ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2016Brachytherapie bei Uvealmelanomen: Risikofaktoren für Visusverlust identifiziert

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Brachytherapie bei Uvealmelanomen: Risikofaktoren für Visusverlust identifiziert

Dtsch Arztebl 2016; 113(41): A-1812 / B-1528 / C-1518

Gerste, Ronald D.

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Melanome der Uvea (Aderhaut, Iris, Ziliarkörper) gehören zu den vital bedrohlichsten Malignomen im Augenbereich und erforderten früher fast immer eine Enukleation des Auges. Eine Brachytherapie kann dies häufig verhindern, allerdings zum Preis funktioneller Einbußen: In der Collaborative Ocular Melanoma Study hatten 3 Jahre nach Bestrahlung mit Hilfe auf den Bulbus aufgebrachter Plaques nur 43 % der Patienten eine Sehschärfe von > 20/200, also > 10 %.

Eine Autorengruppe des Cole Eye Institute an der Cleveland Clinic, Ohio, hat 311 Patienten nachbeobachtet, um Risikofaktoren für einen Visusverlust als Folge der Strahlentherapie zu ermitteln. Die Patienten mit einem Durchschnittsalter von 62 Jahren hatten wegen Uveamelanomen eine Brachytherapie entweder mit Ruthenium106 oder mit Jod103 erhalten. Nach durchschnittlich 3 Jahren zeigte sich, dass weder das Geschlecht, noch das Vorliegen von Diabetes mellitus oder Bluthochdruck mit einem schlechten funktionellen Ergebnis assoziiert waren. Risikofaktoren für eine Visusreduktion auf weniger als 20/200 waren dagegen höheres Lebensalter, großer Tumordurchmesser zu Beginn der Therapie (Hazard Ratio [HR]: 1,25; 95-%-Konfidenzintervall [KI]: 1,16–1,36; p < 0,01), eine höhere Strahlendosis an der Fovea (HR: 1,03; 95-%-KI: 1,01–1,04; p = 0,001) und eine vergleichsweise hohe Strahlendosis am Sehnervenkopf (HR: 1,01; 95-%-KI: 1,00–1,01; p = 0,005). Beim Durchschnitt des Kollektivs lag die Strahlenbelastung der Fovea bei 58,4 Gy, die des Sehnerven bei 31,5 Gy.

Bei Patienten, die mit einem Visus von nur 20/50 oder weniger zur Therapie kamen, war die Wahrscheinlichkeit, am Ende weniger als 10% zu sehen, um 85 % höher als bei initial besserem Visus.

Fazit: „Diese Studie zeigt, dass die Größe und Lage des Tumors im Auge, aber auch das Alter der Patienten prognostisch wichtig in Bezug auf den Visuserhalt nach Brachytherapie beim Aderhautmelanom sind“, kommentiert Prof. Dr. med. Nikolaos E. Bechrakis, Direktor der Universitätsaugenklinik Innsbruck. Allerdings müssten dazu noch Daten weiterer Arbeitsgruppen validiert werden.

Dr. med. Ronald D. Gerste

Aziz HA, et al.: Vision loss following episcleral brachytherapy for uveal melanoma. JAMA Ophthalmol. 2016; 134: 615–20.

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