ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenSUPPLEMENT: Urologie 1/2016Prostatakarzinom-Diagnose: Methodenkombination in 3-D

SUPPLEMENT: Perspektiven der Urologie

Prostatakarzinom-Diagnose: Methodenkombination in 3-D

Dtsch Arztebl 2016; 113(33-34): [24]

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Dank roboterassistierter, bildgestützter Prostatabiopsie lassen sich Verdachtsfälle klären

Unterschiedliche Bildgebungsmethoden (hier: MRT, PET/CT) werden mit dem Echtzeit- Ultraschallbild fusioniert, um verdächtiges Prostatagewebe optimal darzustellen. Foto: Universitätsklinikum Freiburg
Unterschiedliche Bildgebungsmethoden (hier: MRT, PET/CT) werden mit dem Echtzeit- Ultraschallbild fusioniert, um verdächtiges Prostatagewebe optimal darzustellen. Foto: Universitätsklinikum Freiburg

Ein neues Biopsie-System, das an der Klinik für Urologie des Universitätsklinikums Freiburg im Einsatz ist, erlaubt die präzise Planung und Durchführung auch von schwierigen und komplexen Prostatabiopsien. Neben Ultraschallbildern können die Urologen auch Daten anderer bildgebender Verfahren wie der Magnetresonanztomographie (MRT) und der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) nutzen. Dadurch lassen sich Lage, Größe und Aktivität des verdächtigen Gewebes besser einschätzen.

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Eine robotergestützte Navigationshilfe assistiert bei der Einführung der Biopsienadel und ermöglicht so die millimetergenaue Probennahme. Das neue Verfahren erspart den Patienten unnötige Wiederholungsbiopsien. Zudem vermeidet der Zugang über den Damm statt durch den Enddarm Infektionen und Antibiotikatherapien. Neben dem Universitätsklinikum Freiburg gibt es europaweit nur zwei weitere Kliniken, die dieses Vorgehen anbieten.

Bei anatomisch schwer zugänglichen oder kleinen Tumoren ist die Biopsie oft deutlich erschwert und Malignome können übersehen werden. „Wir werden heutzutage immer früher auf verdächtige Prostataveränderungen aufmerksam, die wir aber mit den bisherigen Ultraschalluntersuchungen oft nur unzureichend erkennen. Mit dem neuen Verfahren finden wir etwa bei 60 Prozent der Patienten Tumorzellen, die bei früheren Biopsien übersehen wurden“, so Priv.-Doz. Dr. med. Cordula Jilg, Oberärztin an der Klinik für Urologie. Bislang führen Ärzte die Hohlnadelbiopsie meist händisch und nur unter Kontrolle einer Echtzeitsonographie durch. Dabei gelangen sie über den Enddarm in das Prostatagewebe.

Das neue Verfahren hat mehrere Vorteile gegenüber der klassischen ultraschallkontrollierten Biopsie. Im Vorfeld der Biopsie untersuchen die Ärzte mit bildgebenden Verfahren wie der multiparametrischen MRT Form, Struktur, Gewebedichte und Durchblutung der Prostata. Auch andere Bildgebungsverfahren – speziell die erst kürzlich eingeführte PSMA-PET-Computertomographie – können wichtige Informationen liefern. Im nächsten Schritt werden tumorverdächtige Areale in enger Abstimmung zwischen Urologen, Radiologen und Nuklearmedizinern identifiziert, im Bild markiert und die Daten in das Biopsiegerät eingelesen.

Winkel und Eindringtiefe der Biopsienadel berechnet

Zu Beginn der Biopsie wird der radiologische Bilddatensatz dann mit dem 3-D-Bild der Echtzeitsonographie der Prostata fusioniert. Auf diese Weise steht dann ein 3-D-Echtzeit-Ultraschallbild der Prostata inklusive der verdächtigen Tumorareale zur Verfügung. Anhand dieser Daten werden Winkel und Eindringtiefe der Biopsienadel berechnet und durch einen Navigationsarm vorgegeben. „Die roboterassistierte Navigation ermöglicht uns eine präzise Gewebeentnahme“, erklärt Jilg.

Ein weiterer Vorteil dieses Systems liege im gewählten Zugangsweg zur Prostata. Bislang wurde die Biopsienadel über den Enddarm eingebracht. Vorab erhielten die Patienten eine Antibiotikatherapie, die den Darm keimfrei machen sollte. Doch durch die zunehmende Entwicklung von Antibiotikaresistenzen stieg zuletzt die Rate an Komplikationen durch eine Prostatabiopsie über den Enddarm. „Im Gegensatz dazu erfolgt bei unserem Verfahren die Biopsie vom Dammbereich aus. Ein Endringen von Darmbakterien in die Blutbahn kann so vermieden werden und eine Antibiotikatherapie entfällt“, sagt Jilg.

Durch die spezielle Software des Systems kann zu jedem Zeitpunkt exakt dreidimensional rekonstruiert werden, wo eine Biopsie entnommen wurde. Gewebeproben mit unterschiedlicher Aggressivität können dem Entnahmeort zugeordnet werden. Damit wird eine räumliche Darstellung und Vermessung des Tumors in der Prostata möglich. Diese Informationen stellen die Basis für eine optimale stadienorientierte Therapie der Prostatakrebserkrankung dar. Der Eingriff findet in einer Kurznarkose im Rahmen eines stationären Aufenthalts statt. EB

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