wir wollen einen großen Schritt hin zu einer sektorübergreifenden Versorgung machen“, sagte sie. „Dafür wollen wir die Prozesse und Strukturen in den beiden Sektoren angleichen.“

Dabei gehe es nicht nur um die Kodierung, den Datenaustausch, die Qualitätsmessung und die Planung, sondern auch um die Vergütung. „Das ist ein ganz dickes Brett, das wir in der nächsten Legislaturperiode bohren müssen“, sagte die Senatorin. Prüfer-Storcks führte in der Bund-Länder-Arbeitsgruppe die Verhandlungen zum Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) aufseiten der Länder.

Falk Osterloh

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