ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2016Krankenhäuser: Leichte Entspannung im Jahr 2014

POLITIK

Krankenhäuser: Leichte Entspannung im Jahr 2014

Dtsch Arztebl 2016; 113(25): A-1191 / B-1001 / C-985

Osterloh, Falk

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Mit Sorge blicken Krankenhausvertreter derzeit in die Zukunft: Wie werden sich die Vorgaben des Krankenhausstrukturgesetzes auswirken? Ein Blick zurück zeigt hingegen, dass sich die finanzielle Lage der Kliniken 2014 ein wenig verbessert hat.

Foto: Fotolia chanawit
Foto: Fotolia chanawit

Die Befindlichkeit in den deutschen Krankenhäusern schwankt derzeit zwischen Neugierde und Unruhe. Mit dem Krankenhaus-strukturgesetz (KHSG) hat die Bundespolitik in diesem Jahr zahlreiche Veränderungen angestoßen, deren Auswirkungen noch nicht in den Häusern angekommen sind. Klar ist, dass sich einiges verändern wird, unklar ist, wie sehr das eigene Krankenhaus davon betroffen ist. Der Krankenhaus Rating Report, den das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), das Institute for Healthcare Business (hcb) und Philips Healthcare herausgegeben haben, liefert in jedem Jahr nackte Zahlen, die die Entwicklung im stationären Bereich nachzeichnen und die die Grundlage für gesundheitspolitische Diskussionen liefern. Das Problem an diesen Zahlen ist allerdings, dass sie die Vergangenheit beschreiben, konkret das Jahr 2014, das Jahr also, in dem die Bund-Länder-Arbeitsgruppe das KHSG vorbereitet hat.

Anzeige

Probleme im Westen

In jenem Jahr, so das Ergebnis des Reports, hat sich die finanzielle Lage der deutschen Krankenhäuser ein wenig entspannt. Lag die Anzahl der Häuser mit erhöhtem Insolvenzrisiko im Jahr 2013 noch bei 11,2 Prozent, sank sie im Jahr 2014 leicht auf 10,8 Prozent. Zudem stieg die Zahl der Krankenhäuser, die im Jahr 2014 einen Überschuss erwirtschafteten, von 70 auf 77 Prozent. Das Insolvenzrisiko wird im Krankenhaus Rating Report mit der sogenannten Ausfallwahrscheinlichkeit gemessen. Diese gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Krankenhaus innerhalb eines Jahres seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann.

Wie schon in den Vorjahren, ging es den Krankenhäusern in Ostdeutschland 2014 wirtschaftlich deutlich besser als den Krankenhäusern im Westen. Während 2,2 Prozent der ostdeutschen Krankenhäuser im diesem Jahr ein erhöhtes Insolvenzrisiko hatten, waren es in Westdeutschland 13,8 Prozent. Deutliche Unterschiede gab es auch zwischen den Trägern: Den Krankenhäusern in privater Trägerschaft ging es dem Report zufolge am besten (3 Prozent mit erhöhtem Insolvenzrisiko), gefolgt von den freigemeinnützigen (10 Prozent) und den kommunalen (21 Prozent) Krankenhäusern. Besonders auffällig ist die unterschiedliche Lage der kommunalen Krankenhäuser in Ost und West: Während 27 Prozent der kommunalen Krankenhäuser in Westdeutschland im Jahr 2014 ein erhöhtes Insolvenzrisiko aufwiesen, lag es im Osten bei null Prozent. 

Dr. med. Sebastian Krolop von Philips Healthcare fasste auf dem Hauptstadtkongress in Berlin Mitte Juni weitere Trends zusammen: „Es gibt keine Korrelation zwischen der Größe eines Krankenhauses und seiner Wirtschaftlichkeit.“ Auch die Lage in einer ländlichen Region sei kein Nachteil. Schwierig sei es allerdings für Krankenhäuser der Grundversorgung. Richtige Probleme hätten grundversorgende Solisten auf dem Land. „Verbünde sind wirtschaftlicher als Solisten“, fuhr Krolop fort.

Kapitalausstattung zu gering

„Es gibt zu viele kleine Einrichtungen, eine zu hohe Krankenhausdichte und zu wenig Spezialisierung“, heißt es weiterhin in dem Report. „Gerade ein hoher Spezialisierungsgrad ist jedoch in wirtschaftlicher und qualitativer Hinsicht vorteilhaft.“

Weil mehr Krankenhäuser im Jahr 2014 einen Überschuss erwirtschafteten, stieg die Zahl der voll investitionsfähigen Häuser in diesem Jahr von 52 auf 58 Prozent. Nach wie vor sei die Kapitalausstattung der Krankenhäuser aber unzureichend, heißt es im Report. Die Häuser, die nicht investierten, bauten „langsam, aber sicher ihre Unternehmenssubstanz ab“, warnte Prof. Dr. rer. pol. Boris Augurzky vom RWI. „Bei den Investitionen merkt man das erst nicht. Das ist wie bei Brücken. Jahrelang wird nicht investiert und plötzlich sind sie nicht mehr befahrbar.“

Falk Osterloh

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema