ÄRZTESTELLEN

Mitarbeiterführung: Auf Augenhöhe statt von oben herab

Dtsch Arztebl 2016; 113(35-36): [2]

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Eine hohe Patientenzufriedenheit ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für jede Klinik. Sie lässt sich nur erreichen, wenn alle Beteiligten, also Ärzteschaft, Pflegepersonal und Verwaltungsmitarbeiter, reibungslos und hochmotiviert zusammenarbeiten.

Foto: Fotolia/stokkete
Foto: Fotolia/stokkete

Wie in jedem anderen Unternehmen ist eine gute Führung auch in Kliniken unerlässlich für den wirtschaftlichen Erfolg. Schwaches Führungsverhalten hat viele negative Folgen für das Krankenhaus: Mitarbeiter sind verunsichert und können die ihnen zugedachten, aber nur undeutlich zugewiesenen Aufgaben nicht oder nur unzureichend erfüllen. Sie werden frustriert, entwickeln mitunter eine Verweigerungshaltung. Andere überschreiten ihre Kompetenzen, ohne dass der leitende Arzt dies korrigiert. Durch mangelndes Führen lässt die Motivation der Mitarbeiter nach, Konflikte im Team entstehen. Und auch die Patienten nehmen Führungsfehler wahr, zum Beispiel an Personalquerelen oder einem schlecht organisierten und uneinheitlichen Auftreten ihnen gegenüber.

Gute Führung ist nicht nur auf der obersten Hierarchieebene relevant. Auch das Führen von Teams oder Abteilungen hat starken Einfluss auf Teambildung und Motivation, die Zufriedenheit der Patienten und damit auf den Ruf der Klinik.

Führungskräfte mit guten sozialen Fähigkeiten

Leitende Klinikärzte besitzen ohne Zweifel eine hohe fachliche Kompetenz. Sie ist quasi eine Grundvoraussetzung für das Ausüben einer Führungsrolle. Doch fachliche Expertise allein reicht nicht aus. Medizinische Führungskräfte brauchen zudem methodische und soziale Kompetenzen, um Mitarbeiter zu führen, ein Team entwickeln und Konflikte konstruktiv bewältigen zu können.

Zu den methodischen Fähigkeiten gehören beispielsweise eine professionelle Gesprächsführung, Moderation, Zeit- und Projektmanagement und zunehmend auch Controlling – allesamt Fähigkeiten und Fertigkeiten, die nicht unbedingt Teil einer Arztausbildung sind.

Hinsichtlich der sozialen Kompetenz haben sich die Anforderungen an Führungskräfte in den letzten Jahren stark gewandelt. Heute kommt es weniger auf Autorität oder Antriebsstärke an. Eine Führungskraft mit guten sozialen Fähigkeiten sollte vielmehr offen kommunizieren können und dabei authentisch, empathisch und belastbar sein. Sie kann ein Team mitreißen, indem sie klare Ziele aufzeigt, motiviert und transparent darauf hinarbeitet. Darüber hinaus legt sie Wert darauf, jedes Teammitglied seinen Stärken entsprechend zu beteiligen und auf Augenhöhe mit den Mitarbeitern zu interagieren.

In Kliniken gibt es noch immer viele Hierarchien

Doch gerade in Krankenhäusern herrschen oft noch sehr hierarchische Strukturen, in denen die Kommunikation auf Augenhöhe nicht immer reibungslos funktioniert. Gut zu beobachten ist das bei so mancher Chefarztvisite. Im Extremfall läuft das in etwa so ab: Eine Gruppe aus Chefarzt sowie begleitenden Ärzten und Schwestern betritt das Patientenzimmer. Der Stationsarzt berichtet an den Chefarzt mit möglichst vielen medizinischen Fachbegriffen, dieser übersetzt dann in Kürze an den Patienten. Die Ärzte beantworten Fragen und geben kurze Erklärungen. Der Patient hat einen guten Eindruck, wenn die Aussagen der verschiedenen Ärzte möglichst homogen sind und ihm gut abgestimmt und plausibel erscheinen. Im Idealfall behandelt der Chefarzt seine Ärzte auf Augenhöhe und respektvoll und zeigt dem Patienten ein gut eingespieltes Team.

