ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2016Börsebius: Perfektion der Perversion

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Börsebius: Perfektion der Perversion

Dtsch Arztebl 2016; 113(33-34): A-1508 / B-1272 / C-1252

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Leser meiner Kolumne wissen, dass ich Exchange Traded Fonds (ETFs) aus vollem Herzen hasse und das habe ich ja auch oft genug hier formuliert, zuletzt im März dieses Jahres („Gigantische Lügen“, Deutsches Ärzteblatt, Jahrgang 113, Heft 12 vom 25. März 2016). Manche Anleger marschierten denn auch flugs zu Ihrer Bank und hielten ihrem Anlageberater genau diesen Artikel unter die Nase. Niemanden wird es verwundern, dass meine Kritik an börsennotierten Indexfonds (Exchange Traded Funds) dort nicht gerade auf große Begeisterung stieß. Ein Geldhaus sah sich sogar veranlasst, eine Verlautbarung herauszugeben, wie toll doch dieses Finanzinstrument eigentlich wäre. Ich werde hierauf gelegentlich noch zurückkommen.

Grundsätzlich bleibe ich dabei, dass es sich bei ETFs um ein durchaus gefährliches Konstrukt handelt, auch wenn es sich hier um einen für die Banken lukrativen Milliardenmarkt handelt. Die Basisidee nämlich, dass ein Indexfonds die Aktien des jeweils betreffenden Index im Bestand hat (also physisch repliziert), wird von den allermeisten ETFs nämlich genau nicht erfüllt. Vielmehr nehmen diese Fonds synthetische Papiere quasi als Äquivalent auf und das ist im Grunde schon eine Perversion. Eigentlich eine Verhöhnung des Anlegers. Und selbst bei physisch replizierenden Fonds ist nicht Entwarnung angesagt, weil diese ihre Papiere an irgendjemanden verleihen und sie im Krisenfall unter Umständen nicht zurückbekommen.

Aber das ist noch nicht der Perversion letzter Schluss. Da immer mehr Anbieter auf den lukrativen Markt drängen, müssen sich „die Neuen“ mit Getöse bemerkbar machen und das machen sie mit unerhörter Chuzpe. Sie pervertieren die an sich richtige (theoretische) Grundidee eines ETF, niemand könne den Markt dadurch schlagen, dass sie Pseudo-ETFs konstruieren, die genau das suggerieren. Etwa so: „Wir kaufen nur High-Dividend-Aktien“ oder „Wir investieren in Value-Titel“. Das Ganze nennen sie dann „Multi-Faktor-ETF“. Es ist natürlich totaler Quatsch und eine Perfektion der Perversion obendrein. Die Verdummung feiert fröhliche Urstände.

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