ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2016Albert Pesso: Nachruf auf einen Pionier der Körperpsychotherapie

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Albert Pesso: Nachruf auf einen Pionier der Körperpsychotherapie

PP 15, Ausgabe Juli 2016, Seite 313

Weier, Günter

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Mit dem Tod von Albert Pesso verlieren wir einen der letzten großen Pioniere der Körperpsychotherapie. Am 19. Mai starb Pesso im Alter von 86 Jahren in Boston, USA, zehn Wochen nach dem Tod seiner Frau Diane Boyden Pesso. Beide schufen ab 1961 die nach ihnen benannte Methode „Pesso Boyden System Psychomotor“ (PBSP).

Am 19. September 1929 in Brooklyn, New York, als jüngstes von sechs Kindern geboren, wuchs Albert Pesso in armen Verhältnissen auf. Deshalb musste er früh selbstständig werden und entwickelte einen enormen Lerneifer, der sich auch auf das körperliche Training bezog. Die Begegnung mit Modern Dance und Martha Graham waren eine Fortführung seines Weges und zugleich ein Wendepunkt in seinem Leben. Er begann seine Karriere als Tänzer und Choreograf. Hier traf und tanzte er mit Diane Boyden, die 1951 seine Frau wurde und mit der er drei Töchter hatte.

Blick für die Ganzheit

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Schon früh hatte Pesso einen Blick für die Ganzheit des Menschen. Bewegung und Tanz war für ihn nicht zu trennen von Emotionen, diese nicht von Gedanken und alles zusammen nicht vom gelebten Leben und den Erinnerungen. Sowohl in der Begegnung mit Tanzschülern als auch später mit Klienten war er konfrontiert mit Einschränkungen und Defiziten, körperlicher, psychischer, sozialer oder geistiger Art. Er war davon überzeugt, dass jeder die Fähigkeit in sich trägt, in einer unvollkommenen Welt Erfüllung und Glück zu finden. Diese Auffassung war die Geburtsstunde von PBSP. Al und Diane Pesso entwickelten eine Behandlungsmethode, in der das Zusammenspiel von Emotionen, Bewegungen und Interaktionen so in Szene gesetzt wird, dass der Patient eine neue emotionale Erfahrung in den vorgestellten entscheidenden Kindheitsjahren machen kann. Gelingt es dem Betreffenden, diese neuen Szenen und Bilder zu verinnerlichen, so wirken sie sich in der Gegenwart und für die Zukunft aus.

Günter Weier

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