ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2016GOÄ-Ratgeber: Injektions- und Infiltrationsleistungen – Erläuterungen

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GOÄ-Ratgeber: Injektions- und Infiltrationsleistungen – Erläuterungen

Dtsch Arztebl 2016; 113(44): A-2004 / B-1680 / C-1664

Heck, Beate

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Injektions- und Infiltrationsleistungen sind in der Gebührenordnung für Ärzte im Kapitel C II. aufgeführt.

Die Injektionsleistungen nach den Nrn. 252 – 258 GOÄ werden danach unterschieden, in welches Zielgewebe oder Organ die Injektion eines Medikamentes erfolgt. Die Infiltrationen nach den Nrn. 267 und 268 GOÄ hingegen beschreiben eher eine in der Regel fächerförmige Verabreichung eines Medikamentes in eine oder mehrere Körperregionen.

Als weiteres Abgrenzungskriterium beider Prozeduren kann das Wirkprinzip des Medikamentes angesehen werden. Wird eine lokale Wirkung eines Medikamentes erzielt, handelt es sich zumeist um eine Infiltration. Bei den Injektionen wirkt das Medikament in der Regel nicht direkt am Ort der Medikamentenapplikation. Das Gewebe, in das das Medikament injiziert wird, dient zum Beispiel bei der subkutanen Injektion nur als Resorptionsort. Beispiele für den Resorptionsort „subkutan“ sind: Die subkutane Injektion von Heparin zur Vermeidung von thromboembolischen Komplikationen oder die subkutane Verabreichung von Insulin oder Morphin.

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Infiltrationen einer oder mehrerer Körperregionen sind in der GOÄ mit den Nrn. 267 oder 268 abgebildet. Werden Infiltrationen in einer Körperregion durchgeführt, ist die Nr. 267 GOÄ anzusetzen. Erfolgt in dieser Körperregion die Infiltrationstherapie beidseits, ist nicht Nr. 267 sondern Nr. 268 GOÄ anzuwenden. Dies ergibt sich aus der Formulierung „auch eine Körperregion beidseitig“ in der Leistungslegende. Wie aber ist eine Körperregion definiert? Zu dieser Frage macht die GOÄ keine konkreten Angaben, so dass eine Orientierung an den gängigen Kommentaren zur GOÄ erfolgen kann. In dem Kommentar zur GOÄ nach Brück heißt es: „Von einer weiteren Körperregion kann immer dann ausgegangen werden, wenn diese Region soweit getrennt von der ersten Behandlungsregion liegt, dass nicht von einem einheitlichen Infiltrationsgebiet gesprochen werden kann.“ Die gleiche Einschätzung wird vom Kommentar zur GOÄ nach Hoffmann vertreten. Ein Beispiel: Eine Infiltration im HWS- und im BWS-Bereich ist mit Nr. 268 GOÄ zu berechnen. Nach den obigen Ausführungen ist Nr. 268 GOÄ auch dann zu berechnen, wenn Infiltrationen zum Beispiel im LWS-Bereich sowohl links- als auch rechtsseitig erfolgt sind oder wenn zwei Extremitäten behandelt wurden. Häufig werden Kombinationen eines Medikamentes mit einem Lokalanästhetikum verabreicht. Finden Lokalanästhetika Anwendung, können anstelle der Nrn. 267 und 268 GOÄ – jedoch für dieselbe Infiltrationsleistung nicht daneben – die Nummern 490 und 491 GOÄ in Ansatz gebracht werden. Eine Nebeneinanderberechnung der Nrn. 267 und 268 GOÄ ist nicht möglich. Werden mehr als zwei Körperregionen infiltriert, kann der Mehraufwand durch die Wahl eines erhöhten Steigerungssatzes bei der Nr. 268 GOÄ abgegolten werden. Dr. med. Beate Heck

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