KULTUR

Dr. med. Maurus Fischer: Leben zwischen Musik und Medizin

Dtsch Arztebl 2016; 113(41): A-1824 / B-1538 / C-1526

Spielberg, Petra

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Der niedergelassene HNO-Arzt Dr. med. Maurus Fischer ist mit Leib und Seele Arzt und zugleich leidenschaftlicher Musiker und hat es auf beiden Gebieten zu Erfolg gebracht. Ende September startete Fischer mit der Band Kings of Floyd seine Deutschlandtournee.

Foto: Günter Minard
Foto: Günter Minard

Bei vielen ruft die Musik von Pink Floyd Jugenderinnerungen wach und steht auch heute noch für ein ganz besonderes Lebensgefühl. Für Dr. med. Maurus Fischer ist sie weitaus mehr. Man kann fast schon sagen, sie ist ein Teil seines Lebens. Denn der niedergelassene HNO-Arzt aus Mönchengladbach hat sich im Dezember 2011 einen langgehegten Wunsch erfüllt und eine Pink-Floyd-Tribute-Band gegründet, die „Kings of Floyd“ .

Zusammen mit sechs anderen Musikern steht Fischer seither als Gitarrist auf der Bühne, um in großen Konzerthallen Deutschlandweit den unverwechselbaren Pink-Floyd-Sound wiederzubeleben. Bis auf Fischer sind alle Bandmitglieder Profimusiker. Dennoch muss sich der 58-Jährige „part-time”-Gitarrist kein bisschen hinter seinen Kollegen verstecken. Denn auch er blickt – trotz seiner erfolgreichen Medizinerlaufbahn – auf eine ebenso erfolgreiche wie bewegte Musikerkarriere zurück.

„Die Musik wurde mir in die Wiege gelegt“, sagt Fischer. Schon als Kind erhielt er Klarinettenunterricht, bevor er die Liebe zur Gitarre entdeckte und sich die Beherrschung des Instruments im Selbststudium aneignete – allerdings mit Hilfe hochkarätiger Gitarrenlehrer wie dem Gitarristen Martin Gorenz, der für Udo Lindenberg sowie Al Bano und Romina Power spielte.

Zwei Seelen in der Brust: Maurus Fischer (oben Mitte) auf Deutschlandtournee mit den Kings of Floyd und (unten Mitte) mit Kollegen bei einem Fortbildungsprojekt in Tadschikistan. Fotos: privat
Zwei Seelen in der Brust: Maurus Fischer (oben Mitte) auf Deutschlandtournee mit den Kings of Floyd und (unten Mitte) mit Kollegen bei einem Fortbildungsprojekt in Tadschikistan. Fotos: privat

Während ihn jedoch die Musik von Kindesbeinen an begleitete, kam Fischer zur Medizin erst auf Umwegen. „Ich habe zunächst eine Goldschmiedelehre absolviert, da mein Vater Goldschmiedemeister war und den Wunsch hatte, dass ich in seinen Betrieb einsteige“, berichtet der HNO-Arzt. Während seines Zivildienstes, den er in einem Krankenhaus ableistete, wurde ihm jedoch klar, dass er lieber als Arzt arbeiten wollte.

Fischer holte daraufhin sein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nach und begann 1985 an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf mit dem Studium der Humanmedizin. „Eigentlich wollte ich Neurochirurg werden“, erzählt er. Doch letztlich entschied er sich aufgrund der Vielfalt des Faches für die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, wo er sich schließlich auf die spezielle Mikrochirurgie des Ohres spezialisiert hat. „Das manuelle Geschick, das ich in meiner Goldschmiedelehre erworben habe, hat mir dabei durchaus geholfen“, so Fischer.

Die Musik begleitete ihn dabei weiter. „Im Grunde wohnen zwei Seelen in meiner Brust“, sagt der HNO-Arzt. Und so kam es, dass er neben seiner medizinischen Ausbildung in seiner Freizeit stets in diversen Bands im Ruhrgebiet, Münsterland und Rheinland spielte.

Eines Tages wurde dann der schwarze amerikanische Saxophonist, Sänger, Komponist und Sohn des legendären Posaunisten von Louis Armstrong und Duke Ellington, Tyree Glenn Junior, auf ihn aufmerksam. „Das war Anfang der 1990er Jahre während meiner Zeit als Arzt im Praktikum im Evangelischen Krankenhaus in Mettmann“, erinnert sich Fischer. „Tyree Glenn Junior suchte einen Gitarristen für seine Band und so bin ich bei ihm eingestiegen“, berichtet er.

