ArchivDeutsches Ärzteblatt23/1996Antidepressive Therapie mit Paroxetin: Verkehrssicherheit ist gewährleistet

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Antidepressive Therapie mit Paroxetin: Verkehrssicherheit ist gewährleistet

Henning, Gabriele

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LNSLNS Entscheidend bei der Wahl eines Antidepressivums sind auch Belange der Verkehrs- und Arbeitssicherheit. Bei sedierenden oder die psychomotorische Leistungsfähigkeit reduzierenden Medikamenten ist sie meist nicht gewährleistet. Eine Pharmakotherapie von depressiven Störungen erfolgt häufig ambulant, und die Patienten sind den üblichen Erfordernissen des Alltages ausgesetzt. In verschiedenen Studien zeigte sich der neue selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Paroxetin (Seroxat®, SmithKline Beecham) diesbezüglich klassischen Trizyklika überlegen, ohne daß dabei Einbußen in der Wirksamkeit hinzunehmen sind.
Ziel einer randomisierten Doppelblindstudie des TÜV Rheinland (1994) mit gesunden Probanden im Alter zwischen 37 und 60 Jahren war es, den Einfluß von Paroxetin (1 x 20 mg/d) und eines trizyklischen Antidepressivums (2 x 50 mg/d) im Vergleich zu Plazebo auf die Verkehrssicherheit zu überprüfen.
Im Verlauf der 21tägigen Einnahmeperiode wurden an fünf Tagen validierte psychomotorische Leistungstests zur Feststellung der optischen Orientierung, der Dauerkonzentration, der Vigilanz, der Reaktionsgeschwindigkeit und der motorischen Koordination sowohl unter Streß- als auch unter Monotoniebedingungen durchgeführt. Gleichzeitig wurden als subjektive Parameter einer eingeschränkten Verkehrs- und Arbeitssicherheit etwaige Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Schwindel und Sehstörungen erfragt.
Um zu klären, inwieweit die Studienmedikation die Auswirkungen eines mäßigen Alkoholkonsums verstärkt, mußten die Probanden am zwanzigsten Tag der Untersuchung sämtliche Leistungstests unter einem Blutalkoholgehalt von 0,59 Promille absolvieren.
Während die Ergebnisse in den objektiven Leistungstests unter Paroxetin ähnlich gut wie unter Plazebo waren, schnitten demgegenüber die Trizyklikum-Probanden bezogen auf Vigilanz, Reaktionsgeschwindigkeit, motorische Koordination und Dauerkonzentration signifikant schlechter ab. Unter Alkoholeinfluß verringerten sich erwartungsgemäß die Leistungen, doch fiel auch dabei kein Unterschied zwischen der Paroxetin- und der Plazebogruppe auf. Der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer verstärkt also offensichtlich nicht die Wirkung von Alkohol, während sich in der vorliegenden Studie zumindest tendenzielle Hinweise für eine Verstärkung des Effektes von Alkohol durch das trizyklische Antidepressivum ergaben.


Alternative
Die in dieser Untersuchung überprüften und von Paroxetin nicht nennenswert beeinträchtigten psychomotorischen Leistungen sind auf vielfältige Weise auch im beruflichen Alltag – zum Beispiel beim Bedienen von Maschinen und im Straßenverkehr – gefordert. Der neue selektive SerotoninWiederaufnahmehemmer Paroxetin bietet sich deshalb auch gerade im Interesse der Verkehrs- und Arbeitssicherheit als günstige antidepressive pharmakologische Alternative an. Gabriele Henning

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