ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2016Krankenhausmorde: Scheinlösungen
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Durch Änderungen am Niedersächsischen Krankenhaus- und Bestattungsgesetz sollen Konsequenzen aus dem Fall des Krankenpflegers Niels H. gezogen werden.

Stationsapotheker sollen die Ärzte bei der Arzneimittelverordnung unterstützen. Das klingt hilfreich. Offen bleibt neben der Finanzierung, welche spezifischen Qualifikationen für einen Stationsapotheker gefordert werden und wie viele es geben soll.

Zukünftig soll die äußere Leichenschau durch externe Ärzte durchgeführt werden und eine Blutuntersuchung obligatorischer Bestandteil der Leichenschau werden.

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Wie viele qualifizierte Rechtsmediziner oder Pathologen, die dann auch rund um die Uhr, inklusive des Wochenendes zur Verfügung stehen, braucht man dazu? Und wer soll das bezahlen?

Nicht thematisiert wird die beklagenswert niedrige Zahl an klinischen Obduktionen. Hier wäre in der Tat ein sinnvoller Ansatz für eine Verbesserung und Qualitätskontrolle. Davon wird aber nicht gesprochen.

Eine Blutentnahme soll obligatorischer Bestandteil der Leichenschau werden.

Bei einer Blutentnahme wird man bei den meisten Krankenhauspatienten und sicher bei allen Intensivpatienten qualitativ Substanzen nachweisen können, die potenziell geeignet sind, einen Patienten ums Leben zu bringen. Auf welche Substanzen (am besten: „alle“?) soll man denn untersuchen und wie will man die Ergebnisse deuten? Wer interpretiert wann die Laborwerte ?

Tatsächlich ist doch das Problem bei Niels H. die Stations- und Krankenhauskultur im Umgang mit auffälligen Mitarbeitern aus allen Berufsgruppen.

Niels H. wurde, so scheint es sich darzustellen, möglichst ohne Aufsehen und Ärger, still entfernt, um dann andernorts weiterzumachen. Hier liegt das tatsächliche Problem.

Arznei­mittel­kommissionen in jedem Krankenhaus sollen „den Bestand, die Ausgabe und die Verwendung von Arzneimitteln sowie die strikte Einhaltung der ärztlichen Verordnungen“ überwachen. Wir haben eine wirksame Regelung für den Umgang mit Betäubungsmitteln. Aber wie soll das gehandhabt werden für alle Medikamente ?

Vermutet wählerwirksame Scheinlösungen und eine Kultur des Kontrollzwanges bringen uns nicht weiter. 

Axel Reif, Facharzt für Anästhesie, 65396 Walluf

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