ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2016Arzneimittelgesetz: Pharma-Werbeaktivitäten

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Arzneimittelgesetz: Pharma-Werbeaktivitäten

Dtsch Arztebl 2016; 113(47): A-2163 / B-1791 / C-1768

Lindner, Thomas

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Dem Kommentar ... zum im Grunde unverständlich häufigen Einsatz neuer Medikamente, die keinen Zusatznutzen aufweisen, widerspreche ich: Es lägen ... im Einzelfall möglicherweise Informationen vor, die die Verordnung eines Arzneimittels rechtfertigen, auch wenn es keinen Zusatznutzen erhalten hat. Und: Es gäbe eine ausreichend hohe „intrinsische“ ärztliche Motivation, sich bezüglich neuer Medikamente zu informieren.

Toll, wenn solch eine intrinsche ärztliche Motivation auf die intrinsischen Werbe-aktivitäten von Pharmareferenten trifft: „Herr Doktor, hier sind die Infos meiner Firma, mit denen Sie die wissenschaftlichen Einwände (kein Zusatznutzen) umschiffen können.“ Deutsche niedergelassene Ärzte lassen sich nämlich wesentlich und gern von Pharmareferenten über neue Medikamente informieren (siehe: Dt Arztebl Int [2010] 107:392–398).

Grundsätzlich sollte jeder Arzt, der bevorzugt mit diesen Herstellerinformationen – welche stehen den Niedergelassenen denn sonst noch zur Verfügung? – die Verordnung neuer Substanzen begründet, zu seinen Patienten sagen: „Ich verordne ihnen heute ein neues Medikament, über das verständlicherweise nur ein geringes Wissen vorliegt (weltweit und bei mir persönlich). Dies Wissen ist durch Effekte des publication bias (gute Effekte publizieren, ungünstige Effekte kleinreden oder nicht publizieren) beeinflusst. In der Regel wurden erst 2 000 Patienten damit behandelt, unbekannte unerwünschte Wirkungen sind noch zu erwarten (siehe: Dt Arztebl Int [2012]109: 117 ff.) und der G-BA findet mit Unterstützung neutraler Wissenschaftler keinen Zusatznutzen zu der bisher bekannten Therapie – trotzdem: Sie sollen es erhalten, schließlich ist Medizin mehr, als Studienergebnisse zu berücksichtigen!“

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Die Realität ist: „Sie erhalten heute das Beste und Neueste was auf dem Arzneimittelmarkt zur Verfügung steht. Ich verschließe mich dem Fortschritt nicht und garantiere, dass auch Sie an ihm teilhaben können.“

Drei Parteien: Patienten, Ärzte, Industrie – zwei profitieren von dieser Anordnung und eine Partei trägt – meist ungefragt und uninformiert – das „Fortschrittsrisiko“.

Thomas Lindner, 16761 Hennigsdorf

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