ArchivDeutsches Ärzteblatt23/1996Steuern sparen: Werbungskosten bei Einkünften aus Kapitalvermögen

VARIA: Wirtschaft - Berichte

Steuern sparen: Werbungskosten bei Einkünften aus Kapitalvermögen

Strunz, Willi

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LNSLNS Ärzte, die ihre Einkommensteuererklärung für 1995 vorbereiten, sollten bei ihren Einkünften aus Kapitalvermögen gemäß § 20 EStG den Werbungskosten erhöhte Aufmerksamkeit widmen. Im Hinblick auf die im Gesetz gewährten relativ niedrigen Pauschbeträge bei den Kapitaleinkünften, die im Gegensatz zu den Freibeträgen von 6 000 DM für Ledige beziehungsweise 12 000 DM für Verheiratete seit Jahren unverändert sind, erhebt sich nämlich vor allem für die Eigentümer von größeren Wertpapierdepots die Frage, ob es sich nicht lohnt, dem Finanzamt die tatsächlich angefallenen Werbungskosten in der Steuererklärung zu präsentieren.


Tatsächliche Kosten absetzen
Bei der Ermittlung der "Einkünfte aus Kapitalvermögen" sind die Kapitaleinnahmen mindestens zu kürzen um den sogenannten Werbungskostenpauschbetrag. Dieser beträgt für Alleinstehende gerade 100 DM, für die gemeinsam veranlagten Ehegatten 200 DM. Übersteigen die tatsächlichen Werbungskosten eines Arztes jedoch diese Pauschbeträge, was zum Beispiel bei Wertpapierdepots mit einem Kurswert von rund 100 000 DM bei Alleinstehenden beziehungsweise von 200 000 DM bei Ehepaaren regelmäßig der Fall ist, so empfiehlt es sich, die tatsächlichen Kosten von den Einnahmen aus Kapitalvermögen abzusetzen.
Bei den steuerlich abzugsfähigen Werbungskosten handelt es sich in erster Linie um Depotgebühren. Es können jedoch steuerlich auch noch andere Aufwendungen geltend gemacht werden, wie zum Beispiel die Schließfachmieten, Abonnementskosten für Börseninformationsdienste und Wirtschaftszeitungen, Beiträge zu den Aktionärs- und Gläubigerverbänden, die Kosten einer bankmäßigen Vermögensverwaltung etc. Bei Besuchen von Aktionärshauptversammlungen sind insbesondere die Aufwendungen für Fahrtkosten und Kosten der Unterbringung, aber auch die Mehraufwendungen für Verpflegung (Reisekostenpauschalen) am Tagungsort zu berücksichtigen.
Werbungskosten bei den Einnahmen aus Kapitalvermögen des Arztes sind ferner auch die Zinsen, Damnumbeträge und andere zinsähnliche Aufwendungen für kreditfinanzierte Geldanlagen. Zinsen aus Krediten, die zum Erwerb von Wertpapieren aufgenommen wurden, konnten früher nur bis zur Höhe der erzielten Erträge steuerlich abgesetzt werden, die in demselben Kalenderjahr aus den mit den Krediten finanzierten Wertpapieren zugeflossen sind. In diesem Punkt hat sich jedoch inzwischen durch die Rechtsprechung der Finanzgerichte eine bemerkenswerte Änderung ergeben. Jetzt vertritt nämlich der Bundesfinanzhof die Auffassung, daß die gezahlten Kreditzinsen auch dann steuerlich absetzbar sind, wenn noch keine Einnahmen aus Kapitalvermögen fließen, jedoch die feste Absicht, Einnahmen zu erzielen, im Vordergrund steht und auf die Dauer gesehen auch ein gewisser Überschuß der Einnahmen über die Werbungskosten erwartet werden kann.


Nicht alles absetzbar
Werbungskosten sind gemäß § 9 EStG die Aufwendungen, die zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen aus Kapitalvermögen erforderlich sind. Fehlt jedoch der notwendige Kausalzusammenhang zwischen den Aufwendungen und den Einnahmen aus Kapitalvermögen, so werden Ausgaben nicht als Werbungskosten vom Finanzamt anerkannt.
Steuerlich nicht absetzbar sind deshalb zum Beispiel die Zinsaufwendungen für jene Kredite, die vorwiegend zur Finanzierung von Kapitalanlagen aufgenommen wurden, bei denen die Wertsteigerung des Arztvermögens im Vordergrund steht. Für den Erwerb in Realisierungsabsicht unter bloßer Mitnahme von laufenden Erträgen spricht es nämlich, wenn die Kapitalanlage mit einem entsprechenden Gewinn von ihrem Eigentümer, also hier dem Arzt, veräußert wird, ohne daß die Finanzierungskosten durch die laufenden Erträge abgedeckt werden konnten, oder wenn die Kapitalanlage zwar über einen längeren Zeitraum hinweg im Portefeuille des Arztes gehalten wird, die Finanzierungskosten aber die laufend anfallenden Erträge ständig übersteigen.
Nicht als Werbungskosten im Sinne des § 9 EStG abzugsfähig sind auch die Aufwendungen für jene Vermögenswerte des Arztes, mit denen sich keine Kapitalerträge erzielen lassen oder bei denen solche Einnahmen nicht zu erwarten sind. Hierzu rechnen zum Beispiel die Schrankfachmieten für bestimmte Edelmetallanlagen. Dasselbe gilt für alle Aufwendungen, die mit steuerfreien Kapitalerträgen in Zusammenhang stehen. Nicht zu den Werbungskosten für den Arzt zählen letztlich auch jene Aufwendungen, die vorwiegend mit der Beschaffung oder der Veräußerung von Vermögenswerten zusammenhängen, wie zum Beispiel Bankauslagen, Provisionen, Maklergebühren. Weiterhin sind steuerlich nicht absetzbar die Abwertungsverluste oder Kurseinbußen, die sich bei Anlagen oder Aktien ergeben können. Willi Strunz

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