ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2016GOÄ-Ratgeber: Intraoperative Messungen bei einer Schrittmacher-Implantation

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GOÄ-Ratgeber: Intraoperative Messungen bei einer Schrittmacher-Implantation

Gorlas, Stefan

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Eine Abrechnungsgesellschaft stellt neben der Nr. 3095 GOÄ („Schrittmacher-Erstimplantation“) die Nr. 3060 GOÄ („Intraoperative Funktionsmessungen am und/oder im Herzen“) für die intraoperativen Messungen im Rahmen der Implantation eines DDD-Schrittmachers mit der Begründung in Rechnung, dass diese Gebührenposition laut dem GOÄ-Kommentar von Brück und Nachfolgern (Deutscher Ärzteverlag) in Verbindung mit Herzoperationen berechnet werden darf und es sich bei einer Schrittmacher-Implantation um eine Herzoperation handelt.

Die private Krankenversicherung des Patienten erstattet diesen Ansatz der Nr. 3060 GOÄ nicht.

Wie dem vorgenannten GOÄ-Kommentar von Brück und Nachfolgern unter der Nr. 3060 GOÄ zu entnehmen ist, darf diese Gebührenposition, insoweit sind die Ausführungen der Abrechnungsgesellschaft zutreffend, ausschließlich in Verbindung mit Herzoperationen berechnet werden bzw. findet gemäß dem GOÄ-Kommentar von Hoffmann (Kohlhammer-Verlag) im Rahmen der Herzchirurgie Anwendung. Der Kommentar von Brück betont jedoch den Zusatzcharakter der Leistung und zitiert als ein Beispiel für den Ansatz der Nr. 3060 GOÄ die Messung des enddiastolischen Drucks.

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Eine derartige intraoperative Messung über einen linksatrialen Katheter kann beispielsweise in bestimmten Fällen nach dem Ersatz einer Herzklappe zur besseren Steuerung der Infusionsbehandlung erforderlich sein.

Demgegenüber handelt es sich bei den intraoperativen Messungen zur Funktionsfähigkeit und Lagekontrolle der Schrittmachersonde(n) (z. B. R-Welle, slew-rate, Reizschwelle und Impedanz) um obligatorische Leistungen, ohne die eine Implantation eines Herzschrittmachers nicht möglich ist.

Insofern sind die letztgenannten Messungen Bestandteil einer mit der Nr. 3095 GOÄ berechneten Schrittmacherimplantation und damit gemäß § 4 Absatz 2 a GOÄ neben dieser Implantationsleistung nicht zusätzlich berechnungsfähig.

Gleichlautend führt der Kommentar nach Brück und Nachfolgern zu den Nr. 3095, 3096 („Schrittmacher-Aggregatwechsel“) und 3097 GOÄ („Schrittmacher-Korrektureingriff – auch Implantation von myokardialen Elektroden“) aus, dass die Erstprogrammierung, die erste Impulsanalyse, die mitlaufende EKG-Ableitung und andere mitlaufende Monitorwerte während des operativen Eingriffs Bestandteile der drei vorgenannten Leistungen sind. Dr. med. Stefan Gorlas

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