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Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung: Erste Eckpunkte liegen vor

Bühring, Petra

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Ein wissenschaftliches Studium der Psychotherapie, das mit Staatsexamen und Approbation abschließt. Hierzu legt das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium Eckpunkte vor. Das wichtige Thema der Weiterbildung wird indes (noch) ausgeklammert.

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) schließt sich mit den vorliegenden Eckpunkten zur Novellierung der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung weitgehend den Forderungen des 25. Deutschen Psychotherapeutentags (DPT) im November 2014 an, der sich für die sogenannte Direktausbildung ausgesprochen hatte. Vorgesehen ist jetzt ein fünfjähriges wissenschaftliches Hochschulstudium der Psychotherapie, das mit Staatsexamen und Approbation abschließt und „gezielt auf die berufliche Ausübung der heilkundlichen Psychotherapie zugeschnitten“ ist. Damit soll unter anderem das Problem der Zugangsvoraussetzungen zur Ausbildung behoben werden, denn viele Bundesländer erkennen inzwischen bereits den geringer qualifizierten Bachelor für die Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten an.

Details zur Ausbildung

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Das BMG befasst sich in den Eckpunkten ausschließlich mit den Details eines Psychotherapiestudiums oder Ausbildung. Dieses soll an einer Universität oder „gleichgestellten Hochschule“ absolviert werden. Es ist unterteilt in zwei Studienabschnitte nach der Struktur von Bachelor und Master: Im ersten Abschnitt (1. bis 3. Jahr) werden grundlegende psychologische, psychotherapeutische und wissenschaftliche Kompetenzen erworben; im zweiten Abschnitt (4. bis 5. Jahr) sollen vertiefte psychotherapeutische, versorgungsrelevante und wissenschaftliche Kompetenzen erworben werden. Das Studium soll mindestens 5 200 Stunden umfassen, aufgeteilt in eine theoretische Ausbildung mit 2 900 Stunden, in der Wissen in Form von Vorlesungen, Seminaren und praktischen Übungen vermittelt wird. Die praktische Ausbildung mit mindestens 2 300 Stunden soll grundlegende praktische Einblicke in den Forschungs- und Klinikalltag, Hospitationen, vertiefende berufsqualifizierende Erfahrungen in psychiatrischen oder psychosomatischen Kliniken unter Anleitung und Aufsicht sowie Kleingruppenangebote zur Supervision und zur Selbstreflektion umfassen. Die Hochschulen sollen dabei sicherstellen, dass grundlegende praktische Kenntnisse in allen wissenschaftlich anerkannten Verfahren gesammelt werden können.

Die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) begrüßt die Eckpunkte: „Sie zeigen, dass das BMG an einer umfassenden Reform des Psychotherapeutengesetzes arbeitet und dabei wesentliche Forderungen von uns aufgreift“, erklärt BPtK-Präsident Dr. rer. nat. Dietrich Munz. Gleichzeitig ließen die Eckpunkte noch Fragen offen: So müsse das Studium nicht nur mit einem Staatsexamen, sondern auch auf Masterniveau abgeschlossen werden, „um künftige Psychotherapeuten in die Lage zu versetzen, wissenschaftliche Erkenntnisse eigenständig in der Patientenversorgung umzusetzen“, fordert Munz.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Maria Klein-Schmeink, kritisiert indes: ,„Der lang angekündigte und immer wieder versprochene Referentenentwurf liegt immer noch nicht vor.“ Es sei unklar, wie die Große Koalition so ihr Reformversprechen bis zu den Wahlen einlösen wolle.

Die Eckpunkte des BMG enthalten bisher keine Regelungen zur Weiterbildung. Auf dem 28. DPT im April in Berlin konkretisierten die Psychotherapeuten ihre Vorstellungen hierzu: Nach dem Hochschulstudium beziehungsweise Staatsexamen und Approbation soll sich eine fünfjährige Weiterbildung anschließen, die eine Spezialisierung entweder für Erwachsene oder für Kinder und Jugendliche vorsieht sowie den Erwerb der Fachkunde in mindestens einem Psychotherapieverfahren. Die Vermittlung dieser Kompetenzen soll von „Weiterbildungsinstituten“ – den derzeitigen Ausbildungsinstituten – organisiert und koordiniert werden. Die Tätigkeit während der Weiterbildung soll künftig auf Facharztniveau vergütet werden – Finanzierungsmodelle müssen indes noch gefunden werden. Erst die Weiterbildung soll zur selbstständigen Tätigkeit als Vertragspsychotherapeut qualifizieren. So sieht es auch das BMG: „Zum Erwerb des Fachkundenachweises mit dem ein Antrag auf Zulassung an der kassenärztlichen Versorgung gestellt werden kann, ist eine verfahrensorientierte und altersgruppenspezifische Vertiefung im Rahmen einer Weiterbildung erforderlich.“

Weiterbildung ermöglichen

„Mit der Reform müssen auch die gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden, dass nicht nur die Ausbildung, sondern auch die Weiterbildung ermöglicht wird“, mahnt BPtK-Präsident Munz. Die Kammer will die Weiterarbeit an der Reform „mit machbaren Lösungen“ unterstützen. Klein-Schmeink kritisiert, dass das zentrale Thema der Weiterbildung „komplett im Dunkeln“ bleibe. „Dabei ist gerade die prekäre finanzielle Situation vieler angehender Psychotherapeuten während dieser Zeit ein zentraler Grund für den Reformbedarf.“

Petra Bühring

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