ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2016Börsebius: Des Wahnsinnigen fette Beute

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Börsebius: Des Wahnsinnigen fette Beute

Dtsch Arztebl 2016; 113(37): A-1613 / B-1360 / C-1336

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Wenn es denn eine Maßeinheit für „Wahn-Sinniges“ geben sollte, wären tausend Milliarden Euro eine ganz gute Ziffer für die Beschreibung von Größenwahn und Realitätsverlust. Genau diese Marke hat jüngst die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihren Käufen von Staatsanleihen geknackt. Ein Billion Euro für das Kombi-Ziel Kreditankurbelung und Deflationsverhinderung. Erreicht wurde durch das sogenannte Quantitative Easing (QE) bisher herzlich wenig. Die Kohle wurde vielmehr regelrecht verjubelt.

Für den Herrscher dieses Wahns ist damit aber noch lange nicht Schluss. Mario Draghi hat vielmehr, immer mit dem Ziel vor Augen, die hartnäckig niedrige Inflation endlich nach oben zu hieven, das Bondkaufprogramm sogar noch ausgeweitet. Jetzt darf die Europäische Zentralbank auch Unternehmensanleihen (Corporate Bonds) kaufen und das macht sie nach Herzenslust. Und es ist ja auch klar, dass sich damit immense Risiken in der EZB-Bilanz auftürmen. Das sagt nicht irgendwer, sondern die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die Zentralbank der Zentralbanken also. Aber wer groß denkt (EZB), dem ist Kleinkariertes fremd.

Aber wer – wie Draghi – die Idee des Helikoptergeldes als „sehr interessantes Konzept bezeichnet, also die Verteilung frisch gedruckten Geldes an quasi jedermann, macht natürlich nicht bei Corporate Bonds halt. Als nächsten Tabubruch erwägt die EZB, so ist zu hören, auch Aktien zu kaufen.

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Da muss der eh schon völlig verunsicherte Beobachter der gespenstischen EZB-Szenerie aber erst mal dreimal schlucken: Wie bitte, Aktien? Will Mario Draghi jetzt auch diesen Markt in seinen Grundfesten erschüttern? Ja, das könnte durchaus sein und im Übrigen macht die japanische Notenbank das schon seit geraumer Zeit vor, besitzt sie jetzt schon drei Prozent aller japanischen Aktien. Nur: Wenn das so kommt, dann könnte der deutsche Aktienindex DAX nächstes Jahr bei 13 oder 14 oder 15 000 Punkten stehen.

Ähnlich verrückt wie der Rentenmarkt, nur mit anderen Vorzeichen. Hie Negativzins, da überschäumende Kurse. So könnte am Ende fette Beute machen, wer sich traut, jetzt Aktien zu kaufen. Gerade jetzt. Aber Wahnsinn ist es allemal.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“

Wie an jedem ersten Samstag des Monats, können Sie auch am 1. Oktober 2016 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (0221 985480-20).

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