ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2016Nävusassoziierte Melanome: Risiken quantifiziert, um Früherkennung zu optimieren

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Nävusassoziierte Melanome: Risiken quantifiziert, um Früherkennung zu optimieren

Dtsch Arztebl 2016; 113(25): A-1217 / B-1022 / C-1006

Siegmund-Schultze, Nicola

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Menschen mit vielen gewöhnlichen oder atypischen Nävi haben ein erhöhtes Risiko für Melanome. Zur Frage aber, wie häufig benigne melanozytäre Nävi maligne werden, differieren die Studiendaten erheblich. An der Universitätsklinik Göttingen wurde die Häufigkeit nävus-assoziierter Melanome in Abhängigkeit von Tumor- und Patientenmerkmalen prospektiv untersucht.

832 Patienten wurden 3 Risikogruppen zugeordnet: Gruppe 1 hatte > 50 gewöhnliche Nävi und/oder ≤ 3 atypische Nävi, Gruppe 2 hatte ≥ 50 gewöhnliche Nävi und > 3 atypische Nävi, Gruppe 3 hatte Merkmale von Risikogruppe 2 plus mindestens 2 Melanomerkrankungen bei Familienmitgliedern 1. oder 2. Grades (FAMMM-Syndrom). Bei der Erstvorstellung wurden die Patienten von Kopf bis Fuß klinisch und mit konventioneller Auflichtmikroskopie untersucht, außerdem erfolgte eine Ganzkörperfotografie. Melanomverdächtige Läsionen wurden sofort exzidiert, Läsionen mit atypischen Merkmalen markiert, digital erfasst und gespeichert. Diese Bilder wurden bei Folgeterminen mit korrespondierenden früheren Aufnahmen verglichen, um Veränderungen der atypischen Pigmentmale zu erfassen (sequentielle digitale Dermatoskopie).

1 770 melanozytäre Läsionen wurden entfernt und durch mindestens 2 Histopathologen untersucht. Bei 113/832 Patienten (13,6 %) fanden sich 190 Melanome: zu 42,6 % in-situ-Tumoren, zu 57,4 % invasive. In der histopathologischen Untersuchung fanden sich Reste melanozytärer Nävi bei 103/190 Melanomen (54,2 %). Die Wahrscheinlichkeit für nävusassoziierte Melanome war in Risikogruppe 1 um den Faktor 2,75 erhöht (Odds Ratio [OR]: 2,75; 95-%-Konfidenzintervall [KI]: 1,14–6,64), außerdem bei Patienten mit > 100 Nävi (OR: 1,63; 95-%-KI: 1,02–3,60) und bei Diagnose eines in-situ-Melanoms (OR: 14,0; 95–%-KI: 6,14–36,96). Nävusassoziierte Melanome waren am häufigsten am Körperstamm lokalisiert. Alter, Haut- und Haarfarbe oder Dicke eines Melanoms hatten keinen Einfluss auf die Häufigkeit nävusassoziierter Melanome. Ein unabhängiger patientenbezogener Faktor für ein erhöhtes Risiko nävusassoziierter Melanome war weibliches Geschlecht.

Fazit: In einer Kohorte mit erhöhtem Melanomrisiko waren 54,2 % der primären Melanome mit melanozytären Nävi assoziiert. Personen mit vielen Nävi ohne frühere Melanomdiagnose haben ein erhöhtes Risiko für nävusassoziierte Melanome und könnten von der sequentiellen digitalen Dermatoskopie zusätzlich zur konventionellen Untersuchung profitieren.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Haenssle, HA, et al.: Association of patient risk factors and frequency of nevus-associated cutaneous melanomas. JAMA Dermatol 2016; 152: 291–8.

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