ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2016Ernährungsversorgung von Krebspatienten: Zugang muss sichergestellt werden

MEDIZINREPORT

Ernährungsversorgung von Krebspatienten: Zugang muss sichergestellt werden

Dtsch Arztebl 2016; 113(25): A-1216 / B-1021 / C-1005

Hübner, Jutta

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Die adäquate Ernährung von onkologischen Patienten stellt eine grundlegende unterstützende Maßnahme im Rahmen des Therapiekonzepts dar. Dennoch wird ihr nicht flächendeckend Beachtung geschenkt.

Während die multiprofessionelle Betreuung von Krebspatienten durch den Zusammenschluss von Behandlern in onkologischen Zentren und die Zertifizierung eine Selbstverständlichkeit geworden ist, bleibt der Patient beim Thema Ernährung weiterhin meist sich selbst überlassen. Dabei führt eine bedarfsgerechte Ernährungsberatung und -versorgung von Krebspatienten erwiesenermaßen zu einer höheren Lebensqualität und Lebenserwartung. Obwohl dieser Zusammenhang bekannt ist, versterben 20–30 Prozent aller onkologischen Patienten an den Folgen einer Mangelernährung und nicht aufgrund ihrer Krebserkrankung. Zahlreiche Fachgesellschaften und Institutionen* mahnen daher in einem Positionspapier** Politik und Gesellschaft, für alle Krebskranken den Zugang auf angemessene Ernährungstherapie sicherzustellen.

Viele Menschen mit Krebs und deren Angehörige sind sich der Bedeutung der Ernährung bewusst. Mit ihren Fragen und Bedürfnissen werden sie jedoch alleingelassen, denn ein breites und flächendeckendes Angebot wissenschaftlich fundierter Ernährungsinformation, an Ernährungsschulungen und individuellen Ernährungsberatungen sowie gezielten Ernährungstherapien für Menschen mit Krebs und deren Angehörigen ist in Deutschland kaum vorhanden. In der Konsequenz greifen Betroffene auf Internetquellen oder Beratungsangebote mit fraglicher Seriosität zurück und das therapeutische Potenzial von Ernährung bleibt ungenutzt.

Die unzureichende Ernährungsversorgung von Menschen mit Krebs hat ihre Ursache in den Rahmenbedingungen des deutschen Gesundheitssystems. Die ambulante Ernährungsberatung ist kein Heilmittel im Sinne des § 92 SGB V. Derzeit handelt es sich bei der ambulanten Ernährungsberatung um eine Kann-Leistung der gesetzlichen Kassen. Im stationären Bereich ist die Ernährungsberatung zwar DRG-relevant, aber dies reicht nicht aus, um Ernährungsteams vollständig zu finanzieren; und dies, obwohl ein guter Ernährungsstand die Verweildauer im Krankenhaus reduziert.

Aus therapeutischen, gesundheitsökonomischen und ethischen Gründen muss die Ernährungsversorgung integraler Bestandteil – der im Nationalen Krebsplan geforderten – effizienten Versorgung von Krebspatienten werden. Dies beinhaltet unter anderem:

  • Die Aufnahme der ambulanten Ernährungsberatung onkologischer Patienten und deren Angehörige in die Heilmittelrichtlinien sowie die Etablierung und Vergütung von Ernährungsteams im stationären Bereich.
  • Eine Verankerung des Themas „Ernährung in der Onkologie“ in den Aus-, Weiter- und Fortbildungen aller an der Versorgung onkologischer Patienten beteiligten Berufsgruppen und die Etablierung von Weiterbildungskonzepten.
  • Eine Verpflichtung zur Durchführung eines Screenings auf Mangelernährung.
  • Eine qualifizierte, der individuellen Krankheitssituation entsprechende Ernährungsberatung oder -therapie für alle Patienten mit drohender oder eingetretener Mangelernährung.
  • Ein niederschwelliges qualifiziertes Beratungsangebot für alle Patienten mit Krebs und ihre Angehörigen.
  • Die Entwicklung und Konsentierung von wissenschaftlich fundierten Standards für die ernährungstherapeutische Begleitung von Tumorpatienten sowie die konsequente Umsetzung bestehender evidenzbasierter Leitlinien und Qualitätssicherungsinstrumente.
  • Die Aufnahme eines, diesen Standards entsprechenden, ernährungstherapeutischen Angebots in die Zertifizierungskriterien onkologischer Zentren.
  • Die Förderung von Forschungsvorhaben im Kontext der Ernährung in der Onkologie. Dies beinhaltet gleichermaßen die klinische Forschung sowie die Versorgungsforschung.

Priv.-Doz. Dr. med. Jutta Hübner

Deutsche Krebsgesellschaft e. V., Berlin

* Arbeitsgemeinschaften Prävention und Integrative Onkologie (PRIO), Soziale Arbeit in der Onkologie (ASO), Palliativmedizin (APM) und die Konferenz onkologischer Kranken- und Kinderkrankenpfleger (KOK) in der Deutschen Krebsgesellschaft; Berufsverband Oecotrophologie (VDOE), Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner (BDEM), Bundesverband Niedergelassener Gynäkologischer Onkologen (BNGO), Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Verband der Diätassistenten (VDD), Verband für Ernährung und Diätetik (VFED) sowie die Organisationen der Selbsthilfe Haus der Krebs-Selbsthilfe – Bundesverband (HKSH), Das Lebenshaus, die Kopf-Hals-Tumorstiftung und das Selbsthilfenetzwerk Kopf-Hals-Mund.

** Positionspapier in der Langfassung:
Ernahrungs Umschau 63(02): 43–47
DOI: 10.4455/eu.2016.011.

Erratum

Falsche Autorenangabe: Der Artikel „Ärztlicher Bereitschaftsdienst: Was in den Notfallkoffer gehört“ in Heft 18/2016 ist nicht von Prof. Dr. med. Wolf-Dieter Ludwig verfasst worden, sondern von Frau Dr. med. Dr. rer. nat. Josefa Lehmke, Vivantes Humboldt-Klinikum in Berlin, Fachbereich Kardiologie und konservative Intensivmedizin.

Die Prognose von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz ist noch immer schlecht, die Mortalität weiterhin hoch. Aber es zeichnen sich neue Optionen ab. Ein Überblick unter Berücksichtigung der jüngst publizierten europäischen Leitlinie.

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