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Mechthilde Kütemeyer †: Realistin, die das Unmögliche forderte

Dtsch Arztebl 2016; 113(47): A-2171 / B-1795 / C-1771

Kretz, Helmut

Mechthilde Kütemeyer, Foto: privat
Mechthilde Kütemeyer, Foto: privat

Die ehemalige Chefärztin der Psychosomatischen Abteilung des St. Agatha Krankenhauses in Köln, Dr. med. Mechthilde Kütemeyer, ist am 8. Oktober im Alter von 77 Jahren plötzlich und unerwartet gestorben. Kütemeyer wurde in ihrem medizinischen Werdegang wesentlich durch ihren Vater geprägt, der nach 1945 die Anthropologische Medizin Viktor von Weizsäckers weiterentwickelte. Kütemeyer studierte Medizin in Heidelberg, wo sie auch aufgewachsen war, und promovierte mit einer Arbeit zur Geschichte der Heidelberger Schule für Anthropologische Medizin. Bei dem Weizsäcker-Schüler Dieter Janz entwickelte sie sich an der Neurologischen Universitätsklinik der Freien Universität Berlin von 1975 an zu einer Protagonistin einer psychosomatischen Neurologie, was sich in einer Fülle von Übersichtsarbeiten und wissenschaftlichen Publikationen zu Angst- und Schmerzsyndromen, Rückenschmerzen und Anfällen niederschlug.

Kütemeyer engagierte sich für eine Aufwertung weiblichen Denkens und Handelns in einer neuen integrierten psychosomatischen Medizin. Herausragend ist ihre erstmalige Übersetzung früher neurologischer Studien Sigmund Freuds über organische und hysterische Lähmungen aus dem Französischen als Grundlagen einer psychosomatischen Neurologie sowie ihre Mitarbeit an der Edition aller zehn Bände der Schriften Weizsäckers. Ihr Engagement für eine sprechende Medizin und ihr innovatives Verständnis für die Zusammenhänge von Biografie und Krankheit bleiben beispielhaft. Dr. med. Helmut Kretz

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