MEDIZIN: Referiert

Dialyseindikation restriktiver stellen?

Dtsch Arztebl 1999; 96(27): A-1846 / B-1586 / C-1470

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Es wird vermutet, daß innerhalb der nächsten 15 Jahre die Zahl der Dialysepatienten um 50 bis 100 Prozent steigen wird. Aufgrund der hiermit verbundenen hohen Kosten für die Behandlung dieses Patientenkollektivs hat eine englische Arbeitsgruppe eine Kosten-Nutzen-Analyse erstellt. Anhand der Daten von 292 Patienten, die in einem Zeitraum von vier Jahren neu in ein chronisches Dialyseprogramm aufgenommen worden waren, haben Nephrologen eines großen englischen Kreiskrankenhauses Faktoren untersucht, die auf den Verlauf der Erkrankung Einfluß nahmen.
Die Überlebensrate und die Zahl der Hospitalisationen der Patienten wurden maßgeblich vom prätherapeutischen Karnowsky-Index, der Komorbidität, der nicht elektiv begonnenen Dialyse, dem Alter des Patienten und dem Vorliegen eines multiplen Myeloms beeinflußt. Mit diesen Faktoren konnte retrospektiv eine Hochrisikogruppe definiert werden, die eine Ein-Jahresüberlebensrate von nur 19 Prozent aufwies. Hätte diese Personengruppe keine Dialyse erhalten, wären 3,2 Prozent der Gesamtdialysekosten eingespart worden, fünf Patienten hätten dieses Vorgehen jedoch mit ihrem Leben bezahlt. Eine weniger strikte Definition des Hochrisikos hätte auf Kosten weiterer Patientenleben zu weiteren Einsparungen geführt.
Die Autoren resümieren, das ein schlechter Allgemeinzustand, das Vorliegen von Begleiterkrankungen sowie ein ungeplanter Beginn der Dialyse die Prognose von Dialysepatienten deutlich verschlechtert. Ob man jedoch diesen Hochrisikopatienten eine Nierenersatztherapie vorenthalten darf, bleibt ihrer Ansicht nach umstritten.
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Chandna SM et al.: Is there a rationale for rationing chronic dialysis? A hospital based cohort study of factors affecting survival and morbidity. Br Med J 1999; 318: 217-23.
Dr. Chandna, Department of Nephrology, Lister Hospital, Stevenage, SG1 4AB, Großbritannien.

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