ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2016Crystal meth: Erstmals fachliche Evidenz

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Crystal meth: Erstmals fachliche Evidenz

Dtsch Arztebl 2016; 113(49): A-2240 / B-1850 / C-1826

Bühring, Petra

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Die weltweit erste S3-Leitlinie zur Behandlung Methamphetaminbezogener Störungen liegt nun vor. Die Konsumenten und ihre Konsummuster sind sehr heterogen. Das Krankheitsbild ist komplex.

Foto: dpa
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„Glaubt man, durch Crystal Meth zunächst zum Heroen zu werden, wird man durch das Suchtpotenzial schnell zum Sklaven – der körperliche Verfall ist dann nur noch eine Frage der Zeit“, sagt der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery. Die synthetische Psychodroge Methamphetamin ist die problematischste Substanz unter den Amphetaminen, denn die Wirkung scheint neurotoxisch, das Suchtpotenzial ist extrem hoch, ebenso die Notwendigkeit, die Dosis zu steigern, um den gewünschten Effekt zu erreichen. Gleichzeitig sind die Konsumenten der illegal hergestellten, kristallinen Substanz (Crystal) und ihre Konsummuster sehr heterogen. Das Krankheitsbild ist komplex: Meist nehmen die Konsumenten das Gesundheitssystem entweder wegen unspezifischer Beschwerden, wie zum Beispiel Zahn- oder Hautproblemen, in Anspruch oder sie werden mit Vergiftungserscheinungen, in psychotischen Zuständen oder starker Erregung in Notaufnahmen eingeliefert.

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Um allen Berufsgruppen im Gesundheitswesen mehr Handlungssicherheit im Umgang mit akut intoxikierten oder abhängigen Patienten zu geben, hat das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) dabei unterstützt, eine Behandlungsleitlinie zu erarbeiten: die weltweit erste S3-Leitlinie „Methamphetamin-bezogene Störungen“. Sie wurde vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin zusammen mit einem interdisziplinär besetzten Expertenpanel erarbeitet.

Interdisziplinäres Vorgehen

„Die S3-Leitlinie richtet sich an alle Berufe in der ambulanten und stationären Suchthilfe, niedergelassene Psychotherapeuten, Mitarbeiter in Nachsorge und Rehabilitation sowie an Selbsthilfeorganisationen“, erklärte Prof. Dr. med. Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank, ärztliche Direktorin an der LVR-Klinik Köln und Beauftragte der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, der federführenden Fachgesellschaft bei der Leitlinienerstellung.

Jährlich werden nach Angaben der Bundesdrogenbeauftragten Marlene Mortler rund 3 000 Menschen wegen ihres Crystal-Meth-Konsums auffällig. Längst begrenzt sich der Konsum der Droge nicht mehr nur wie anfangs auf die grenznahen Regionen zu Tschechien. „Der Konsum von Crystal Meth ist in den letzten Jahren zu einer echten Herausforderung in vielen Regionen geworden. Umso wichtiger ist neben unserer intensiven Präventionsarbeit eine gute medizinische Versorgung der Betroffenen“, betonte Mortler. 500 000 Euro werden nach ihren Angaben pro Jahr von staatlicher Seite für Präventionsprojekte aufgewendet, beispielsweise für das virtuelle Selbsthilfeangebot www.breaking-meth.de.

„Bisher gab es wenig fachliche Unterstützung für die Behandlung von Methamphetamin-bezogenen Störungen, die Behandlung beruhte vor allem auf klinischer Erfahrung“, sagte Dr. med. Josef Mischo, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Sucht und Drogen der BÄK. Für die Erstellung der neuen S3-Leitlinie sei nun die international verfügbare wissenschaftliche Literatur zu dem Thema ausgewertet worden und aus den Ergebnissen 135 Empfehlungen insbesondere für die Akut- und Postakutbehandlung sowie die Behandlung von Begleiterkrankungen und speziellen Patientengruppen erstellt worden.

„Ein besonderes Augenmerk sollte auf psychische Erkrankungen gelegt werden, die den Methamphetamin-Konsum häufig begleiten“, betonte Mischo. Dazu gehören Psychosen, Depressionen, Bipolare Störungen, Posttraumatische Belastungsstörungen, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom oder Angststörungen. Diese Störungen sollten der Leitlinie zufolge in enger Abstimmung mit der Behandlung der Methamphetamin-Abhängigkeit behandelt werden. Der Arzt wies weiter darauf hin, dass Methamphetamin-Konsum zu ungehemmtem Sexualverhalten führen kann, was zu einem erhöhten Risiko für ungewollte Schwangerschaften führt. „Schwangere sollten engmaschig betreut werden und zur Abstinenz angehalten werden, denn anhaltender Konsum kann zu schweren Schäden beim Ungeborenen führen“, erklärte er. Besondere Aufmerksamkeit sollte auch den betroffenen Familien gelten, weil Crystal-Meth-Konsum auch mit erhöhter Gewaltbereitschaft einhergehen kann.

Petra Bühring

@Die Leitlinie kann in einer Kurz- und in einer Langfassung abgerufen werden: www.crystal-meth.aezq.de

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