ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2016GOÄ-Ratgeber: Einzelberatung durch eine Diabetesberaterin

PRIVATABRECHNUNG

GOÄ-Ratgeber: Einzelberatung durch eine Diabetesberaterin

Dtsch Arztebl 2016; 113(48): A-2226 / B-1838 / C-1814

Ulmer, Martin

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Einzelberatungen durch entsprechend qualifizierte nichtärztliche Praxismitarbeiterinnen wie beispielsweise Diabetesberaterinnen oder -assistentinnen sind im Rahmen von Disease-Management-Programmen (DMP) für chronisch kranke Patienten schon seit längerem Leistungen der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung. Die Vergütung erfolgt regelmäßig auf der Grundlage von einzelvertraglichen Vereinbarungen zwischen den Krankenkassen und den regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen. In der amtlichen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) sind diese Leistungen bislang jedoch noch nicht abgebildet. Bei den dort enthaltenen Beratungs- und Erörterungsleistungen nach den Nummer 1, 3 oder 34 GOÄ sowie der spezifischen Schulungsleistung nach der Nummer 33 GOÄ (Strukturierte Schulung einer Einzelperson mit einer Mindestdauer von 20 Minuten [bei Diabetes, Gestationsdiabetes oder Zustand nach Pankreatektomie] – einschließlich Evaluation zur Qualitätssicherung unter diabetologischen Gesichtspunkten zum Erlernen und Umsetzen des Behandlungsmanagements, einschließlich der Auswertung eines standardisierten Fragebogens) handelt es sich um ausschließlich ärztliche Leistungen, die nicht an nichtärztliches Praxispersonal delegiert werden können. Dies kommt auch in der hierfür vorgesehenen Vergütung zum Ausdruck.

Lediglich für Gruppenschulungen sieht das Gebührenverzeichnis der GOÄ mit der Nummer 20 (Beratungsgespräch in Gruppen von vier bis zwölf Teilnehmern im Rahmen der Behandlung von chronischen Krankheiten, je Teilnehmer und Sitzung, Dauer mindestens 50 Minuten) eine eigenständige Leistungsposition vor. Diese Beratungsgespräche müssen ärztlich geleitet sein. Dies schließt allerdings nicht aus, dass Teile, insbesondere von Schulungsprogrammen, von entsprechend ausgebildeten nichtärztlichen Praxismitarbeitern unter ärztlicher Aufsicht übernommen werden (vgl. Kommentierung nach Brück et al., Deutscher Ärzte-Verlag, Köln, 2016).

Insoweit besteht für Einzelberatungen eine Regelungslücke, die üblicherweise im Rahmen einer analogen Abrechnung nach der Selbstergänzungsvorschrift des § 6 Abs. 2 GOÄ durch den Ansatz einer nach Art, Kosten- und Zeitaufwand gleichwertigen Leistung des Gebührenverzeichnisses geschlossen werden kann. Allerdings enthält die GOÄ in diesem speziellen Fall keine Gebührenposition, die nach Art der Leistung der Einzelberatung durch eine Diabetesberaterin entspricht. Der unmittelbare Rückgriff auf eine Gesprächsleistung, die regelmäßig vom Arzt höchstpersönlich zu erbringen und entsprechend bewertet ist, ist insoweit nicht möglich.

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Damit diese Leistungen auch Privatpatienten rechtssicher angeboten und mögliche Missverständnisse oder gar Auseinandersetzungen vermieden werden können, sollte deshalb frühzeitig der Kontakt mit der jeweiligen Versicherung oder Beihilfestelle gesucht werden. Deshalb ist es – gerade auch im Hinblick auf die wirtschaftliche Aufklärungspflicht des Arztes – empfehlenswert, die Patienten, ggf. unter Bezug auf die mit den gesetzlichen Krankenkassen regional vereinbarten Leistungsinhalte und Vergütungssätze, an ihre Versicherung beziehungsweise Beihilfestelle zu verweisen, um zu klären, ob und in welchem Umfang die Kosten übernommen werden. Dipl.-Verw.Wiss. Martin Ulmer

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