Was eigentlich als Selbstverständlichkeit erscheint, ist in der Realität leider nicht immer gegeben. So kommt es durchaus vor, dass Chefärzte Aussagen von Assistenzärzten belächeln oder deren Diagnosen kritisieren oder leichtfertig vor dem Patienten revidieren. Das hat gleich mehrere negative Folgen: Der betroffene Arzt ist demoralisiert und fühlt sich schlecht behandelt. Der Patient verliert das Vertrauen in die medizinische Betreuung und spürt die Spannungen im Team. Natürlich kann die Kritik des Chefarztes durchaus angemessen sein. Doch hätte er sie besser im Rahmen einer Vorbesprechung klären können anstatt vor dem Patienten. Das hätte nicht nur auf den Patienten einen besseren Eindruck gemacht, sondern auch das Gesicht des Assistenzarztes gewahrt. Falls dies aus organisatorischen Gründen nicht möglich war, wären zumindest ein respektvoller Umgang und eine sensible Gesprächsführung professionell und ratsam gewesen.

Ein anderes Beispiel, anhand dessen sich mangelnde Führung oft erkennen lässt, ist das Entlassungsmanagement: Immer wieder kommt es vor, dass Ärzte Informationen über den genauen Entlassungstermin und Anweisungen hinsichtlich nötiger Maßnahmen nur undeutlich oder gar nicht kommunizieren oder anweisen. Das führt in der Regel zu Verzögerungen, Widerstand beim Pflegepersonal oder zu hektischen Abläufen. Es macht keinen guten Eindruck auf den Patienten und fördert sicher nicht dessen Zufriedenheit.

Wer führen will, muss zunächst zuhören lernen

Wer erfolgreich führen will oder soll, muss zunächst die klassischen Führungsinstrumente wie Delegieren, Kontrollieren, Präsentation oder Gesprächsführung kennenlernen und üben. Darüber hinaus gilt es, Führungspersönlichkeiten zu entwickeln, die über ihr Verhalten, ihre Entscheidungen und deren Begründungen und nicht zuletzt durch ihre charakterlichen Eigenschaften überzeugen und motivieren. Oft müssen sich angehende Führungspersönlichkeiten erst selbst reflektieren und ein Gespür für ihre neue Rolle entwickeln. Erst dann können sie lernen, flexibel und respektvoll ihr Team zu führen. Wesentliches Element dazu ist meist das Kommunikationsverhalten.

Vor allem für angehende Chefärzte empfehlen sich Einzelcoachings. Viele von ihnen sind fachlich sehr gut ausgebildet, oft fehlt ihnen aber die Kompetenz im Umgang mit ihren Mitarbeitern. Vieles lässt sich anhand von konkreten, beruflichen Situationen erlernen. Gut ist es, das Coaching nicht zu abstrakt zu gestalten, sondern möglichst auf einen konkreten Arbeitsprozess zu beziehen. Wichtig ist dabei auch, Selbst- und Fremdbild abzugleichen. Das bedeutet, zu hinterfragen, ob das Bild, das der Leitende Arzt von seinem Führungsverhalten hat, mit dem übereinstimmt, welches seine Mitarbeiter über seine Fähigkeiten in Sachen Mitarbeiterführung und Arbeitsklima in der Abteilung haben.

Doch reicht es in der Regel nicht, nur die Kompetenz der jeweiligen Führungskraft zu stärken. Damit Führung im Unternehmen reibungslos funktioniert und die Effizienz steigt, müssen auch die Strukturen des Arbeitsumfelds stimmen.

Jutta Spittka

Coach und Unternehmensentwicklerin

RheinRuhrConsilium

46485 Wesel

Anzeige

    Leserkommentare

    E-Mail
    Passwort

    Registrieren

    Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

    Fachgebiet

    Zum Artikel

    Alle Leserbriefe zum Thema

    Ärztestellen

    Login

    Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

    E-Mail

    Passwort

    Anzeige