ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2016Elektronische Patientenakte: Beispiel Schweden

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Elektronische Patientenakte: Beispiel Schweden

Dtsch Arztebl 2016; 113(39): A-1703

Carlsson, Jörg

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Patienten können mit einer elektronischen Identifizierungskarte, die auch für Kontakte mit Behörden und Banken verwendet wird, ihre Patientenakte einsehen.

Die elektronische Patientenakte ist in Schweden seit Jahren flächendeckend eingeführt. In dieser sind im Prinzip sämtliche Informationen über den Patienten gesammelt, von Telefonnummern von Angehörigen über Laborbefunde bis zu EKGs. Die elektronische Patientenakte umfasst sämtliche Kontakte mit dem Gesundheitswesen, also auch Hausarzteinträge.

Da das Gesundheitssystem in Schweden regional organisiert ist ist eine „nationale Patientenübersicht“ entwickelt worden, die aus dem lokalen elektronischen System heraus zugängig ist und über wesentliche Gesundheitsdaten, die in einer anderen Region dokumentiert worden sind, Auskunft gibt. Grundsätzlich darf das Gesundheitspersonal Krankenakten nur öffnen, wenn eine aktuelle professionelle Verbindung zum Patienten besteht. Patienten haben auch das Recht, auf Wunsch zu erfahren, wer in ihrer Krankenakte gelesen hat.

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Seit 2012 ist nun die Möglichkeit hinzugekommen, dass der Patient selbst seine Akte über einen Internetanschluss nach sicherer Identifizierung lesen kann. Die hierfür genutzte elektronische Identifizierungskarte wird in Schweden auch für Kontakte mit Behörden und Banken verwendet. Mit dieser kann man mit der Steuerbehörde genauso kommunizieren wie sich im Krankenhaus als Mitarbeiter in das Patientenaktensystem einloggen. Bisher haben sieben Provinzialregierungen und Regionen diese Möglichkeit für ihre Patienten eingeführt und bis zum Ende des Jahres folgen weitere elf und bis Anfang 2017 soll diese Option jedem Patienten in Schweden offenstehen.

Die Ärzteschaft war am Anfang generell eher skeptisch oder sogar offen kritisch.

  • Führt die Kenntnis, dass der Patient das Geschriebene lesen könnte, dazu, dass wichtige Informationen ausgelassen werden, um den Patienten zu schonen?
  • Wie dokumentiert man unter diesen Bedingungen Hypothesen über Symptome, die eben auch ernsthafte Erkrankungen mit einschließen?
  • Führen vermehrte Nachfragen von Patienten nach Lektüre ihrer Akte zu einer erhöhten Arbeitsbelastung?
  • Können Eintragungen über den Lebensstil des Patienten, von Rauchen bis Alkoholgenuss, zu Diskussionen führen?

Bis auf Einzelfälle sind diese Fälle nicht eingetreten. Zu den Zukunftsprojekten gehört die Möglichkeit, dass der Patient direkt in der Patientenakte eine Rückmeldung geben kann.

Prof. Dr. med. Jörg Carlsson, M.A.

Elektronische Patientenakte

In Deutschland dauert es noch, bis Ärzte und Patienten die Patientenakte nutzen könnten. Die gematik – Gesellschaft für Telematikanwendungen soll bis 2019 die notwendigen Voraussetzungen dafür schaffen, dass Patientendaten aus bereits vorhandenen Dokumentationen in einer sektorenübergreifenden elektronischen Patientenakte bereitgestellt werden können. Dazu zählen beispielsweise Befunde, Arztbriefe, Medikationsplan sowie medizinische Dokumente wie Impfpass oder Mutterpass, die durch den Patienten den jeweiligen Behandelnden zur Verfügung gestellt werden können.

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