ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2016Kinder mit Angsterkrankungen: Resiliente Geschwisterkinder

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Kinder mit Angsterkrankungen: Resiliente Geschwisterkinder

PP 15, Ausgabe November 2016, Seite 519

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Die Angsterkrankung eines Kindes hat Einfluss auf seine gesamte Familie. Inwieweit Geschwister und die Geschwisterbeziehung von der Erkrankung beeinträchtigt werden, untersuchten die Psychologen Ryan Jacoby von der University of North Carolina at Chapel Hill (USA) und Laurie Heatherington vom Williams College (Willamstown, USA). Sie verglichen die Befragungsergebnisse von 64 jungen Erwachsenen mit angsterkrankten Geschwistern mit denen von 300 Personen mit nichtbetroffenen Geschwistern. Wie sich zeigte, empfanden sich die Befragten durch die Angsterkrankung des Geschwisters kaum belastet. Auch die Geschwisterbeziehung war gut, trotz der Herausforderungen, die die Erkrankung mit sich brachte. Die geringe Beeinträchtigung der Befragten führten die Autoren auf deren Alter zurück, denn junge Erwachsene seien anders als Kinder gewöhnlich in der Lage, die psychische Erkrankung eines Geschwisters zu verstehen und entsprechend damit umzugehen.

Dennoch wurden die Befragten von der Erkrankung geprägt. Sie passten sich beispielsweise an die Geschwister an, indem sie Sicherheits- und Vermeidungsrituale durchführen, nahmen ständig Rücksicht auf sie und fühlten sich für sie verantwortlich. Darüber hinaus gab es auch Spannungen und Schuldzuweisungen. Manche Befragte brachten zum Beispiel nicht immer Verständnis für das Verhalten ihrer angsterkrankten Geschwister auf. Ihr Unmut wurde zusätzlich durch die Meinung gesteigert, dass die Krankheit unheilbar und kaum beeinflussbar sei und dass die erkrankten Geschwister teilweise absichtlich Probleme bereiteten. Dies betraf aber nur wenige Befragte. „Die meisten Geschwister von Angsterkrankten waren resilient“, sagen die Autoren. Sie empfehlen Aufklärung und Psychoedukation über Angsterkrankungen für die Angehörigen, um falsche Krankheitsmodelle, Schuld- und Verantwortungszuschreibungen zu reduzieren. Außerdem sollten die Angehörigen in die Behandlung der Angsterkrankten einbezogen werden. ms

Jacoby R, Heatherington L: Growing up with an anxious sibling. Current Psychology 2016; 35 (1): 57–68.

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