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Flüchtlingsdiskussion: Brandgefährlich

Dtsch Arztebl 2016; 113(40): A-1727 / B-1459 / C-1451

Schmedt, Michael

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Michael Schmedt, Stellv. Chefredakteur
Michael Schmedt, Stellv. Chefredakteur

September 2016: Die Situation um die umkämpfte syrische Stadt Aleppo verschärft sich – wieder einmal. Ein UN-Hilfskonvoi kommt nordwestlich der Stadt unter Beschuss. 20 Menschen sterben, 18 von 31 Lkws sind zerstört. Sie hatten Lebensmittel und Güter zur medizinischen Versorgung geladen. Ein paar Tage später geraten wieder Krankenhäuser im Ostteil Aleppos unter Beschuss. Der WHO zufolge sollen nur noch 30 Ärzte in sechs noch funktionstüchtigen Krankenhäusern in Ost-Aleppo medizinische Hilfe leisten. Das Mitte des 19. Jahrhunderts geschlossene Genfer Abkommen, das als erster völkerrechtlicher Vertrag, der den Schutz von Verwundeten, die Neutralität des Sanitätspersonals und das Rote Kreuz als Schutzzeichen zum Gegenstand hat, wird Tag für Tag gebrochen.

„Die Lage ist herzzerreißend und macht einen wütend“, sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen zählt allein für das vergangene Jahr 94 Angriffe auf von ihr unterstützte Krankenhäuser. Ost-Aleppo ist für die Hilfsorganisation inzwischen „zu einer gigantischen Todeszone geworden.“ Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, erklärte, wenn sogar die Organisation Ärzte ohne Grenzen ihre mutigen Mitarbeiter zurückziehe, sei dies ein deutliches Zeichen für diese Taktik der Konfliktparteien. Und Außenminister Frank Walter Steinmeier (SPD) brachte es auf den Punkt: „Wer Terroristen bekämpfen will, der greift keine Krankenhäuser an.“ Die vielbeschworene Internationale Gemeinschaft ist ob der „Kriegsverbrechen“, wie UN-Generalsekretär Ban Ki-moon die Bombardierungen der Krankenhäuser nannte, machtlos. Machtlos wohl auch deshalb, weil UN-Vetomächte an der syrischen Katastrophe nicht unbeteiligt sind.

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Szenenwechsel: Während es in Syrien ums nackte Überleben geht, führen in Deutschland beim Thema Flüchtlinge die Demagogen das Wort, wie Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) Politiker der Alternative für Deutschland (AfD) nannte. „Durch die sogenannte Flüchtlingskrise droht die Finanzierung unseres Gesundheitswesens zu kollabieren“, liest man auf der Facebook-Seite der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry. „Da ein Großteil der Migranten nicht sozial­ver­sicherungs­pflichtig beschäftigt ist, sind die verursachten Kosten nur unzureichend gedeckt“, heißt es weiter. Eine einfache wie falsche Argumentation, die vor allem Ängste schürt – denn die Botschaft Petrys, die in der Bevölkerung ankommt, lautet: Die Krankenkassenbeiträge steigen, die gesundheitliche Versorgung ist in Gefahr und die Schuldigen sind die Flüchtlinge.

Dass die Unterfinanzierung der Krankenkassenbeiträge von Hartz-IV-Empfängern nicht durch Flüchtlinge entsteht, sondern weil die Beiträge der Bundesagentur für Arbeit nicht ausreichen, darauf wiesen Ärzte und Krankenkassen umgehend hin. Schon lange fordern sie, die Pauschale für Hartz-IV-Empfänger zu erhöhen – von 90 auf 140 Euro. Aber auch das ginge nicht zulasten der Kassen und damit der Beitragszahler, denn der Bund müsste dies aus Steuermitteln finanzieren.

Auf dem Rücken der Schwachen, die aus zerbombten Städten geflüchtet sind, lässt sich mit Halbwahrheiten einfach Politik machen. Daher müssen solche Halbwahrheiten richtig gestellt werden. Staatliche Mehrbelastungen aufgrund des Flüchtlingsstroms sind unstrittig. Aber deshalb einen Kollaps des Gesundheitswesens vorherzusagen, ist nicht nur falsch, es ist vor allem brandgefährlich. Die Anschläge auf Flüchtlingsheime machen dies deutlich.

