ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2016Pränataldiagnostik: Die Hürden werden kleiner
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Als Vater von einem behinderten Mädchen – mit dem etwas selteneren Wolf-Hirschhorn-Syndrom – reagiere ich beim Lesen des Artikels emotional. Wie Prof. Dr. med. Jeanne Nicklas-Faust befürchte ich, dass der gesellschaftliche Druck auf Eltern, die sich für ihr Kind – egal wie es sein mag – entscheiden, im negativem Sinne wachsen wird. Unlängst berichtete mir eine Mutter mit einem Down-Syndrom-Kind von ihrem Erlebnis: „Da schaut eine Frau in der Straßenbahn in den Kinderwagen und sagt verstört: ,Das muss doch heute nicht sein?!‘“ Aber auch wir Ärzte, vor allem in der Pränataldiagnostik, bauen unterschwellig Druck auf. Selber musste ich Sätze hören wie: „Ich muss Sie aufklären.“ „Ich rate dringend zur Amniozentese, Triple-Test etc.“ Wir haben uns aber von vorne herein beim Frauenarzt klar positioniert, dass wir das Kind nehmen, egal was es haben wird, und dass wir nur die fürs Kind hilfreiche Diagnostik wünschen.

Laien richten sich häufig nach den Empfehlungen der Mediziner; bei diesen ist oft nicht eindeutig genug, welchen Zweck sie verfolgen. Einige Male hab ich von Eltern anhören müssen, wie schlimm die Schwangerschaft war, weil sie so viele Tests absolvieren mussten, obwohl sie das Kind auf jeden Fall behalten wollten.

Wichtig ist, die Wünsche der Eltern zu erfragen und sie auch über die Möglichkeit des Nicht-Erfahrens der Ergebnisse beziehungsweise des Nicht-Untersuchens zu informieren.

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Der Zwiespalt in der Gesellschaft und Politik wird immer stärker – einerseits die maximale Förderung und Inklusion behinderter Menschen, andererseits letztendlich deren Abschaffung, noch bevor sie sichtbar werden. Welche Option für die Gesellschaft billiger ist, müssen wir nicht diskutieren. Aber wollen wir das wirklich? Eine genetische Selektion?

MUDr. (Univ. Bratislava) Frantisek Noga,
99974 Mühlhausen

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