ÄRZTESTELLEN

Selbstmanagement: Raus aus der Stressfalle!

Dtsch Arztebl 2016; 113(40): [2]

Spittka, Jutta

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Foto: Fotolia/freshidea
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Zeitmangel, Kostendruck, emotionale Anspannung – gerade in Krankenhäusern sind Ärzte zunehmend einem hohen Druck ausgesetzt. Damit das nicht zur psychischen Belastung wird und Leistungseinbußen mit sich bringt, ist ein frühzeitiges Stressmanagement auch für Ärzte ratsam.

Auf Ärzten lastet häufig ein starker Druck. Sie sind hohen fachlichen und emotionalen Anforderungen ausgesetzt und haben in Krankenhäusern oft nur geringe Gestaltungsmöglichkeiten. Hinzu kommen zum Teil lange Arbeitszeiten sowie Wechsel- und Nachtschichten. Einige Ärzte belastet zunehmend auch das Abwägen von medizinischen und ökonomischen Erfordernissen.

Allerdings ist nicht jede höhere Belastung gleich negativer Stress und damit bedenklich. Wann wird es kritisch? Kritisch wird es, wenn ein Arzt eine Tätigkeit gegen seine eigene Motivation ausüben muss. Solange er etwas gerne macht und eine positive Bestätigung erhält, empfindet er in der Regel keinen Stress.

Negativer Stress hingegen erzeugt innerliche Widerstände. Was negative Einflüsse oder Tätigkeiten für den Einzelnen bedeuten, ist sehr individuell. Eine neue Aufgabe, Leistungsdruck oder veränderte Organisationsstrukturen erzeugen nicht selten innere Konflikte und Unsicherheiten im eigenen Rollenverständnis. Auslöser können zum Beispiel Veränderungen im Arbeitsbereich sein, ein Wechsel der Abläufe oder des Vorgesetzten – oder auch eine Beförderung. Darüber hinaus können auch Konflikte mit Arbeitskollegen, Mobbing, Planungs- und Organisationsmängel oder Selbst- und Zeitmanagementdefizite Gründe für eine Überforderung und Stress sein.

Derartige psychische Belastungen setzen die Leistungsfähigkeit herab, wirken demotivierend und bringen oft massive Stresssymptome mit sich. Körperlich zeigt sich negativer Stress etwa durch Herzrasen, Muskelverspannungen, Kopfschmerzen, Schlafprobleme oder Ess- und Verdauungsstörungen. Auch geistige und emotionale Veränderungen wie Konzentrationsstörungen, Denkblockaden, Resignation oder Aggressivität sind Hinweise auf zu viel Stress. Ebenso soziale Verhaltensauffälligkeiten wie Rückzugsneigung bis hin zur sozialen Isolation oder Suchtprobleme durch den Missbrauch von Alkohol, Medikamenten und Drogen.

Wichtig ist, rechtzeitig einzugreifen. Dauerhafter Stress setzt nicht nur die Leistungsfähigkeit herab, er führt bis hin zum Burnout oder zur manifesten Depression. Das Problem ist, dass sich die negativen Gedanken wie in einem Strudel immer schneller entwickeln und ein Eingreifen zunehmend schwerer wird.

Gerade Ärzte sprechen selten über sich

Um den Abwärtssog zu durchbrechen gilt es, innere Widerstände und Probleme zu erkennen und zu reflektieren. Professionelles Zuhören und die Anregung eines inneren Dialogs können dabei helfen. Allerdings wollen viele Betroffene sich ihre Situation zunächst nicht eingestehen. Anderen ist ihre Überlastung zwar bewusst, sie selbst haben jedoch Hemmungen, darüber zu sprechen. Sie verschließen sich vor Freunden und Familie und meiden es, professionelle Hilfe zu suchen.

Besonders bei Ärzten ist das ein typisches Phänomen. Gerade Ärzte müssen in der Regel immer für andere da sein. Sie sprechen selten über sich und sind gehalten, Sicherheit auszustrahlen. Zudem lastet auf ihnen der Druck, dass sie als Arzt immer alles wissen müssen. Ihre Rolle erlaubt es ihnen selten, etwas nicht zu wissen oder Angst zu haben. Damit ist so mancher Arzt ab und an überfordert.

