ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2016Börsebius: Teure Nichtsnutze

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Börsebius: Teure Nichtsnutze

Dtsch Arztebl 2016; 113(29-30): A-1399 / B-1178 / C-1158

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Viele wissen es, ich echauffiere mich seit Jahren über teure Fonds. Es war zwar schon früher nicht sehr nett, dass die hohen Gebühren an den Erträgen der Fondsinhaber herumnagten, machte aber letztlich nicht so viel aus. Von zehn Prozent Plus lassen sich zwei Prozent Kosten leicht verschmerzen. Acht Prozent netto macht des Anlegers Seele froh.

Heute ist das anders. Rentenfonds sind aufgrund der Zinssituation gar nicht in der Lage, eine vernünftige Rendite zu erwirtschaften, da schmerzt jedes Gebührenprozent sehr. Auch bei Aktienfonds sind die Zeiten nicht mehr so, dass ohne weiteres mit fulminanten Zuwächsen zu rechnen ist. Die Suppenspucker heißen hier Brexit, Russland und Terroranschläge.

Neben dem Ausgabeaufschlag, der bis zu fünf Prozent ausmachen kann, sind es vor allem die jährlichen Kosten, die so richtig weh tun können. Dabei werden auch noch viele Kosten versteckt und nicht vernünftig ausgewiesen. Findige Anleger wissen, dass die sogenannte TER (Total Expense Ratio) weiterhelfen kann, obwohl auch in der TER teure Depotgebühren nicht enthalten sind, weswegen ich ein totaler Fan von günstigen Fondsbanken wie etwa Ebase bin. Und, en passant, ganz schlimm finde ich Vermögensverwaltungen, die ihren Kunden nur Fonds ins Depot knallen und dafür auch noch eine extra Gebühr abschneiden.

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Doch zurück zum Thema. Es gibt Fonds, die auf jährliche Kosten (TER) von mehr als drei Prozent kommen. Aber auch alles um die zwei Prozent ist nicht verkraftbar. Wie die Anleger hier auf einen grünen Zweig kommen sollen, ist mir persönlich ein Rätsel. In manchen Fällen wird wohl auch deswegen tüchtig auf die Pauke gehauen. Ein besonders teurer Fonds darf das auch sein, weil er eben besonders gut sei, geballtes Expertenwissen quasi. Viele Anleger fielen und fallen immer wieder auf diese nonchalante Unverschämtheit herein. Carmignac zum Beispiel ist so ein Lausbube. Die Wahrheit, so die jüngste Untersuchung einer Ratingagentur, ist eine ganz andere. Teure Fonds sind in der Regel nicht besser als andere, fanden sie heraus.

Das überrascht mich nicht, im Gegenteil. Je schwerer die Zeiten, desto mehr sind hohe Fondskosten über die Wertentwicklung gar nicht mehr zu erwirtschaften. Zauberer gibt es in der Fondsbranche eben nicht, Expertise hin oder her. Teure Nichtsnutze gehören somit aus den Depots verbannt. Allesamt.

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