Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Prof. Maurer weist vollkommen zu Recht auf die Frage hin, wie neuere Erkenntnisse der empirischen Bildungsforschung, der Medizin und Psychologie in die Ausbildung der Lehrkräfte Eingang finden. Hier sind in erster Linie die Hochschulen gefragt, die für die Lehrerausbildung der unterschiedlichen Schulformen zuständig sind. Die Forderung, dass die neuen Erkenntnisse in der Lehrerausbildung integriert werden, kann uneingeschränkt unterstützt werden (1). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert im Rahmen der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ seit kurzem ein Modellvorhaben zur Verbesserung der Lehramtsausbildung beim Erkennen von psychischen Belastungen und den schulischen Möglichkeiten zur Unterstützung und zur Intervention (2) (www.uni-muenchen.de/aktuelles/news/2015/lehrerausbildung.html). Da diese Ausbildung in Modulen aufgebaut ist und online zur Verfügung gestellt wird ist die Voraussetzung für eine hohe Erreichbarkeit und Verbreitung geschaffen.

Da die Effekte der veränderten Lehramtausbildung die Schülerinnen und Schüler erst viele Jahre später erreicht, ist die zweite Forderung von Prof. Maurer, die Weiterbildung der Lehrkräfte zu verbessern, von zentraler Bedeutung. Das genannte Kooperationsprojekt zur Qualifizierung der Beratungslehrer ist sehr zu begrüßen, es gibt weitere solcher Beispiele, wie die Kooperation des Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus mit den Kinder- und Jugendpsychiatrien in Landshut, Regensburg, Würzburg und München zur Weiterbildung von Förderschullehrern zum professionellen Umgang mit psychisch belasteten Kindern und Jugendlichen (www.kjp.med.uni-muenchen.de/lehre/weiterb_ lehrer.php; Anmerkung: Dieses Weiterbildungsangebot wird zurzeit mangels Förderung nicht mehr angeboten). Das Problem von Modellvorhaben ist deren Verbreitung und Verstetigung.

Prof. Maurer sowie Dr. Gorzny weisen beide auf die Bedeutung von medizinischem Wissen für die Schule hin. Auch wenn ein Zusammenhang zwischen dem sogenannten Chronotyp und psychischer Befindlichkeit sowie zwischen Chronotyp und individueller Lernfähigkeit bestehen (3), wird dieses Wissen für die Gestaltung des Schulalltags häufig nicht verwendet. Ausnahmen sind zum Beispiel das Jack-Steinberger-Gymnasium in Bad Kissingen, in der verstärkt auf Tageslichtexposition geachtet wird und Klassenarbeit erst ab der 3. Stunde geschrieben werden, um auch den späteren Chronotypen zu ermöglichen, ihre Leistungen unter für sie verbesserten Bedingungen zu erbringen. In Alsfeld bei Aachen dürfen Schüler in einem Modellvorhaben sogar später in die Schule kommen, um entsprechend des Chronotyps beschult zu werden.

Das genaue Beobachten des Schülers beim Lesen, das Feststellen von Sehproblemen als Ursache einer Lesestörung, ist von ernstzunehmender Bedeutung, wie die kürzlich erschienene S3-Leitline zur Diagnostik und Behandlung von Lese-und/oder Rechtschreibstörung (4) zeigt. Daher sollte, wie es die Leitlinie empfiehlt, bei allen Schülern und Schülerinnen mit einer Lesestörung eine augenärztliche Untersuchung durchgeführt werden, wenn die Kinder entsprechende Symptome berichten.

DOI: 10.3238/arztebl.2016.0561

Prof. Dr. med. Gerd Schulte-Körne

Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie

Psychosomatik und Psychotherapie

München

Gerd.Schulte-Koerne@med.uni-muenchen.de

Interessenkonflikt Formblatt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Schulte-Körne G: Mental health problems in a school setting in children and adolescents. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 183–90.
2.
LMU München: Qualitätsoffensive Lehrerbildung. LMU in erster Runde erfolgreich. www.uni-muenchen.de/aktuelles/news/2015/lehrerausbildung.html (last accessed on 2nd June 2016).
3.
Keller l, Zöschg S, Grünewald BD, Roenneberg T, Schulte-Körne G: Chronotyp und Depression bei Jugendlichen – ein systematischer Review. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 2016; 44: 113–26.
4.
Galuschka K, Schulte-Körne G: Clinical practice guideline: The diagnosis and treatment of reading and/or spelling disorders in children and adolescents. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 279–86.
1.Schulte-Körne G: Mental health problems in a school setting in children and adolescents. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 183–90.
2.LMU München: Qualitätsoffensive Lehrerbildung. LMU in erster Runde erfolgreich. www.uni-muenchen.de/aktuelles/news/2015/lehrerausbildung.html (last accessed on 2nd June 2016).
3.Keller l, Zöschg S, Grünewald BD, Roenneberg T, Schulte-Körne G: Chronotyp und Depression bei Jugendlichen – ein systematischer Review. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 2016; 44: 113–26.
4.Galuschka K, Schulte-Körne G: Clinical practice guideline: The diagnosis and treatment of reading and/or spelling disorders in children and adolescents. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 279–86.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Der klinische Schnappschuss

Stellenangebote