Achtsam sich selbst gegenüber sein

Um einer Überlastung frühzeitig vorzubeugen, sollte jeder Mensch achtsam sich selbst gegenüber sein und auf psychische wie auch physische Anzeichen achten. Natürlich ist ein Leben völlig ohne Stress unrealistisch. In Maßen können Körper und Seele so manche Stresssituation auch durchaus kompensieren. Entscheidend ist es, die Kontrolle zu behalten, damit die Belastung nicht in Form von negativem Stress eine gefährliche Eigendynamik entwickelt und sich schließlich wie das viel zitierte Hamsterrad anfühlt.

Deshalb macht es durchaus Sinn, sich selbst regelmäßig zu hinterfragen:

  • Wie fühle ich mich?
  • Was macht der Stress mit mir?
  • Was sind eigentlich die Stressfaktoren?
  • Habe ich Einfluss auf diese Faktoren?
  • Wie kann ich meinen Stress möglicherweise ausgleichen?

Denn solange es im Leben immer wieder Phasen der Entspannung gibt, lässt sich Stress besser wegstecken. Eine ausgewogene Work-Life-Balance ist dazu hilfreich.

Bei der Stressprävention ist nicht nur jeder Einzelne gefragt. Auch Führungskräften kommt eine verstärkte Verantwortung zu. Sie sollten Vorbild sein und sensibel auf Signale ihrer Mitarbeiter achten. Hier ist viel Empathie nötig, denn jeder Mitarbeiter ist anders und hat deshalb auch andere Bedürfnisse an seine Arbeitsorganisation. Das liegt schon allein daran, dass es heute verschiedene Generationen in einer Belegschaft gibt. Die einen haben ein verstärktes Bedürfnis nach Sicherheit und Anerkennung ihrer Leistung, andere nach selbstbestimmtem Arbeiten und Weiterentwicklung. Oft ist es hilfreich, eine Besprechungskultur zu etablieren. Ritualisierte Besprechungen mit festen Terminen und Themen geben Vorgesetzten mehr Möglichkeiten, Stimmungen und Bedürfnisse der Mitarbeiter aufzunehmen und darauf einzugehen.

Durch ihren Führungsstil haben Vorgesetzte außerdem unmittelbaren Einfluss auf den Grad der Arbeitsbelastung und Zufriedenheit. Letztere spielt eine wichtige Rolle für die physische Gesundheit. Zufriedene Mitarbeiter, die selbstbestimmt arbeiten können, Wertschätzung erfahren und ihren Kompetenzen entsprechend eingesetzt werden, empfinden in der Regel weniger Stress. Gute Führungskräfte geben zudem Orientierung und Sicherheit, schlichten mögliche Konflikte und motivieren ihre Mitarbeiter – ebenfalls gute Voraussetzungen für stressfreies Arbeiten.

Manchmal fehlen organisatorische Strukturen

Oft ist es auch nötig, Strukturen zu analysieren, um Störungen im beruflichen Umfeld zu identifizieren. In manchen Einrichtungen oder Abteilungen treten Stresssymptome gehäuft auf. Dann ist es naheliegend, dass es Konflikte und Störungen im Team oder mit einzelnen Kollegen gibt. Manchmal fehlen auch organisatorische Strukturen, die Unsicherheit oder Mehrbelastungen erzeugen. Es gilt, kritische Punkte offenzulegen sowie Ursachen und Verbesserungspotenziale zu ermitteln.

Beispiel: In einer Einrichtung hatte die Geschäftsführung gewechselt und in der Folge fühlten sich ganze Abteilungen gestresst, da einzelne Chefärzte den empfundenen Druck und ihren Frust weitergegeben hatten. In diesem Fall ist es natürlich nötig, nicht bei einem Einzelnen, sondern beim ganzen Team anzusetzen.

Jutta Spittka

Coach und Unternehmensentwicklerin

RheinRuhrConsilium

46485 Wesel

Foto: Fotolia/freshidea

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