ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2016GOÄ-Ratgeber: Abrechnung der Schmerzintensitätsmessung mittels Schmerzskala

PRIVATABRECHNUNG

GOÄ-Ratgeber: Abrechnung der Schmerzintensitätsmessung mittels Schmerzskala

Dtsch Arztebl 2016; 113(35-36): A-1557 / B-1312 / C-1289

Stünkel, Sandra

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Mittels einer Schmerzskala/eines Schmerzfragebogens wird die subjektive Schmerzstärke des Patienten gemessen und dokumentiert. Häufig zur Anwendung gelangen beispielsweise die visuelle Analogskala (VAS), die numerische Rating-Skala (NRS) sowie verschiedene Fragebögen zur Erfassung von Schmerzverhalten.

Bei der privatärztlichen Abrechnung auf Grundlage der Amtlichen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) kommt es jedoch bezüglich der Zuordnung dieser Leistungen zu der zutreffenden Gebührenposition häufiger zu Problemen. Hierzu folgende Anmerkungen:

Die „Anwendung und Auswertung orientierender Testuntersuchungen (z. B. Fragebogentest nach Eysenck, MPQ oder MPI, Raven-Test, Sceno-Test, Wartegg-Zeichentest, Haus-Baum-Mensch, mit Ausnahme des sog. Lüscher-Tests), insgesamt“ wird mit der Nr. 857 GOÄ in Ansatz gebracht. In der Nr. 857 GOÄ werden eine Reihe von standardisierten (bzw. teilstandardisierten) orientierenden Testverfahren zusammengefasst. Die in der Leistungslegende angegebenen Testuntersuchungen sind zur Verdeutlichung beispielhaft aufgeführt.

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Auch die Durchführung und Auswertung der Messung des subjektiven Schmerzempfindens mittels einer visuellen Analogskala ist der Leistung nach Nr. 857 GOÄ zuzuordnen. Der Ansatz der Nr. 857 ist jedoch nur dann zutreffend, wenn über die gewöhnliche Abfrage der Schmerzen hinaus eine Schmerzskala (oder ein Fragebogentest: z. B. Tübinger Bogen zur Erfassung von Schmerzverhalten [TBS], Pain Behavior Checklist [PBC] zur Verhaltensbeobachtung bei Schmerzen) zur Bestimmung der Schmerzstärke angewendet und ausgewertet wird. Die alleinige Dokumentation der Schmerzintensität bzw. des Effektes einer Schmerztherapie, z. B. anhand eines Schmerzprotokolls, ist hingegen nicht eigenständig abrechenbar.

Die Leistungslegende der Nr. 857 GOÄ zielt auf den Plural ab („Testuntersuchungen“), sodass auch bei Anwendung von mehr als einer Schmerzskala/einem Schmerzfragebogen der Ansatz nur einmal möglich ist.

Gebührenrechtlich nicht zutreffend ist es, die Nr. 477 GOÄ („Überwachung einer supraklavikulären oder axillären Armplexus- oder Paravertebralanästhesie, jede weitere angefangene Stunde“) analog für die Messung der Schmerzintensität mittels Schmerzskala/ Schmerzfragebogen in Rechnung zu stellen.

Ein analoger Abgriff gemäß § 6 Abs. 2 GOÄ ist nur für Leistungen möglich, die im Gebührenverzeichnis nicht enthalten sind. Mit der Nr. 857 GOÄ steht jedoch in der GOÄ eine Leistung für die Abbildung der Anwendung und Auswertung orientierender Testuntersuchungen zur Verfügung.

Auch der Ansatz der Nr. 30 GOÄ analog ist nicht möglich. Der GOÄ-Ratgeber „Urteil zur Abrechnung der schmerztherapeutischen Erst-anamnese“ (DÄB 2015; 112[19]) erläutert die Besonderheiten der Abrechnung der Schmerz-anamnese nach Nr. 30 GOÄ analog, die allein für die Erhebung einer schmerztherapeutischen Erstanamnese bei chronisch schmerzkranken Patienten durch entsprechend qualifizierte Ärzte abrechenbar ist. Sandra Stünkel

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