Manuelles Geschick: Maurus Fischer unterrichtet tadschikische Ärzte in Mittelohrchirurgie.
Manuelles Geschick: Maurus Fischer unterrichtet tadschikische Ärzte in Mittelohrchirurgie.

Ein Jahr lang verabschiedete sich Fischer daraufhin aus der aktiven Medizin und tourte mit dem berühmten Jazzmusiker und seiner Band durchs In- und Ausland. Dennoch hat ihn die Medizin in dieser Zeit nicht völlig losgelassen. Unter der Ägide des Medizinhistorikers Prof. Dr. med. Hans Schadewald trieb Fischer seine Promotion über das Wirkprofil der Cava-Wurzel voran.

„Tagsüber arbeitete ich an meiner Doktorarbeit und abends habe ich Musik gemacht“, fasst Fischer diese Phase seines Lebens zusammen. Nach einem Forschungsaufenthalt in Fidschi erhielt er seinen Doktortitel und wandte sich dann auch wieder dem Medizinbetrieb zu. „Ich wollte mich nicht nur auf die Musik beschränken, da mir die Medizin auch viel Spaß gemacht hat und so bin ich wieder in den Arztberuf eingestiegen“, erklärt der 58-Jährige.

Von 1995 bis 1998 absolvierte er zunächst seine Facharztweiterbildung an den St. Antonius Kliniken in Wuppertal, bevor er dann elf Jahre lang als Assistenz- und Leitender Oberarzt an verschiedenen Einrichtungen tätig war. Während dieser Zeit war er auch mehrmals für die Deutsche Cleft Kinderhilfe tätig, um mit seinem Fachwissen zur Behebung von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten von Kindern in Vietnam und Tadschikistan beizutragen.

Besonderen Spaß hat ihm dabei gemacht, in Tadschikistan Kollegen in der Mittelohrchirurgie auszubilden, da die Ärzte dies dort während ihrer Ausbildung nicht lernen. Dennoch blickt er auch mit Bedauern auf diese Zeit zurück. „Es war für mich frustrierend zu sehen, dass die dringend erforderliche Nachsorge in der Regel nicht erfolgte und auch in welchem Maße die Korruption bei der Vergabe von Behandlungsterminen in einem solchen Land eine Rolle spielt.“

Auch der Spagat zwischen der Medizin und der Musik gestaltete sich während seiner Tätigkeit als Krankenhausarzt nicht immer einfach. „Es gab ab und an Reibereien mit Kollegen oder es kam ein gewisser Neid auf, wenn bei der Dienstplanerstellung Rücksicht auf meine Konzerttermine genommen werden musste“, erzählt Fischer.

Dieses Dilemma besteht inzwischen nicht mehr. Denn seit Januar 2010 ist der HNO-Arzt zusammen mit seinem Kollegen Dr. med. Peter Löhmer als niedergelassener Arzt in der Praxisklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde am Bethesda Krankenhaus Mönchengladbach tätig. „Das gibt mir mehr Freiheiten für meine Auftritte und zugleich habe ich so die Möglichkeit, sowohl ambulant als auch stationär als Belegarzt zu arbeiten“, sagt Fischer.

Professionelles Niveau erreicht auch sein Gitarrespiel.
Professionelles Niveau erreicht auch sein Gitarrespiel.

Der Praxisalltag lässt ihm zudem noch ausreichend Zeit zum Proben. Denn musikalisches Talent allein reicht nicht, um dauerhaft auf einem derart professionellen Niveau spielen zu können. „Tägliches Üben muss schon sein, um die Fingerfertigkeit an der Gitarre nicht zu verlieren“, sagt Fischer. Für seine Frau ist das kein Problem. Denn sie ist die Sängerin der „Kings of Floyd“ und teilt damit die Leidenschaft ihres Mannes für die Musik. Bis Ende des Jahres steht diese sogar wieder ganz im Mittelpunkt ihres gemeinsamen Lebens. Denn ab Ende September geht es mit der Band auf Deutschlandtournee (www.kingsoffloyd.com).

Petra Spielberg

Anzeige

    Leserkommentare

    E-Mail
    Passwort

    Registrieren

    Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

    Fachgebiet

    Zum Artikel

    Alle Leserbriefe zum Thema

    Login

    Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

    E-Mail

    Passwort

    Anzeige