ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2016Frage der Woche an . . . Dr. med. Florian Meier, leitender Notarzt und stellvertretender Landesarzt des Bayerischen Roten Kreuzes

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Dr. med. Florian Meier, leitender Notarzt und stellvertretender Landesarzt des Bayerischen Roten Kreuzes

Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) hat in mehreren Studien die Effektivität telemedizinischer Anwendungen im Rettungsdienst über mehrere Jahre analysiert und getestet. Was sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse?

Dtsch Arztebl 2016; 113(27-28): [4]

Glöser, Sabine

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Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) hat in mehreren Studien die Effektivität telemedizinischer Anwendungen im Rettungsdienst über mehrere Jahre analysiert und getestet. Was sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse?

Meier: Die flächendeckende Digitalisierung der Dokumentation von Patientendaten hat die Notfallversorgung in Bayern auf ein neues Niveau gehoben. Über die klassischen Einsatzdaten des Patienten können wir so die Vitalparameter, Krankheitsbilder, Verletzungsmuster und die Anamnese auswerten und aufbereiten.

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Darüber hinaus verbessern diese telemedizinischen Möglichkeiten insbesondere bei Patienten mit den Diagnosen Herzinfarkt und Schlaganfall die Behandlungsabläufe in den Kliniken entscheidend. Sie verkürzen so den Wettlauf mit der Zeit. Das verbessert die Qualität deutlich, für Patienten wie für alle Mitarbeiter.

Alle Informationen werden im sogenannten NIDApad gesammelt. Zudem sind im System Informationen wie Standardvorgehensweisen, die Rote Liste und diverse Behandlungsmechanismen hinterlegt und unterstützen uns damit zusätzlich. Noch während der Anfahrt in die Klinik werden alle relevanten Patientendaten direkt in die Notaufnahme gesendet. Kliniken können sich dank strukturierter Voranmeldung somit im Vorfeld auf zeitkritische Notfälle vorbereiten. Der diensthabende Arzt der Notaufnahme wird automatisch alarmiert, bereitet den Schockraum vor oder organisiert weitere diagnostische Verfahren wie ein CT. Übertragungsfehler durch die bisherige Zettelwirtschaft entfallen. Zudem können die Ärzte bereits während der Fahrt des Patienten in die Klinik verfolgen, wie es um seinen Zustand bestellt ist und sehen, welche Maßnahmen der Rettungsdienst bereits ergriffen hat.

Das BRK hat die Möglichkeiten einer Tele-medizin im Rettungsdienst mitsamt seiner intensiven Vernetzung mit Krankenhäusern bereits vor mehr als zehn Jahren entwickelt und sie gemeinsam mit Partnern aus der Wissenschaft, Datentechnik und Logistik getestet. Ergebnis: Seit dem Jahr 2015 sind alle 1 250 Fahrzeuge der Notfallrettung des BRK mit der telemedizinischen Technik ausgerüstet. Das ist bisher noch einmalig in Deutschland.

Deshalb plädiere ich an alle Beteiligten: Nutzen Sie die Chancen und Erleichterungen, die eine telemedizinische Unterstützung bringt. Eines versteht sich dabei natürlich von selbst: Bei schwierigen oder unklaren Einsätzen sollten die elektronisch übermittelten Daten in einem Telefongespräch geklärt oder ergänzt werden. sg

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