ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2016Point-of-Care-diagnose: Unspezifische Ergebnisse
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Als niedergelassener Internistischer Rheumatologe erlebe ich es täglich, dass bei den zugewiesenen Patienten weder die Beschwerden hinterfragt noch eine adäquate körperliche Untersuchung durchgeführt worden ist.

Stattdessen wurden viel zu häufig erhebliche Mengen an nicht zielführender Labordiagnostik in die Wege geleitet. (...) Meine persönliche Erfahrung mit solchen Tests ist, dass sie durchaus unspezifische Ergebnisse liefern können.

Der Patient, der kurzfristig vom Rheumatologen untersucht und gegebenenfalls behandelt werden sollte, ist nicht unbedingt derjenige mit einem auffälligen „Rheumawert“, sondern der mit entsprechenden Befunden bei der körperlichen Untersuchung. Wenn dann noch eine ansonsten nicht erklärte systemische Entzündung (BSG oder CRP) hinzukommt, sind die wesentlichen Voraussetzungen erfolgt.

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Die meisten Patienten, die wir als Niedergelassene sehen, haben oft gar keine positiven „Rheumawerte“ (Rheumafaktoren, CCP-Antikörper), sind aber trotzdem an einer entzündlichen Systemerkrankung
erkrankt.

Auch bei der erwähnten Verlaufskontrolle ist der körperliche Untersuchungsbefund oft wesentlich entscheidender als der laborchemische Befund.

Die Verfügbarkeit der sogenannten POCT (Point-Of-Care-Tests) mag in anderen Bereichen sehr hilfreich sein. In der Rheumatologie ist die Entstehung weiterer Kosten ohne Verbesserung der Versorgung zu befürchten.

Adäquate Anamneseerhebung und körperliche Untersuchung sowie die Bestimmung der Parameter BSG und CRP könnten stattdessen viel besser und kostengünstiger bei der Entscheidung über die Notwendigkeit einer dringlichen Rheumatologischen Abklärung helfen.

Dr. med. Christopher Amberger, Facharzt für Innere
Medizin – Rheumatologie, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler

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