ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2016Langzeitverträglichkeit von Ticagrelor: Therapieabbrüche gibt es vor allem im ersten Behandlungsjahr

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Langzeitverträglichkeit von Ticagrelor: Therapieabbrüche gibt es vor allem im ersten Behandlungsjahr

Dtsch Arztebl 2016; 113(40): A-1762 / B-1485 / C-1477

Vetter, Christine

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Die Gründe für die vergleichsweise hohe Therapieabbruchrate unter Ticagrelor in der Studie PEGASUS-TIMI 54 sind in einer Nachanalyse der Daten untersucht worden. In der Studie waren 21 162 Patienten mit stabiler KHK und vorangegangenem Myokardinfarkt zur Sekundärprophylaxe 2-mal täglich mit 90 mg oder 60 mg Ticagrelor oder Placebo zusätzlich zu niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (ASS) behandelt worden. Die Patienten wurden 33 Monate nachverfolgt.

Es ergab sich eine Therapieabbruchrate von 32 % unter 90 mg und 29 % unter 60 mg Ticagrelor sowie von 21 % unter Placebo. Die Abbruchrate aufgrund unerwünschter Wirkungen betrug 19 % unter 90 mg und 16 % unter 60 mg Ticagrelor sowie 9 % unter Placebo. Als häufigste Nebenwirkung führten Blutungen zum Abbruch der Behandlung (7,8 % bei höher dosiertem Ticagrelor, 6,2 % bei niedrigerer Dosis und 1,5 % bei Placebo) sowie eine Dyspnoe (6,5 %, 4,6 % und 0,8 % in den jeweiligen Grupppen). In 86 % der Fälle eines Therapieabbruchs aufgrund von Blutungen unter Ticagrelor handelt es sich nicht um eine schwere Blutung und bei ebenfalls 86 % der Patienten mit Therapieabbruch aufgrund einer Dyspnoe war diese lediglich mild bis moderat ausgeprägt.

Im Zeitverlauf ergab sich unter 2-mal 90 mg Ticagrelor am Tag eine erhöhte Abbruchrate (Hazard Ratio [HR]: 2,00; 95-%-Konfidenzintervall [KI]: 1,84–2,16) im 1. Behandlungsjahr gegenüber dem 2. und 3. Therapiejahr (HR: 1,12; 95-%-KI: 1,00–1,26). Ähnlich war das Ergebnis bei Einnahme von 2-mal 60 mg Ticagrelor täglich im 1. Jahr (HR: 1,59; 95-%-KI:1,46–1,73) sowie im 2. und 3. Jahr (HR: 1,18; 95-%-KI: 1,06–1,32) – je im Vergleich zu Placebo. Bei Patienten, die Ticagrelor 1 Jahr fortgesetzt einnahmen, war die Abbruchrate in den nachfolgenden Jahren niedrig.

Fazit: „Die Studie zeigt, dass die positiven Wirkungen einer Therapiefortsetzung mit Ticagrelor in einer Dosierung von 2-mal täglich 60 mg mit höherer Adhärenz erwirkt werden können, wenn die Therapie ohne Unterbrechung der initialen einjährigen Therapiephase nach akutem Koronarsyndrom folgt“, erläutert Prof. Dr. med. Harald Darius vom Klinikum für Kardiologie, Angiologie, Nephrologie & konservative Intensivmedizin, Vivantes Klinikum Berlin-Neukölln. Nebenwirkungen und Abbruchraten seien dosisabhängig: 2-mal täglich 60 mg Ticagrelor seien eindeutig verträglicher als 2-mal täglich 90 mg der Substanz. Da Blutungen einer der häufigsten Gründe für einen Therapieabbruch seien, sollte nach Meinung von Darius die Komedikation mit ASS bei Patienten mit hohem Blutungsrisiko überdacht werden.

Christine Vetter

Bonaca MP, et al.: Long-term tolerability of ticagrelor for the secondary prevention of major adverse cardiovascular events – a secondary analysis of the PEGASUS-TIMI 54 trial. JAMA Cardiol 2016; 1: 425–32.

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