ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2016Teamentwicklung: Auf die Kommunikation kommt es an

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Teamentwicklung: Auf die Kommunikation kommt es an

Dtsch Arztebl 2016; 113(29-30): [2]

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Eine intensive Abstimmung zwischen Ärzten verschiedener Fachrichtungen bringt den Patienten viele Vorteile. Wichtige Voraussetzung dafür: Die Kommunikation innerhalb des Ärzteteams ist konstruktiv, offen und störungsfrei.

Foto: Fotolia/shock
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Wer als Arzt heute erfolgreich sein will, braucht neben seiner fachlichen Expertise auch eine gute Teamfähigkeit und gute Führungskompetenzen. Gut kommunizieren zu können ist dazu eine wesentliche Grundvoraussetzung. Sie ermöglicht eine ganzheitliche Betrachtung und integrierte Behandlung von komplexen Krankheitsbildern. Doch gute Kommunikationsfähigkeit ist leider nicht selbstverständlich und so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. Das Problem: Kommunikation wird weder in der Schule noch in der Arztausbildung wirklich trainiert.

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Ärzteteams: starke Charaktere, viele Hierarchien

Meiner Erfahrung nach gibt es in der beruflichen Zusammenarbeit zwischen Menschen häufig Störungen, die auf Missverständnissen, ungelösten Spannungen oder Konflikten beruhen. Auf Ärzteteams trifft das in besonderem Maße zu. Das hat mehrere Gründe: Zum einen stoßen hier oft sehr starke Charaktere aufeinander, es gibt viele Hierarchien und unterschiedliche Denkweisen. Zum anderen stehen Ärzte zunehmend unter Druck. Zu dem starken emotionalen Druck kommt immer mehr auch ein ökonomischer Druck – vor allem in Krankenhäusern. Damit geht jeder unterschiedlich um. Der eine zieht sich zurück, der andere kann offen darüber sprechen oder reagiert emotional. Das führt meist zu Spannungen und wirkt sich auch auf die Kommunikation aus.

Hinzu kommt: Ärzte sind je nach Fachbereich einen völlig unterschiedlichen Umgang mit den Patienten gewohnt. Während die einen engen persönlichen Kontakt zu ihren Patienten haben, sehen die anderen ihren Beruf eher als eine Art Handwerk und haben vor allem die Diagnosebilder und Messwerte vor Augen. Manchmal habe ich den Eindruck, die Ärzte sprechen eine völlig andere Sprache. Da läuft die Kommunikation nicht immer reibungslos. Eine hohe Arbeitsbelastung gepaart mit viel Verantwortung und möglichen Nachtdiensten sind weitere Stressfaktoren, die spezifisch für das Krankenhaus sind.

Es gibt aber noch einen weiteren Aspekt, den ich immer wieder beobachte: Je höher die Ärzte in der Hierarchie aufsteigen, umso mehr ändert sich ihr Aufgabenspektrum. Mit jeder Beförderung müssen sie mehr Managementaufgaben übernehmen, für die sie eigentlich nicht ausgebildet sind. Das bringt ein neues Rollenverständnis mit sich. Die Ärzte müssen diese Rolle ausüben wollen – und auch können. Nicht jeder gute Arzt ist automatisch eine gute Führungskraft. Das spiegelt sich auch in der Kommunikation wider.

Nun stellt sich die Frage: Was macht denn gute Kommunikationsfähigkeit aus? Und wie lässt sie sich erlernen? Verkürzt ausgedrückt bedeutet gute Kommunikation, Inhalte so zu artikulieren, dass die Zuhörer sie wertfrei aufnehmen und richtig verarbeiten können. Das ist aber nicht so einfach, wie es sich zunächst anhört. Verschiedene Gesprächsebenen führen häufig zu Missverständnissen, oder Selbst- und Fremdbild klaffen auseinander. Ein Blick von außen und eine Steuerung der Kommunikationskultur können in diesem Fall durchaus hilfreich sein.

Häufig beobachte ich, dass es gerade Ärzten schwerfällt, sich zu öffnen. Sie treffen häufig keine klaren Aussagen oder geben nur sehr kurze Anweisungen an ihre Kollegen. Das führt nicht selten zu Missverständnissen oder einer unzureichenden Steuerung. Defizite gibt es auch im Umgang mit Kritik. Eine nützliche Fähigkeit ist, konstruktiv Kritik zu üben und professionell mit Kritik umgehen zu können. Gerade Feedbacks und Verbesserungsvorschläge bieten viel Potenzial, ein Team oder eine Abteilung weiter voranzubringen. In Trainings lässt sich lernen, wertschätzend Kritik zu äußern und auch damit umzugehen.

Doch Kommunikationsverhalten hängt auch stark vom Umfeld im Unternehmen ab. Ziel sollte es daher immer sein, die Situation konkret anzuschauen und herauszufinden, was der Einzelne schon mitbringt. Manchmal fehlt die organisatorische Struktur im Team, manchmal sind Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten unklar. Ärzte müssen sich selbst und ihre Rolle dann erst einmal reflektieren, verinnerlichen, eigene Werte definieren und so die nötige Basis entwickeln.

Gesprächskompetenz lässt sich verbessern

Häufig sind es Konfliktsituationen oder Umstrukturierungen, die zu akuten Störungen führen. In Einzel- oder Gruppentrainings können die Betroffenen Fähigkeiten üben, die die Gesprächskompetenz verbessern. Dazu gehört Gespräche zielorientiert vorzubereiten und zu steuern. Das bedeutet beispielsweise im Vorfeld ein klares Ziel des Gesprächs zu definieren und sich Gedanken zu einem möglichen Gesprächsverlauf zu machen. Wer ist mein Gegenüber? Wie könnte seine Sicht der Dinge sein? Ist Widerstand zu erwarten? Wenn ja, wie nehme ich diesen Widerstand an, verstehe ich ihn, kann ich ihn reflektieren?

Außerdem kann man lernen, mit schwierigen Gesprächssituationen professionell umzugehen und die Körpersprache wirkungsvoll einzusetzen. Gut ist es, in Gesprächen den Körper nicht zu verschränken, sondern eine offene Haltung einzunehmen, sich dem Gesprächspartner zuzuwenden und Augenkontakt zu halten. Das alles lässt sich üben.

Ferner geht es darum, die Regeln der Kommunikation zu verstehen und zum Beispiel zwischen Sach- und Beziehungsebene unterscheiden zu können. Die Aussage: „Die Ampel ist grün!“, ist nicht nur eine sachliche Information. Sie kann je nach Tonlage und Situation auch Selbstoffenbarung sein (Ich hab es eilig und bin genervt), die Beziehungsebene ansprechen (Ich ärgere mich, dass Du immer noch nicht fährst) oder einen Appell enthalten (Fahr endlich!). Hier gilt es, Bewusstsein zu schaffen und so die Sensibilität für diese Zwischentöne zu schärfen. Auch das Spiegeln von Selbst- und Fremdbild hilft, diese Kommunikations-mechanismen aufzudecken.

Immer mehr Klinikleitungen ermöglichen ihren leitenden Ärzten Coaching und Trainings. Meiner Erfahrung nach ist es dabei sinnvoll, auch auf die Schnittstellen zu schauen und möglichst weitere Bereiche, wie die Geschäftsführung oder andere Berufsgruppen, einzubinden.

Jutta Spittka
Coach und Unternehmensentwicklerin
RheinRuhrConsilium
46485 Wesel

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