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Digitale Arbeitswelt: Selbstbewusst ist intelligent

Dtsch Arztebl 2016; 113(44): A-1951 / B-1639 / C-1627

Maibach-Nagel, Egbert

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Egbert Maibach-Nagel, Chefredakteur
Egbert Maibach-Nagel, Chefredakteur

Vom 30. Oktober bis zum 5. November befasst sich die ARD mit dem Thema „Zukunft der Arbeit“. Auftakt waren ein science-fiction-lastiger Tatort über Künstliche Intelligenz (KI) und eine unersprießliche, weil in weiten Teilen unsachlich laute Diskussion bei Anne Will, ob und inwieweit KI oder Roboter Menschen in der künftigen Arbeitswelt ersetzen werden.

Was den medizinischen Berufsstand angeht, schätzt das der von der ARD vorab interviewte Oberarzt am Evangelischen Klinikum für Herz- und Gefäßchirurgie in Duisburg, Dr. med. Andreas Beckmann, zuversichtlich ein: „Bereits heute bieten Technologien wie etwa die Telemedizin neue Möglichkeiten für die medizinische Versorgung von Patienten. Hierbei gilt es jedoch zu berücksichtigen, dass der persönliche Arzt-Patienten-Kontakt mit seiner komplexen Interaktion bis heute durch kein digitales Medium ersetzbar ist.“ Bis heute – und in Zukunft?

Es mangelt zumindest nicht an internationalen Warnern, meist Digital-Fachleute, die einzelne medizinische Fachberufe – auch Ärzte – schon in den kommenden Jahrzehnten durch Datentechnik und Maschinen abgelöst sehen. Das Feld ist komplex und unüberschaubar, es reicht von operativ-maschinellen Hilfen über Infodatenbanken bis zu Robotern und lernenden Systemen, die perspektivisch drohen, selbst Fachärzte überflüssig werden zu lassen. Schöne neue Welt?

Hartmannbund und Marburger Bund widmen zumindest Teile ihrer diesjährigen Hauptversammlungen genau dem Themenkreis um E-Health und Digitalisierung der Medizin und deren Folgen für den Arztberuf. Angesichts allgegenwärtig propagierter Möglichkeiten, Chancen und Risiken von Künstlicher Intelligenz und Robotern ist es Aufgabe berufsständischer Organisationen, das Feld auszuloten.

Richtig ist, dabei den Sachgehalt dessen, was unternehmerisch motivierte, marketing-beseelte Protagonisten tagträumen, mit intellektuellem Sachverstand zu prüfen und nur das anzuwenden, was der Medizin und den Patienten nutzt.

Von der elektronischen Gesundheitskarte über digital gesteuerte Maschinen bis zu lernfähigen Avataren reicht das vorstellbare Einsatzfeld für Informationstechnik, Telemedizin, aber auch für digitale Medizintechnologie. Es gilt, die Möglichkeiten auf ihre jeweilige Wirkung abzuklopfen: Handelt es sich um Technik, die automatisierte oder emotional gesteuerte soziale Interaktionen steuern sollen? Perfektioniert ein Automat ein medizinisches Ergebnis oder ersetzt er menschliche Zuwendung?

Es macht in der Pflege, letztlich auch in der medizinischen Therapie einen gewaltigen Unterschied, ob mir ein Automat beim Laufen hilft oder ich den täglichen Pflegekontakt, also mir zuteil werdende Fürsorge, durch programmierte Roboter mit abgespulter Mimik erfahre. Sicher: Künstliche Hunde und Robben sind, so zeigen zumindest erste Erfahrungen in japanischen Altenheimen, besser als gar keine Zuwendung. Aber es ist und bleibt eine Frage von Ethik und Kultur, wie wir mit Hilfsbedürftigen umgehen.

Letztlich wird es ein Unterschied bleiben, ob Intelligenz „selbst bewusst“, also mit eigenem Antrieb inter-agiert oder aus einem Repertoire vorprogrammierter Möglichkeiten schöpft. Hier, so heißt es, liegen noch lange die Grenzen dieser Technik, ein klarer Vorteil ärztlicher Kunst gegenüber Künstlicher Intelligenz.

Egbert Maibach-Nagel
Chefredakteur

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