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ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2016Idarucizumab: Erste Erfahrungen mit dem Antidot

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Idarucizumab: Erste Erfahrungen mit dem Antidot

Mosler, Nana

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Nur für den direkten Thrombininhibitor Dabigatran ist ein spezifisches Antidot verfügbar, das im Fall einer zerebralen Blutung oder Trauma zum Einsatz kommt.

Der direkte Thrombininhibitor Pradaxa® ist seit mehr als sechs Jahren auf dem Markt. Er zeichnet sich durch ein gutes Wirksamkeits- und Verträglichkeitsprofil aus. Zugelassen ist Dabigatran zur Prävention von Schlaganfällen, systemischen Embolien, tiefen Venenthrombosen und Lungenembolien bei Erwachsenen in den Dosierungen 150 mg und 110 mg zweimal täglich. Nach Angaben von Prof. Harald Darius, Berlin, ist Dabigatran das einzige direkte orale Antikoagulanz (DOAK) mit einem spezifischen Antidot, für das bisher nicht nur in der Zulassungsstudie, sondern auch in verschiedenen Register- und Real-World-Daten ein gutes Sicherheitsprofil bestätigt wurde.

„Müssen dringliche Interventionen durchgeführt werden – zum Beispiel bei Patienten unter DOAK’s mit Gallenblasenrupturen, akutem Abdomen, zerebraler Blutung und Unfall – dann ist es sinnvoll, die Antikoagulation sofort abschalten zu können. Das gelingt mit dem Antidot Idarucizumab innerhalb von Minuten“, so Darius. Das humanisierte Antikörper-Fragment (Praxbind®) fängt mit hoher Affinität die Dabigatran-Moleküle im Körper ab und neutralisiert so deren gerinnungshemmende Wirkung, ohne dass es zu prokoagulatorischen Effekten kommt. Somit können auch Notoperationen rasch durchgeführt werden. „Mit dem Antidot erreichen wir ein neues Sicherheitsniveau“, erklärte Darius – vergleichbar mit dem Gurt im Auto.

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Juristische Aufklärungspflicht

Zur Antagonisierung reicht die zugelassene Dosis von 5 g Praxbind® aus, sagte PD Dr. med. Oliver Grottke, Aachen. Einige Firmen arbeiteten an der Entwicklung von Point-of-Care-Devices, um in der Notfallaufnahme zu testen, mit welchem DOAK der Patient behandelt werde. Der zeitliche Vorsprung von Praxbind® wird noch einige Zeit bleiben: Denn Andexanet alfa erwartet man als intravenös zu verabreichendes „Universal-Antidot“ für Rivaroxaban, Apixaban, Edoxaban und Enoxaparin erst in 2018.

Rechtsanwalt Christian Koller, München, erinnerte daran, dass man jeden Patienten bei Einstellung auf einen DOAK darüber aufklären müsse, dass nur für Dabigatran im Notfall das passende Antidot zur Verfügung stehe. Nur so könne der Betroffene anhand des eigenen Risikos (Hobbys) entscheiden, welchen Gerinnungshemmer er wähle.

Aus der Perspektive des Neurologen ist Praxbind® für Prof. Dr. Martin Grond, Siegen, sogar ein „magic bullet“. „Denn bisher hatten wir bei Patienten, die unter Antikoagulation eine Blutung entwickelten, kaum Möglichkeiten, das Risiko für Tod oder schwere Behinderung zu reduzieren.“ Grond präsentierte den Fall eines Patienten, der unter Dabigatran eine Thalamusblutung mit ausgeprägter Hemiplegie entwickelt hatte. „Durch das Antidot Idarucizumab gelang es, die Hämorrhagie zu stoppen, so dass der Patient auf zwei Beinen die Klinik verlassen konnte. Auch Patienten mit ischämischem Insult profitieren von dem Gegenmittel, denn sie können eine Thrombolyse nur erhalten, wenn es gelingt, die Gerinnungshemmung rasch zu neutralisieren.“

Dr. med. Nana Mosler

Quelle: Interdisziplinäres Pressegespräch „Erste Erfahrungen mit dem Pradaxa®-spezifischen Antidot: Praxbind® in der Praxis“ in Frankfurt/Main.
Veranstalter: Boehringer Ingelheim

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