ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2016Analyse des Binokularsehens sinnvoll
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

In seiner Übersichtsarbeit weist Schulte-Körne auf die katastrophale Lage von Schülern mit Lern-/Verhaltensstörungen und psychischen Auffälligkeiten hin und macht Vorschläge, wie diesem Dilemma zu begegnen sei, leider ohne nach deren somatischen Ursachen zu forschen (1). In meiner Augenpraxis mit Schwerpunkt Binokularstörungen begegnen mir täglich Jugendliche mit Lernstörungen im Sinne von Lese-Rechtschreibschwäche (LRS)/Legasthenie, die wegen ihrer schulischen Probleme Aggressionen, aber auch Depressionen bis zum angedrohten Suizid, zeigen. Häufig gelang es, nach Korrektion der visuellen Defizite die LRS und die Leistungsbilanz so zu verbessern, dass sich die psychische Grundstimmung aufhellte und die Schüler im Klassenverband verblieben, die Rückstufung in die Sonderschule verhindert werden, und viele den Sprung in die weiterbildenden Stufen schaffen konnten mit normaler Schullaufbahn. Ein Großteil dieser Jugendlichen hatte alle nur erdenklichen Hilfsmaßnahmen erfahren, die Eltern waren verzweifelt und griffen nach jedem Strohhalm. Sie hatten in der Regel Ergotherapie, Logopädie, psychologische- und auch psychiatrische Therapie hinter sich. Ein Erfolg stellte sich aber stets erst ein, wenn das visuelle Defizit, in der Regel eine nicht korrigierte Fehl-Stabsichtigkeit und eine nicht korrigierte assoziierte Heterophorie, durch Brillen ausgeglichen waren. Erst dann endete die Überforderung des visuellen Systems mit der hochgradigen Erschöpfung und den meist chronischen Kopfschmerzen und ein normales Leben wurde möglich (2, 3).

Ich empfehle also im Vorfeld von psychotherapeutischen Maßnahmen eine sorgfältige Analyse des Binokularsehens, am sinnvollsten nach der assoziierenden Mess-und Korrektionsmethodik nach H. J. Haase am Polatest (4). Eine Bescheinigung von „Adleraugen“ wie üblich reicht hier nicht, da die Anstrengungsbeschwerden durch Fusion dabei nicht offengelegt werden.

DOI: 10.3238/arztebl.2016.0560b

Dr. med. Fritz Gorzny

Vallendar

dr.fritz_gorzny@web.de

Interessenkonflikt

Dr. Gorzny erhielt Erstattung von Teilnahmegebühren für Kongresse, Reise- und Übernachtungskosten sowie Honorare für Vorträge auf wissenschaftlichen Fortbildungsveranstaltungen von der Internationale Vereinigung für Binokulares Sehen.

1.
Schulte-Körne G: Mental health problems in a school setting in
children and adolescents. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 183–90 VOLLTEXT
2.
Gorzny F: Optometrische und orthoptische Untersuchungen im Vorfeld einer LRS/Legasthenie und AD(H)S-Symptomatik. Deutsche Optikerzeitung 8/2005: 10–5.
3.
Gorzny F: Winkelfehlsichtigkeit – Diagnose oder Scharlatanerie? Deutsche Optikerzeitung 10/2008: 1–4.
4.
Haase HJ: Winkelfehlsichtigkeit mit Fixationsdisparation. Heidelberg: DOZ-Verlag 2009.
1.Schulte-Körne G: Mental health problems in a school setting in
children and adolescents. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 183–90 VOLLTEXT
2.Gorzny F: Optometrische und orthoptische Untersuchungen im Vorfeld einer LRS/Legasthenie und AD(H)S-Symptomatik. Deutsche Optikerzeitung 8/2005: 10–5.
3.Gorzny F: Winkelfehlsichtigkeit – Diagnose oder Scharlatanerie? Deutsche Optikerzeitung 10/2008: 1–4.
4.Haase HJ: Winkelfehlsichtigkeit mit Fixationsdisparation. Heidelberg: DOZ-Verlag 2009.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Der klinische Schnappschuss

Stellenangebote