Michael Schmedt
Stellv. Chefredakteur

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Avatar #719208
zydecolink
am Freitag, 4. November 2016, 15:03

die Diskussions- und Streitkultur in Deutschland

Ach wie nett: Jetzt jammert ausgerechnet der Hetzer-Schaetzler über die Diskussions- und Streitkultur in Deutschland :-);
ausgerechnet der notorisch aggressive Streithahn versucht sich plötzlich als Saubermann und mahnt die guten Sitten an.
Einer, der einen anderen Bürger zunächst "Hetzer" und "Dumpfbacke" nennt und damit das Kriegsbeil ausgegraben hat, braucht sich nachträglich nicht wundern, daß er für seine Attacke was aufs Schandmaul pardon: auf den schmierigen Hut bekommt.
Schaetzler, merken Sie sich eines:
Ich war früher Deutscher Studentenmeister im Boxen (in der Schwergewichtsklasse) und habe dabei u.a. gelernt, daß ich einen Fight nur gewinnen kann, wenn ich mehr und besser treffe als mein Gegner.
Egozentrische "Größen" wie Sie sollten die Regel eigentlich kennen, weil sie nicht nur im Boxsport, sondern allgemein im Leben anwendbar und nützlich ist.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 4. November 2016, 12:47

Herzliche Bitte an die DÄ-Redaktion!

Lassen Sie den Kommentar von "zydecolink" bitte so stehen , wie er geschrieben wurde, und löschen Sie ihn bitte nicht! Kaum eine Veröffentlichung demonstriert besser, an welchen Abgründen die Diskussions- und Streitkultur in Deutschland steht.
Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #719208
zydecolink
am Donnerstag, 3. November 2016, 13:59

von der hetzenden anonymen Dumpfbacke an den Pinscher T.-G.S., , der überall seine Duftmarken setzt.

Sie Kleiner 08/15 Dienstleister T.-G. Schaetzler, wer hier der tumbe Hetzer ist, wollen wir mal ein wenig klarstellen:
1.) Die „Dumpfbacke“, der Sie hier eine Entgegnung geschrieben haben, hat ein akademisches Studium an einer Technischen Hochschule absolviert, das einem Medizinstudium (nicht nur von der Dauer her) in nichts nachsteht. Es handelte sich dabei auch noch um ein Studium der Wirtschaftswissenschaften und so benötigt diese „Dumpfbacke“ keine Belehrung in Sachen Makroökonomie und auch nicht über die Kosten der Gesundheitsversorgung. Jedenfalls nicht von einem T.-G. Dampf-Schaetzler in allen Gassen, der offensichtlich meint, so kompetent zu sein, daß er zu jedem und allem seine Duftmarke setzen muß. Die Zahl Ihrer dünnflüssigen und hetzerischen Absonderungen in diesem und anderen Fachorganen sprechen Bände. Ein Psychoanalytiker mag ergründen, warum jemand immerfort so sehr narzisstisch auftreten muß, daß er als penetrant erscheint. Hatte Ihre Mutter Sie so wenig lieb?
2.) Sie schreiben völlig unsubstantiiert, ich befände mich im Dunstkreis von AfD und Pegida und hätte gegen die Hartzer gehetzt. Lesen Sie meinen Kommentar noch mal, falls Sie es beim ersten Mal nicht gerafft haben sollten: Ich habe weder die AfD noch die Harzer mit irgendeinem Wort (auch nicht indirekt) erwähnt, und lege Ihnen nahe, Ihre Aussage entweder mit Fundstellen zu belegen oder aber Ihre überbordende Phantasie zu zügeln.
3.) Zu Ihrer kognitiven bzw. intellektuellen Begrenztheit gehört nicht nur, meine Aussagen zu verfremden, Sie tragen auch noch plakativ dick auf, ich sei ein „anonymer Schreiber“. Für jemanden, der sich selbst prahlerisch als „detektivischen Diagnostiker“ beschreibt, sollte es ein Leichtes sein, herauszufinden, daß ich völlig offen auftrete und alles andere als ein anonymer Feigling bin. Alleine zwei Mausklicks hätten Lieschen Müller genügt, um meine Identität mit Klarnamen herauszufinden. Zudem bin ich so anonym, daß 1,35 Milliarden Menschen auf der Welt freien Zugang zu meiner Facebookseite haben.
4.) Mit keinem Ihrer Argumente sind Sie auch nur andeutungsweise auf meine sachliche Aussage eingegangen, zu beschreiben, wo das Geld für den Gesundheitsversorgung letztlich herkommt. Sie legen dabei eine ähnliche intellektuelle Begrenztheit an den Tag wie Leute, die behaupten, der Strom käme aus der Steckdose. Noch mal für den, der vor lauter ideologischer Verblendung kognitive Probleme hat: Es ist völlig egal, ob die Patienten den linksorientierten Allgemeinarzt direkt zahlen oder über Krankenkassenbeiträge oder in Form von Subventionen, die der Staat ihnen in Form von Steuern und Abgaben abknöpft!
Alles in allem gebe Gott, daß ich einem Arzt wie Ihnen niemals in die Hände fallen möge. Typen, die allen Ernstes ihre Arbeitsbelastung als Grund für das Scheitern ihrer Ehe benennen.
Von dort ist es dann nicht weit bis dahin, daß ein Arzt einen Blasenkrebspatienten wochenlang wg. Blaseninfektion mit Antibiotika zu therapieren versucht. Aber so, wie wir Sie kennengelernt haben, werden Sie werden behaupten wollen, daß Ihnen keine diagnostischen Fehler passieren!
Alles in Allem Schaetzler: Si tacuisses, philosophus mansisses!
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 31. Oktober 2016, 22:21

