ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2016Randnotiz: CRISPR-Cas9: Wort und Tat

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Randnotiz: CRISPR-Cas9: Wort und Tat

Dtsch Arztebl 2016; 113(26): A-1237 / B-1037 / C-1021

Maibach-Nagel, Egbert

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Der Deutsche Ethikrat tut gut daran, die Optionen des CRISPR-Cas9-Verfahrens zu diskutieren. Chancen und Gefahren, die durch die Möglichkeiten des „Gen-Scheren-Verfahrens“ entstehen, gehören umfassend durchdacht. Die demokratische Gesellschaft muss erfahren, was Genchirurgie kann, was nicht, und vor allem, welche Folgen das haben wird. Deshalb wird die Diskussion um die Gen-Chirurgie nicht naturwissenschaftlich-positivistisch, sondern gesamtgesellschaftlich geführt.

Was dabei nicht sein darf: Die, denen das Verfahren eine Chance zum Überleben schafft, dürfen nicht wegen ewiger Debatten das Nachsehen haben. Wo CRISPR-Cas9 Leben retten kann, muss zwar kontrolliert nachgedacht werden, aber dann müssen Worten auch Taten folgen.

Der Ethikrat hat in den letzten Wochen klar den Eindruck vermittelt, dass er auch in solchen Fragen seine Unabhängigkeit wahren wird. Deshalb irritieren lobbyistische Wortmeldungen wie die des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI), der über sein „me too“ an dieser Stelle aufsatteln will, sich gegen „Genexperimente an der menschlichen Keimbahn“ ausspricht. Wer will sich auch ausmalen, dass jeder Tag mehr Diskussion um CRISPR-Cas9 – es soll ja neue, vor allem aber kostengünstige Lösungen für die Medizin anbieten – den Unternehmen für etablierte Produkte bare Münze einbringt?

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Dass der BPI auf gleichem Weg reklamiert, der zu Zeiten des Moratoriums durchzuführende Dialog müsse „unter Einbindung der Wirtschaft“ stattfinden, verwundert nicht. Es verärgert. Der Ethikrat wurde in seiner Zusammensetzung ganz bewusst ohne industrielle Beteiligung aufgestellt.

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