ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2016Fortgeschrittene systemische Mastozytose: Hohe Remissionsrate durch Kinaseinhibitor Midostaurin

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Fortgeschrittene systemische Mastozytose: Hohe Remissionsrate durch Kinaseinhibitor Midostaurin

Dtsch Arztebl 2016; 113(33-34): A-1497 / B-1263 / C-1243

Meyer, Rüdiger

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Krebserkrankungen der Mastzellen sind selten. Bei der systemischen Mastozytose reichern sich neoplastische Mastzellen im Knochenmark an, wo sie gebildet werden, aber auch in anderen Organen wie Leber, Milz, Magen-Darm-Trakt oder Lymphknoten. Zu den sogenannten C-Zeichen der Erkrankung gehören Zytopenien (durch die Verdrängung der normalen Blutbildung im Knochenmark), Leberfunktionsstörungen, Hypoalbuminämie, Gewichtsverlust, Aszites und Osteolysen. 

Das Überleben beträgt median 3,5 Jahre beim Subtyp der aggressiven systemischen Mastozytose, 2 Jahre beim Subtyp mit assoziierter hämatologischer Neoplasie und weniger als 6 Monate bei Mastzellleukämie. Bei 80–90 % der Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung wird die Mutation D816V im KIT-Gen nachgewiesen. Sie gilt als wesentlicher Antreiber des Zellwachstums und ist eine Zielstruktur des Multi-Kinase-Inhibitors Midostaurin, einem halbsynthetischen Derivat von Staurosporin (Alkaloid aus Streptomyces staurosporeus).

An einer offenen, internationalen Phase-2-Studie haben 116 Patienten mit fortgeschrittener sytemischer Mastozytose teilgenommen, davon 98 Patienten mit der Mutation KIT-D816V im Tumor. Die Patienten nahmen 2-mal täglich 100 mg Midostaurin ein, bis es zu Progress oder therapielimitierender Toxizität kam.

Primärer Endpunkt war ein Ansprechen nach den ersten 4 Therapiewochen. Eine „major remission“ war definiert als vollständige Erholung in mindestens einem C-Zeichen, eine partielle Remission als mindestens 50-%ige Verbesserung eines C-Zeichens.

Die Gesamtanprechrate (majore plus partielle Remission) betrug 60 % über die drei Subtypen hinweg, bei insgesamt 40 % wurde eine majore Remission erzielt. Die Mastzelllast im Knochenmark ging um median 59 % zurück, der Serumtryptasespiegel um 58 %.

Das mittlere progressionsfreie Überleben betrug 14,1 Monate, die mediane Gesamtüberlebenszeit 28,7 Monate, eine Verbesserung gegenüber bisherigen Ergebnissen.

Besonders günstig waren die Effekte bei 16 Patienten, bei denen die Erkrankung zu einer Mastzellleukämie fortgeschritten war. Hier lebten die Patienten unter der Therapie median 9,4 Monate gegenüber erwarteten 2 bis 6 Monaten.

Die häufigsten unerwünschten Effekte waren Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Schwere Neutropenien (Grad 3 oder 4), Anämie und Thrombozytopenie traten bei 24 %, 41 % und 29 % der Patienten auf.

Fazit: Der Multikinase-Inhibitor Midostaurin hat in einer offenen Studie mit 116 Patienten, die an fortgeschrittener systemischer Mastozytose litten, bei der Mehrzahl der Teilnehmer eine Remission erzielt. Die Überlebenszeiten waren deutlich länger als bei historischen Kontrollen. Rüdiger Meyer

Gotlib J, Kluin-Nelemans HC, George TI, et al.: Efficacy and safety of midostaurin in advanced systemic mastocytosis. N Engl J Med 2016; 374: 2530–41.

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