Der anonyme Kommentar von...

"zydecolink" zeigt nur auf, welche "Dumpfbacken" im Dunstkreis von AfD & Co. unterwegs sind. Sie geben vor, sich für die kleinen Leute, die Abgehängten und Chancenlosen einzusetzen. In Wahrheit hetzen sie undifferenziert gegen a l l e Hartz-4-Empfänger, ALG-I und -2-Bezieher, egal wo diese herkommen. Denn die Steuerfinanzierung mit wirklich nicht kostendeckender Krankenkassen-Finanzierung gilt für die große Mehrheit der deutschen Empfängern von steuerlich finanzierten Transfer-Leistungen.

Außerdem sind anerkannte Asylbewerber, Flüchtlinge und Migranten die Steuerzahler von morgen. Eine hervorragende Einschätzung von Michael Schmedt vom Deutschen Ärzteblatt!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler
Avatar #719208
zydecolink
am Samstag, 29. Oktober 2016, 17:23

So logisch wie der Bundesjustizzwerg

Sie sind nicht nur ein Hetzer gegen eine Partei, die mittlerweile mindestens so viel Zuspruch hat wie die Grünen oder die Sozen, Sie sind offensichtlich auch noch in volkswirtschaftlichen Belangen ahnungslos.
Alleine ein einziger Satz zeichnet Sie als wirtschaftlich unterbelichteten Demagogen aus.
Im Zusammenhang mit der Erhöhung der Beitragszahlen der Bundesagentur für Arbeit für die Hartzer schreiben Sie wörtlich:
„Aber das ginge nicht zulasten der Kassen und damit der Beitragszahler, denn der Bund müßte dies aus Steuermitteln finanzieren“.
Das ist die gleiche Logik des Bundejustizgnoms, der behauptet, dem Volk sei wegen der Immigranten nichts weggenommen worden.
Auch Sie scheinen nicht zu raffen, daß der Bund selbst a priori kein Geld hat, sondern lediglich das ausgeben kann, was man den Bürgern zunächst in Form von Steuern abknöpft, also direkt oder indirekt von den Beitragszahlern.

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