ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2016Akzeptanz- und Commitment-Therapie: Fallbeschreibungen von großer Breite

BÜCHER

Akzeptanz- und Commitment-Therapie: Fallbeschreibungen von großer Breite

Koch, Joachim

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Als vergleichsweise neue Therapieform entwickelte sich die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) seit den 80er Jahren zu einem effektiven Ansatz mit überraschend breiter Wirkung. Die theoretische Grundlage der ACT ist die Relational Frame Theory (Bezugsrahmentheorie), die ein Erklärungsmodell für sprachlich-gedankliche Prozesse bietet. Eingereiht in die Methodenvielfalt der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) setzt die ACT den Fokus nicht auf die Störung und ihre Beseitigung, sondern will den Betroffenen helfen, das Leben trotz der bestehenden psychischen Probleme zu meistern. Im Vordergrund stehen persönliche Werte und Ziele sowie die Orientierung an einem erfüllten und zufriedenen Leben. Bei zwangshaften Gedanken beispielsweise zielt die ACT auf einen akzeptanzorientierten Umgang mit belastenden Gedanken ab und kann besonders bei Personen mit sehr hartnäckigen Gedanken angewendet werden, bei denen andere Versuche kognitiver Disputation gescheitert sind. Das vorliegende Buch ist neben vielen theoretischen Büchern über ACT etwas Besonderes, weil es Fallbeschreibungen mit einer großen Breite bietet. Die vierzehn Fallbeispiele werden in eigenen Kapiteln behandelt, sind jeweils 20 bis 30 Seiten lang und wurden von verschiedenen Autoren aus und für unterschiedliche Settings (Beratung, Therapie, Coaching) verfasst. So geht es in einem Kapitel um die Anwendung von ACT bei einem Patienten mit Suchtproblemen. Nach einer Skizzierung, wie der Patient wirkt und wie er die Geschichte seiner Kindheit erzählt, wird das Fallkonzept vorgestellt. Dann wird die Verhaltensanalyse dargelegt und der Behandlungsplan skizziert. Die Behandlung dauert 18 Monate mit wöchentlichen Sitzungen und wird im Buch episodisch dargestellt. Die Episoden in der Therapie beziehen sich auf die sechs Kernprozesse der ACT. Wird im Valued Living Questionnaire (VLQ) Werte vorrangig auf den zwischenmenschlichen Bereich sowie auf die Ausübung eines sozialen, sinnvollen Berufs verwiesen, wird am Erwerb von Beziehungsfähigkeit gearbeitet. Um die Fähigkeit des Patienten zur flexiblen Perspektiveneinnahme zu fördern, wird er mit verschiedenen Aufgaben gebeten, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu beschreiben. Der Patient wies eine stattliche Anzahl suchtfördernder Kognitionen auf, in der Therapie war eine achtsamere Haltung seinen Gedanken gegenüber das Ziel. Die Fallbeschreibung schließt mit einer Diskussion ab, bei der auch Erfolgskriterien und der Verlauf nach Therapieende thematisiert werden. Spannend ist es zu sehen, wie in den einzelnen Fallbeispielen ACT-Aspekte ganz unterschiedlich akzentuiert werden. Joachim Koch

Anzeige

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote