ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2016Immuntherapie bei metastasiertem malignen Melanom: Ein Drittel spricht auf PD-1-Inhibitor trotz Vortherapie an

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Immuntherapie bei metastasiertem malignen Melanom: Ein Drittel spricht auf PD-1-Inhibitor trotz Vortherapie an

Dtsch Arztebl 2016; 113(35-36): A-1543 / B-1300 / C-1280

Siegmund-Schultze, Nicola

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Maßgeblich für die Zulassung des Checkpoint-Inhibitors Pembrolizumab (Anti-PD-1) bei nicht resezierbarem oder metastasierendem Melanom – mit oder ohne Vorbehandlung – waren 3 Studien, darunter KEYNOTE-001. In der internationalen Phase-1b-Studie wurden Wirksamkeit und Sicherheit des Checkpoint-Inhibitors beim fortgeschrittenem Melanom untersucht. Nun liegen von 655 Patienten gepoolte Daten vor, bislang unveröffentlicht von 347 Teilnehmern.

78 % der 655 Teilnehmer hatten ein Tumorstadium M1c mit viszeralen Metastasen, 22 % ein niedrigeres Tumorstadium. 25 % waren ohne systemische Vortherapie, die übrigen hatten 1, 2 oder mindestens 3 Vorbehandlungen (31 %, 27 %, 17 %). Die Hälfte der Vortherapierten hatte den Checkpoint-Inhibitor Ipilimumab (Anti-CTLA-4) erhalten.

Die Rate des objektiven Ansprechens nach den RECIST-Kriterien betrug 33 % bei den 581 Probanden, die eine messbare Erkrankung nach diesen Kriterien hatten (95-%-Konfidenzintervall [KI]: 30–37). Bei den nicht vorbehandelten Teilnehmern sprachen 45 % an (95-%-KI: 36–54), bei denen ohne Ipilimumab-Vortherapie 38,6 % und bei denen mit Ipilimumab-Vortherapie 28,6 %. Chemotherapierte Patienten sprachen zu 30 % an und solche mit anderen vorangegegangen Immuntherapien außer Ipilimumab zu 34 %. Bei 44 % der Responder dauerte das Ansprechen mindestens 12 Monate und bei 79 % mindestens 6 Monate. Das mediane progressionsfreie Überleben betrug 4 Monate in der Gesamtgruppe und 14 Monate bei den Unvorbehandelten, das Gesamtüberleben 23,8 Monate über alle Gruppen hinweg und 31 Monate bei den Unvorbehandelten. Unerwünschte Effekte von Grad-3/4 waren mit 14 % vergleichsweise selten, therapieassoziierte Todesfälle gab es nicht.

Fazit: Das zentrale Ziel, Lebensverlängerung bei guter Lebensqualität, lasse sich durch Pembrolizumab beim metastasierten Melanom durch Pembrolizumab erreichen, so der begleitende Kommentar zur Studie (2): Ein Teil der Patienten komme trotz fortgeschrittener Erkrankung dauerhaft in Remission, bei einem höheren Anteil aber könne das Immunsystem das Tumorwachstum nicht anhaltend kontrollieren. Das optimale Timing der Immuntherapie, auch in Sequenz mit Kinaseinhibitoren, sei zu klären.

Dr. rer. nat Nicola Siegmund-Schultze

  1. Ribas A, Hamid O, et al.: Association of pembrolizumab with tumor response and survival aong patients with advanced melanoma. JAMA 2016; 315: 1600–9.
  2. Bhatia S, Thompson JA: PD-1 blockade in melanoma. JAMA 2016; 315: 1573–5.

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